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Nico Rosberg kam 2009 nach vier Jahren bei Williams zu Mercedes GP © getty

Der Mercedes-Pilot hat Michael Schumacher konstant im Griff, erfährt aber seiner Meinung nach keine rechte Anerkennung dafür.

Von Julian Meißner

München - Dass es nicht einfach werden würde an der Seite Michael Schumachers, war Nico Rosberg vor der Saison klar.

Ursprünglich hatte der 25-Jährige, als er seinen Wechsel von Williams zu Mercedes fixierte, damit gerechnet, Weltmeister Jenson Button zum Teamkollegen zu haben.

Doch dann entschloss sich der Rekord-Champion zum Comeback, und schnell waren sich die Experten einig: Für Rosberg sollte das Duell mit der Legende Schumacher Gefahr, aber auch zugleich Chance sein.

Nach 16 Rennen für das Silberpfeil-Team hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Wiesbadener die Gelegenheit eindrucksvoll beim Schopfe gepackt hat. 13:3 steht es in den Qualifikations-Duellen für Rosberg gegen Schumacher, 122:54 nach WM-Punkten. Deutlicher geht es kaum.

Mercedes schützt Schumacher

Doch zufrieden ist Rosberg nicht. Zum einen, weil das Auto zu schwach ist, um damit um Siege und damit den Titel kämpfen zu können. Zum anderen, weil er in der öffentlichen Wahrnehmung seiner Meinung nach deutlich zu schlecht wegkommt.

"Ich finde nicht, dass meine Leistung gut genug dargestellt wird ", klagte Rosberg nun in der "Sport Bild".

Die Teamleitung um Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug gibt Schumacher nach wie vor Rückendeckung, wenn dieser seine Probleme auf die mangelnde Performance des Boliden MGP-W01 schiebt, anstatt Rosbergs fahrerische Performance in den Vordergrund zu stellen.

Reifen das Problem für beide

Für Teamchef Ross Brawn, mit dem Schumacher alle seine Titel gewann, sind es nach wie vor die schmaleren Vorderreifen, die den siebenmaligen Weltmeister soviel Probleme bereiten.

"Mir geht das genauso", relativierte Rosberg die Einschätzung, Schumachers Fahrstil passe nicht zu den Reifen: "Ich glaube sogar, Michael hat seinen Fahrstil besser angepasst als ich."

Auch die Tatsache, dass sich die Autos in Schumachers dreijähriger Abwesenheit aus der Königsklasse stark verändert haben, werde überschätzt.

"Michael hat 15 Jahre Formel-1-Erfahrung", sagte Rosberg: "Da hilft es auch nicht, dass ich in den letzten drei Jahren schon mal mit anderen Bridgestone-Rillenreifen gefahren bin. Zumal der aktuelle Vorderreifen anders ist als alle anderen davor."

Schumacher immer kritischer

Schumachers Kritik am eigenen Rennstall war zuletzt immer deutlicher geworden.

"Große Unkonstanten" habe es in diesem Jahr gegeben, erklärte der 41-Jährige in Suzuka und sprach von einer Benachteiligung: "Beide Autos funktionieren nicht immer gleich". Die Probleme würden "komischerweise" immer an seinem Auto auftreten.

Das war für Rosberg dann wohl doch zuviel des Guten. Bedenken, Schumacher werde die Macht im Team an sich reißen, hatte er bis dato immer beiseite gewischt.

Haug bereut Suzuka-Taktik

Schumacher seinerseits war nach dem Rennen in Japan offensichtlich angefressen, weil er es nicht schaffte, im direkten Duell auf frischen Reifen an seinem teaminternen Rivalen vorbeizuziehen.

Die beiden lieferten sich rundenlang ein heißes Duell bis Rosberg nach einem Defekt an der Hinterachse in der Streckenbegrenzung landete. Natürlich hatte der schnellere Schumacher über Funk angefragt, ab man ihn nicht vorbeiwinken wolle - und eine Absage erhalten.

"Es war unser Fehler", erklärte Haug hinterher reumütig: "Er hatte den besseren Gummi und hätte Lewis Hamilton kriegen können."

Hamilton, der in seinem McLaren mit Getriebeproblemen und ohne dritten Gang unterwegs war, lag an fünfter Position und rettete den Rang vor Schumacher ins Ziel.

"Manchmal hakt es ein wenig"

Die kolportierten Unstimmigkeiten im Team beurteilt Schumacher nach außen hin jedoch sehr gelassen.

"Manchmal hakt es da ein wenig, technisch gesehen, aber unser Link ist stark genug, dass man Dinge auch mal kritisch aussprechen kann, wenn sie nicht so laufen - und das gilt für uns alle", schrieb er auf seiner Homepage: "Wichtig ist, dass wir intern so einig bleiben. Und da bin ich mir sehr sicher."

Weichenstellung für 2011

Drei Rennen verbleiben nun noch in der Saison, die Mercedes allerdings längst zugunsten des kommenden Jahres abgeschrieben hat.

Rosberg wird in Yeongam, Sao Paulo und Abu Dhabi versuchen, seine Dominanz gegenüber Schumacher fortzuführen und seinen Status bei den Silberpfeilen notfalls auch verbal verteidigen wie er es nach Suzuka tat.

Schließlich geht es auch um die Rollenverteilung im Team für 2011.

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