vergrößernverkleinern
Fernando Alonso hat vor dem 19. Rennen fünf Saisonsiege auf dem Konto © getty

Ferrari-Star Fernando Alonso eröffnet vor dem großen Finale das Psycho-Duell mit der Konkurrenz von Team-Weltmeister Red Bull.

Von Julian Meißner

München - Fernando Alonso war ziemlich schnell wieder in seinem Element.

Die WM sei völlig offen, hatte der erfahrene Ferrari-Pilot noch auf der Pressekonferenz unmittelbar nach dem vorletzten Saisonrennen erklärt

Wenig später tönte er, sein Glauben an den Titelgewinn liege "bei 100 Prozent", und überhaupt sei er "extrem zufrieden" mit dem Ausgang des Großen Preis von Brasilien.

Keine Frage, der Weltmeister der Jahre 2005 und 2006 kennt sich aus mit Psycho-Spielchen.

Sticheln gegen Red Bull

In der entscheidenden Phase der Saison eröffnet der Asturier, gestählt durch fast acht Jahre als Einsatzpilot im Haifischbecken Formel 1, das branchenübliche Gestichel gegen die Konkurrenz.

"Red Bull predigt seit drei Monaten immer wieder die Gleichbehandlung. Sie sollten jetzt ruhig mit ihrer Philosophie so weitermachen", zitierte ihn am Montag die spanische Zeitung "El Pais".

Dabei hatten die Rivalen des Red-Bull-Teams in Sao Paulo einen triumphalen Doppelsieg gefeiert und ganz nebenbei die Konstrukteurs-WM eingetütet. Doch Alonso hat Recht, wenn er sagt: "Es kommt auf uns an, ob wir den Titel holen."

Krönung des ersten Ferrari-Jahres?

Weil sich Sebastian Vettel und Mark Webber über die Saison hinweg gegenseitig reichlich Punkte wegnahmen, reicht Ferraris Vorzeigefahrer am kommenden Wochenende in Abu Dhabi (Training, Fr., 10 Uhr im LIVE-TICKER und im TV auf SPORT1) ein zweiter Platz, um seinen dritten Titel zu feiern. (Viele Wege führen zum Titel)

Es wäre der wertvollste. Im ersten Jahr bei Ferrari ganz oben zu stehen, das gelang nicht einmal Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, der fünf seiner sieben Weltmeisterschaften mit der Scuderia holte.

Alonso hat es in Windeseile geschafft, das legendäre Team hinter sich zu bringen und Felipe Massa, vor zwei Jahren noch unglücklicher Vize-Weltmeister, zum Wasserträger zu degradieren.

Brüchige Bande

Die Bande zwischen Vettel und Webber dagegen sind brüchig - weil sie beide noch Weltmeister werden können, die Teamleitung sie munter aufeinander los lässt und sie sich mittlerweile Spitzen gegeneinander auch nicht mehr verkneifen können.

Bei Ferrari will man sich nicht zuviel Gedanken über die Probleme der Konkurrenz machen.

Teamchef Stefano Domenicali betonte, man sei weiter gut beraten, auf sich selbst zu schauen. "Wir werden unsere Herangehensweise nicht ändern", sagte der Italiener mit Blick auf kommendes Wochenende: "Wir müssen uns auf unseren Part konzentrieren."

Furcht vor dem Defekt

Worst Case für die Scuderia wäre natürlich ein Unfall Alonsos oder ein technischer Defekt am Arbeitsgerät ihres besten Pferdes im Stall.

"Wir werden bis zum letzten Meter warten müssen", so Domenicali, der offensichtlich mit einer Zitterpartie rechnet: "Die Zuverlässigkeit ist ein großes Thema, um das sich jeder Sorgen wird. Nicht nur beim Motor, sondern bei allem."

Yeongam lässt grüßen

Keiner der drei Titelaspiranten hat noch ein frisches Triebwerk zur Verfügung. Und wie schnell der Traum ein Ende haben kann, führte zuletzt Vettel wenige Runden vor Schluss in Südkorea eindrucksvoll vor, als ein Motorschaden ihn um den sicher geglaubten Sieg brachte.

"Es wird ein sehr langes Rennen in Abu Dhabi", sagte Domenicali, der mit seiner Crew immerhin einen großen Vorteil hat: "Wir müssen keine schwierigen Rechnungen anstellen."

Red Bull Favorit auf den Sieg

Nach den Eindrücken des Premierenrennens im vergangenen Jahr dürfte Red Bull erneut überlegen sein auf dem Yas Marina Circuit, doch auch Ferrari rechnet sich Chancen auf den Sieg aus.

"Wir werden es versuchen", sagte Domenicali: "Das müssen wir, denn wenn wir gewinnen, ist alles ganz einfach."

Alonso voller Überzeugung

Während Red Bull zahllose Szenarien über Erfolg oder Scheitern in der Jagd nach dem weitaus prestigeträchtigeren Fahrer-Titel durchzurechnen hat, muss Alonso dergleichen Überlegungen nicht anstellen.

Deshalb klingt es auch überzeugend, wenn er sagt: "Wir wissen, was wir zu tun haben."

Genau das könnte im Finish der spannendsten Saison aller Zeiten sein großer Vorteil sein. Und den Glauben an sich selbst hat Alonso ohnehin.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel