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In Lauerstellung hinter den Doppelsiegern: Fernando Alonso © imago

Fernando Alonso hat in Suzuka unter schlechten Bedingungen das Optimum herausgeholt - und sieht sich weiter in bester Position.

Von Martin Hoffmann

München - Die große Jubelbühne musste Fernando Alonso diesmal anderen überlassen.

Keine Journalisten-Traube beim Verlassen seines Boliden. Kein Gruppenfoto mit einer glücklichen Crew. Kein Hauptpreis bei der Siegehrung, bei der sich der Spanier diesmal dezent im Hintergrund hielt.

Ärger war dem Ferrari-Piloten aber nicht anzusehen. Den dritten Platz beim Rennen in Suzuka nahm der Spanier mit einem zufriedenen Lächeln hin 297593(DIASHOW: Bilder des Rennens).

Es schien als würde er sich genauso fühlen, wie ihn das Fachblatt "auto motor und sport" nach dem Rennen bezeichnete: Als "der heimliche Sieger" von Suzuka (Die Pressestimmen).

Das Maximum erreicht

Mit dem dritten Platz hinter den Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel und Mark Webber hat Alonso das Maximum erreicht, was unter normalen Umständen auf der Strecke für ihn möglich war.

Und er sieht seine Titelchancen trotz eines um drei auf 14 Punkte vergrößerten Rückstands auf WM-Leader Mark Webber kein Stück geschmälert (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Uns war vor dem Rennen klar, dass die Red Bulls auf dieser Strecke unantastbar sein würden", machte Alonso nach dem Rennen klar.

Was ihn so zuversichtlich stimmt: "Wir sind überzeugt, dass dies für uns die schlechteste Strecke unter den noch verbleibenden war."

Befürchtungen bestätigen sich nicht

Ferraris großes Problem war vor allem der erste Sektor mit den schnellen S-Kurven, wo Alonso fast die komplette Zeit einbüßte, die ihm am Ende jeder Runde zu den Red Bulls fehlte.

Aufgrund dieses Problems hatte die Scuderia laut Alonso befürchtet, "dass wir Mühe haben würden, uns vor McLaren zu klassieren".

Genau das aber gelang Alonso - auch wenn Glück dabei war: Lewis Hamiltons Start-Strafe, Jenson Buttons fehlgeschlagene Reifen-Strategie, Robert Kubicas Ausfall.

Alonso aber erledigte den Rest, indem er "fantastisch gefahren ist", wie Chefingenieur Chris Dyer lobte: "Er hat für uns das Maximum erzielt, was wir hier hätten erreichen können."

"Ich bezweifle das"

Alonso ist zuversichtlich, dass nach dem kleinen Schritt zurück in den letzten drei Rennen der große Sprung nach vorn kommt.

Und mit den üblichen Sticheleien in Richtung Vettel und Webber hat er auch schon begonnen.

Er sieht die Red Bulls zwar "wie auf allen Strecken davor" als Favoriten, wie er in der Zeitung "El Pais" erklärt: "Aber in 16 Rennen haben sie nur drei Doppelsiege geschafft. Ich bezweifle also, dass sie noch drei weitere hinbekommen."

Horner: Alonso die "größte Bedrohung"

Es muss aus Alonsos Sicht nur noch "so weitergehen - und ich weiß, dass ich das schaffen kann".

Red-Bull-Teamchef Christian Horner fürchtet das auch. Nach einem Rennen, bei dem die McLaren-Piloten Leiws Hamilton und Jenson Button womöglich entscheidend an Boden verloren haben, sieht der Brite Alonso als "größte Bedrohung".

Der Weltmeister von 2005 und 2006 glaubt gar, dass drei Podiumsplatzierungen ausreichen werden, um den Titel zu holen - eine Theorie, die er derzeit bei jeder Gelegenheit verbreitet.

Massa trübt die Stimmung

Getrübt wird die Stimmung bei Ferrari allerdings durch das frühe Ausscheiden Felipe Massas nach einem selbst verschuldeten Crash - der die ohnehin nur noch geringen Chancen auf den Konstrukteurs-Titel weiter schmälert (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

Massas Abflug ist auch mal wieder Treibstoff für die trotz aller Dementis nicht abklingenden Spekulationen, er könnte zur neuen Saison trotz eines im Juni erst verlängerten Vertrags abgelöst werden - etwa durch Robert Kubica.

Ultimatum durch die Blume?

Da klingt es eigentlich ermunternd, was Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hinterher auf der Firmen-Homepage verbreitete: "Es tut mir leid für Felipe, der dieses Wochenende sicher kein Glück hatte: ich bin mir sicher, er wird die Überraschung der letzten drei Saisonrennen."

Nach diesem "schlechten Tag" werde Massa "sicher reagieren und alles tun wollen, damit er siegen kann".

Manch ein Beobachter deutet das aber eben nicht als Schulterklopfen, sondern als freundlich getarntes Pistole-auf-die-Brust-Setzen. Die spanische Zeitung "La Razon" spricht von einem "ultimato à italiana".

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