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Mark Webber (l.) kam 2007 zu Red Bull, Sebastian Vettel wechselte 2009 ins Team © getty

Auch wenn Vettel aufholt: Die WM-Chancen seines Teamkollegen sind weiter gestiegen. Rivalität herrscht nur abseits der Strecke.

Von Martin Hoffmann

München - Es ist nur eine Redensart, mit der Mark Webber sein Rennen in Suzuka zusammenfasst. Aber sie passt punktgenau.

Von einem "good day at the office" schreibt der WM-Leader in seiner Kolumne für den "Daily Telegraph" aus seiner australischen Heimat.

Webber vergleicht sein Rennen also mit dem gelungenen Tag eines Büro-Arbeiters. Das passt zu dem Stil, mit dem er derzeit seine WM-Führung verwaltet: Unauffällig, aber durchaus effektiv.

Die Schlagzeilen nach dem Japan-GP gehörten seinem siegreichen Teamkollegen Sebastian Vettel. Dabei ging aber unter, dass Webbers WM-Chancen in Suzuka nicht gesunken, sondern gestiegen sind.

"Es bewegt sich in die richtige Richtung"

Denn auch wenn Vettel aufgeholt hat, ist Webbers Vorsprung auf den zweiten Platz, den sich Vettel jetzt mit Fernando Alonso teilt, angewachsen: von elf auf 14 Punkte (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Oder wie Webber es formuliert: "Es ist immer noch sehr eng, aber der Abstand bewegt sich in die richtige Richtung."

Trotzdem beschäftigen sich die meisten Fans, Experten und Medien außerhalb seiner Heimat mehr mit Vettels Momentum, den empfindlich zurückgefallenen McLaren-Piloten und dem lauernden Dritten Alonso.

WM-Leader im Schatten

Es scheint Webber Schicksal zu bleiben, wenig beachtet und unterschätzt zu werden. Er ist es gewohnt aus den Zeiten, in denen er für kleine Teams fast immer respektabel fuhr, ohne dass das breitere Publikum davon Notiz nahm.

Und auch jetzt, als WM-Leader auf dem Höhepunkt seiner Karriere, steht er immer noch eher im Schatten.

[kaltura id="0_mqwfhjq2" class="full_size" title="Vettel vs. Webber in Südkorea"]

Es liegt daran, dass Webber seit vier Rennen nicht mehr gewonnen hat ? wertvolle Punkte gesammelt hat er dabei aber eben trotzdem. 297593(DIASHOW: Bilder des Rennens).

Ruhe im Stallkrieg

"Mark hat reihenweise Podeste eingefahren: Er schaffte es in Singapur, er schaffte es in Spa und auch hier in Japan", rief Teamchef Christian Horner nach Suzuka in Erinnerung.

Und der Brite hält es für gut möglich, dass Webbers Konstanz am Ende der Schlüsselfaktor sein wird: "Es wird in den verbleibenden drei Rennen um die Konstanz unter den Titel-Anwärtern gehen."

Ein weiterer Grund, dass Webber aus den Schlagzeilen geraten ist, ist die Tatsache, dass es nach allem Aufhebens um den "Stallkrieg" zwischen Webber und Vettel ruhig geworden ist.

Die beiden sind sich auf der Strecke zuletzt nicht mehr in die Quere gekommen.

Nur kleine Zeichen der Rivalität

Wer die Rivalität weiter beschwören will, muss sich im Moment an Kleinigkeiten aufhängen: Daran, dass die beiden bei der Siegerehrung in Suzuka mehr Champagner über Chefdesigner Adrian Newey ergossen als übereinander. (Die Pressestimmen)

Oder an der Tatsache, dass Webber bei Vettels Siegesfeier im Fahrerlager nur als Pappkamerad dabei war ? Webbers reale Version hatte sich schon auf den Weg zum Flughafen gemacht.

Oder an der Art und Weise, wie Webber Vettel am Schluss noch die schnellste Rennrunde wegschnappte und grinsend erklärte: "Ich konnte ihm ja nicht einfach das Triple überlassen, oder?"

"Vettel wird da insgeheim richtig sauer drüber sein", meint Ex-Teamchef Eddie Jordan: "Er liebt es, schnellste Rennrunden zu sammeln."

Button setzt den Keil an

Auch die Konkurrenz versucht erkennbar, die Spannungen zwischen Webber und Vettel neu anzuheizen.

Speziell die McLaren-Piloten, deren Titel-Hoffnungen nach Suzuka nur noch auf der Hoffnung beruhen, dass bei Red Bull etwas schief läuft.(DATENCENTER: WM-Stand Teams)

Kein Wunder, dass Jenson Button da den Keil ansetzt, indem er plötzlich öffentlich Sebastian Vettel zum WM-Favoriten erklärt.

Die professionelle Ebene funktioniert

"Vettel steht nicht unter Druck, er wird es", meint der Titelverteidiger: "Über drei Rennen gesehen, müsste er gegenüber Mark im Vorteil sein."

Solche Pyscho-Tricks können Webber und Vettel im Moment egal sein: Denn auch wenn die beiden keine persönliche Freundschaft mehr schließen werden, auf der professionellen Ebene funktioniert ihr Verhältnis im Moment.

Webber ist zuletzt auch nicht mehr mit Forderungen aufgefallen, teamintern bevorzugt zu werden.

Elegante Befriedung

Wie Vettel scheint er sich mit der von Teamberater ausgegeben Doppelstrategie arrangiert zu haben, dass Vettel durch aggressives und Webber durch defensives Fahren versuchen soll, den Titel einzusacken (Red Bull setzt auf Jekyll-und-Hyde-Taktik).

Red Bull hat offenbar einen eleganten Weg gefunden, Webber und Vettel zu befrieden.

Denn beide scheinen überzeugt zu sein, dass ihr Weg sie zum Ziel führen wird: Vettel, der Angreifer - und Webber, der rasende Bürobeamte.

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