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Jenson Button wechselte als Weltmeister von Brawn GP zu McLaren © imago

Weltmeister Jenson Button übersteht in Sao Paulo Horror-Momente. Sechs Männer überfallen den McLaren-Star. Der Fahrer rettet ihn.

Sao Paulo - Jenson Button in Todesangst: Die bewaffneten Überfälle auf den letztjährigen Weltmeister und drei Ingenieure von Sauber hat die Formel 1 geschockt.

Beide Überfälle ereigneten sich am Samstagabend nach der Qualifikation zum Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo (So., 16.45 Uhr im LIVE-TICKER) nahe der Rennstrecke, verletzt wurde niemand.

Bei der geistesgegenwärtigen Flucht des Button-Fahrers wurden mehrere Autos beschädigt, den Sauber-Technikern wurden Rücksäcke mit Ausweisen, Handys und Bargeld gestohlen.

Nachdem es in den vergangenen Jahren in Brasilien schon mehrfach zu Überfällen von Teammitgliedern wie Toyota oder Williams gekommen war, war nun erstmals ein Fahrer Opfer.

Dank an den Fahrer

"Das war eine schreckliche Situation, sehr angsteinflößend", sagte Button: "Es waren sechs Personen, Ich habe mir erst nichts dabei gedacht. Dann habe ich gesehen, dass zwei von ihnen Handfeuerwaffen hatten und einer sogar ein Maschinengewehr. Gott sei Dank hat mein Fahrer gut reagiert. Ich bin ihm sehr dankbar, er ist ein Held. Aber er hat ungefähr fünf Autos gerammt, wir fuhren quasi über sie hinweg."

Durch die Flucht des Chauffeurs, eines Polizisten, löste sich die Situation aber noch nicht auf. Einige Fahrer der beschädigten Autos gaben sofort Gas und starteten eine Verfolgungsjagd auf die gepanzerte Limousine, um ihre Schadenersatzansprüche anzumelden.

Button denkt an Freundin

McLaren-Pilot Button war mit seinem Vater John, Manager Richard Goddard und Physiobetreuer Mike Collier auf dem Weg von der Rennstrecke zum Hotel im Stadtteil Morumbi, als die Limousine angegriffen wurde.

Button dachte aber umgehend an seine Freundin Jessica. "Ich bin nur froh, dass sie nicht dabei war, sie hätte sich zu Tode erschrocken."

[kaltura id="0_dnuokcxq" class="full_size" title="Die Strecke in Interlagos"]

Das Unterwäschemodel, das Button bei vielen Rennen begleitet, musste an diesem Wochenende arbeiten.

Geplanter Überfall

Button erklärte, er sei nicht sicher, "ob die wussten, wen sie da überfallen. Ich hatte zwar Teamkleidung an, aber die Scheiben waren komplett verdunkelt."

Eine McLaren-Sprecherin sagte jedoch, man vermute, dass Gehilfen der Gangster an der Strecke postiert waren und die Abfahrt der Limousine meldeten.

Am Sonntag sah Button aber schon wieder gut erholt aus. "Ich konnte gut schlafen", versicherte der Brite. Auch sein Teamchef Martin Whitmarsh war erleichtert.

"Das war natürlich ein großer Schock für Jenson", sagte er: "Aber so etwas kommt vor. Gottseidank ist nichts passiert. Und Jenson ist ein cooler Typ, der steckt das weg."

Sauber trifft es härter

Mehr zu verdauen hatten die drei Ingenieure des Sauber-Teams.

Wie eine Sprecherin bestätigte, wurde einem von ihnen sogar eine Maschinenpistole an den Kopf gehalten.

Diesen Überfall - um 20 Uhr Ortszeit und damit eine Stunde nach dem Zwischenfall mit Button an fast derselben Stelle - wurde von fünf Personen begangen, von denen einer bewaffnet war.

Button schreibt Titel ab

Damit bestätigte Sao Paulo wieder einmal seinen Ruf als gefährliches Pflaster. 2006 waren Mitglieder von Ralf Schumachers damaligen Toyota-Team Opfer eines bewaffneten Überfalls geworden, der aber ebenfalls glimpflich ausging.

"Wer seine Frau loswerden will, sollte sie mit nach Brasilien nehmen", hatte Ralf Schumacher damals erklärt.

Dass Button den erneuten WM-Titel in der Formel 1 nach Platz elf im Qualifying wohl abhaken musste, geriet für den Briten somit zur Nebensache. "Vorher hatte ich noch geringe Hoffnungen, wieder Weltmeister werden zu können, doch die sind verflogen. Das ist für mich nun unmöglich", sagte Button. (DATENCENTER: Die Startaufstellung)

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