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Michael Schumacher wurde 1994, 1995 und von 2000 bis 2004 Weltmeister © getty

Schumacher lässt ungewohnt deutlich Dampf über die Tücken seines Mercedes ab. Offenbar positioniert er sich in einem Machtkampf.

Von Martin Hoffmann

München - Michael Schumacher hat seine Welt in Suzuka ein wenig in Ordnung gebracht.

Der Rekordweltmeister legte mit Platz sechs das beste Resultat seit dem vierten Rang beim Türkei-Grand-Prix im Mai hin. Er war der beste Fahrer hinter den fünf WM-Kandidaten und freute sich über "das bestmögliche Ergebnis für uns".

Und Mercedes-Sportchef Norbert Haug würdigte Schumachers Beweis, "dass er stark ist, wenn wir ihm die richtige Basis dazu geben".

Das ist die eine Seite der Geschichte. Die andere Seite ist, dass Schumacher nach dem Rennen eine gehörige Dosis Dampf abließ über die Gelegenheiten, als er diese Basis eben nicht bekam.

Zickiger F-Schacht

"Das Auto hat diesmal super funktioniert", lobt er zwar. Dem Lob mischte er aber im Nachsatz eine Portion Gift bei. Er könne das nämlich "leider nicht von allen Rennen sagen".

Schumacher klagte über diverse Probleme, die ihn behindert hätten, die der gemeine Zuschauer aber nicht wahrnehmen würde - und die deshalb ihm angelastet würden.

Eines davon gab es auch im Qualifying in Japan, wo sein F-Schacht Zicken gemacht hatte und zum falschen Zeitpunkt eingesetzt war: in den Kurven, nicht in den Geraden.

"Komischerweise passiert es immer mir"

"Nicht gerade praktisch" sei das gewesen, stichelte Schumacher. Und derartige Probleme hätten sich gehäuft: "Mein Wagen ist in den letzten Rennen nicht hundertprozentig auf Vordermann gewesen."

Das Team hätte "in diesem Jahr große Unkonstanten, beide Autos funktionieren nicht immer gleich".

Es sei auch auffällig, dass die Probleme vor allem ihn beträfen: "Komischerweise passiert es immer an meinem Auto."

Offensive gegen die Kritik

Absicht unterstellte Schumacher den Technikern seines Teams zwar nicht - und er gab nebenbei auch selbstkritische Töne von sich, etwa indem er anerkannte, dass zu Rosberg "ein bisschen fehlt".

Dennoch sind seine Aussagen eine bemerkenswerte Offensive gegen die allgegenwärtige Kritik an seiner enttäuschenden Saison - auf Kosten seines Teams.

Zuletzt waren die Gerüchte über Unzufriedenheit an Schumacher in der Meldung gegipfelt, Teamchef Ross Brawn habe Schumacher ein Ultimatum gestellt: Dass er 2011 zulegen müsse - oder fliegen würde.

Haug widerspricht Gerüchten

Diese Deutung erscheint boulevard-gerecht zugespitzt, Haug ließ auch in Suzuka keine Gelegenheit aus zu betonen, dass es kein Ultimatum gebe.

In einem Gespräch mit der "BBC" erklärte Haug dies gleich mehrfach. Und er verwahrte sich auch gegen das Gerücht, Schumacher könnte Sportdirektor des Teams werden, sollte es sportlich weiter nicht klappen.

"Glaubwürdiger wäre die Behauptung, dass Norbert Haug Formel-1-Fahrer werden würde", hielt er fest.

Was Haug aber nicht wegreden kann, ist dass sich bei Brawn zuletzt kritische Zwischentöne über Schumacher eingeschlichen haben.

Richtungsstreit Brawn - Haug?

Die "BBC" sieht gar einen internen Richtungsstreit zwischen Brawn und Haug toben: Brawn sei demnach der Ansicht, dass Schumacher nicht mehr der Alte wäre und dass der Bolide für 2011 auf Rosberg zugeschnitten werden sollte. Haug kämpfe dagegen dafür, weiter auf Schumacher zu setzen.

Dessen ungewohnt deutliche Worte kann man als Positionierung in dem angeblichen Machtkampf lesen.

Für die Theorie, dass es den gibt, spricht, mit welchem Feuereifer Haug die teure Investition Schumacher derzeit gegen jede Kritik in Schutz nimmt.

Haug: "So gut wie früher, wahrscheinlich besser"

Schumacher brauche "niemanden, der ihn verteidigt, ganz sicher nicht mich", hielt Haug zwar fest - tat dabei aber doch genau das.

Man müsse schließlich "bedenken, dass er drei Jahre nicht in der Formel 1 war". Und er sei ja auch "ein wenig gehandicapt mit unserem Auto".

Dennoch ist Haug sicher: Schumacher sei "so gut wie früher, wahrscheinlich besser".

"Kann Michael nicht widersprechen"

Den kritischen Äußerungen Schumachers in Bezug auf den Boliden stimmt Haug in der "Bild" auch zu: "Ich kann Michael nicht widersprechen. Was das Auto betrifft, hat er Recht."

Haug nahm auch die Schuld dafür auf sich, dass Schumacher lange mit frischen Reifen hinter seinem Teamkollegen Rosberg festhing und so den fünftplatzierten Lewis Hamilton nicht mehr angreifen konnte.

"Das war unser Fehler", so Haug.

Zurechtweisung über Boxenfunk

Schumacher behauptete hinterher zwar, dass das Duell mit Rosberg "angenehm" war: "Kämpfen macht immer Spaß."

Andererseits habe er "natürlich schon gefragt, ob es nicht mehr Sinn machen würde, mich durchzulassen, um nach vorne etwas auszurichten oder später nicht in eine Drucksituation zu kommen".

Die im Boxenfunk vernehmbare Ansage: "Es gibt keine Teamorder."

So ganz in Ordnung ist Schumachers Welt eben doch nicht.

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