vergrößernverkleinern
Michael Schumacher liegt vor dem Italien-GP in der Fahrerwertung auf Rang zehn © getty

Mercedes GP blickt mit gedämpften Erwartungen auf den Italien-GP am Wochenende. Sogar Platz vier in der WM ist in Gefahr.

Von Julian Meißner

München - Nach der erfolgreichen Aufholjagd von Spa droht Michael Schumacher beim Großen Preis von Italien ein Rückfall in die Rolle des Hinterbänklers.

Ausgerechnet in Monza, wo Schumacher im Ferrari fünf Mal das Heimspiel der Scuderia gewann und den Siegrekord hält, wird für die Mercedes-Silberpfeile bei normalem Verlauf kaum etwas zu holen sein.

Der 41-Jährige fährt vorsichtshalber mit gedämpften Erwartungen zur traditionsreichen Strecke in der Lombardei. "Mehrmals in diesem Jahr haben wir auf Rennstrecken mit ähnlicher Charakteristik wie Monza gesehen, dass uns solche Kurse nicht liegen", sagt Schumacher.

Gedämpfter Optimismus

Es sei dennoch selbstverständlich, "dass wir uns darauf vorbereiten und versuchen werden, dort das Maximum aus unserem Paket rauszuholen".

Mercedes-Sportchef Norbert Haug klingt mit seiner Hoffnung auf ein "respektables Ergebnis" ebenfalls nicht sonderlich optimistisch.

Highspeed ist gefragt

Monza, das heißt Highspeed. Mit 70 Prozent Vollgasanteil, über 250 Stundenkilometern Durchschnittsgeschwindigkeit in der Quali und fast 350 km/h in der Spitze ist der Kurs der schnellste im gesamten Kalender.

Mercedes-Teamchef Ross Brawn erklärt: "Aus technischer Sicht kommt es vor allem auf die aerodynamische Effizienz mit wenig Abtrieb an, um den Luftwiderstand zu minimieren. Dazu sind gute Bremsen und Traktion wichtig sowie ein kräftiger Motor, um auf den langen Geraden möglichst schnell zu sein."

Renault greift an

Für Mercedes wird es beim 14. Saisonlauf primär darum gehen, sich des Angriffs der Renault-Crew auf Platz vier in der Team-WM zu erwehren.

Die Franzosen haben mit ihrem neuen F-Schacht einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht, während Silber auf der Stelle tritt.

Favoriten auf der Powerstrecke vor den Toren Mailands sind ohnehin andere: McLaren und Schumachers alte Liebe Ferrari haben die besten Aussichten.

"Eine echte Herausforderung"

Die Fahrer des kränkelnden Mercedes-Boliden dagegen müssen auf unberechenbare Bedingungen wie zuletzt in Belgien hoffen, wollen sie in Qualifying und Rennen ein ernstes Wörtchen mitreden.

"Das Wochenende in Spa war recht unterhaltsam und ich erinnere mich gerne daran, denn wir erzielten unter den gegebenen Umständen noch ein ganz ordentliches Resultat", sagt Schumacher: "Das kommende Rennen in Monza wird wohl auf ganz andere Weise spannend werden, denn es ist für unser Team eine echte Herausforderung."

Aero-Paket und gute Erinnerungen

Auch wenn hinter den Kulissen bereits fleißig am Boliden für 2011 gewerkelt wird und in den restlichen sechs Rennen dieser Saison allenfalls Schadensbegrenzung auf dem Plan steht, tritt Mercedes - wie alle Teams - in Italien mit einem speziellen Aerodynamik-Paket an.

Schumacher könnten dazu die prächtigen Erinnerungen an die einstigen Auftritte im roten Ferrari-Renner beflügeln. Zu Hochzeiten seiner Liason mit der italienischen Edelmarke feierten die Massen in Monza den Deutschen.

"Ich bin viele Jahre lang immer sehr herzlich empfangen worden", sagt Schumacher über seine Rückkehr nach vier Jahren Rennpause, auf die er sich trotz mangelnder Siegchancen "extrem" freut.

Rom für Monza?

Doch die Zukunft der in die Jahre gekommenen Strecke steht in den Sternen. Ab 2012 soll die Formel 1 in Rom starten, weshalb sich nun Bedenken mehren, Monza könne für das Stadtrennen aus dem Rennkalender fallen.

Stimmen aus der Politik forderten aktuell Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo auf, ein klares Bekenntnis zum berühmten Autodromo Nazionale abzugeben, das seit Gründung der Königsklasse 1950 fester Bestandteil der Formel 1 ist.

Der Vertrag des Veranstalters mit Formel-1-Chefpromoter Bernie Ecclestone läuft 2012 aus. Auch wenn der Brite offenbar zwei Rennen auf italienischem Boden favorisiert, könnte Monzas Stunde bald geschlagen haben.

Schumachers Teamkollege würde es bedauern. Trotz des für seinen Mercedes ungünstigen Layouts sagt Nico Rosberg: "Monza gehört zu den besten Rennstrecken der Welt."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel