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Michael Schumacher hat seit 1991 91 Grand-Prix-Siege eingefahren © getty

Das Comeback-Jahr von Michael Schumacher ist um. Mika Häkkinen fällt ein vernichtendes Urteil. Schumi ist kritisch und will mehr.

Von Marc Ellerich

München - Vom "Fliegenden Finnen" hätte man derart harte Bandagen nicht erwartet. Doch der einstige WM-Rivale und Mercedes-Botschafter Mika Häkkinen redete nicht lange um den heißen Brei.

In einer Kolumne für die Münchner "tz" gratulierte Mika Häkkinen, 1998 und 1999 mit McLaren Weltmeister, Sebastian Vettel zum WM-Titel - um sich dann schnell einem anderen deutschen Piloten zuzuwenden: seinem früheren Gegenspieler Michael Schumacher.

"Bei aller Freude über diesen herrlichen Vettel: Michael ist für mich jetzt ein tragischer Held", zog Häkkinen eine deftige Saison-Bilanz: "Und ich frage mich, was zum Teufel hat ihn dazu bewogen, wieder ins Cockpit einzusteigen?"

"Warum nur?"

Damit war Häkkinen bei Weitem nicht fertig mit der Abrechnung von Schumachers Comeback-Jahr. "Da fährt der erfolgreichste Mann des Motorsports hinterher und macht in Abu Dhabi einen lächerlichen Fahrfehler, der ihn fast das Leben gekostet hätte", ließ er seinen Ghostwriter aufschreiben.

Um sofort nachzulegen: "Und Schumi will ja auch nächstes Jahr weiterfahren. Warum nur? Was will er, der mehr gewonnen hat als jeder andere, noch beweisen?"

Schumacher demontiere "Stück für Stück sein eigenes Denkmal", lautete das vernichtende Urteil des früheren Weggefährten. Dabei sei es egal, "ob er aus technischen Gründen hinterher fährt oder weil er mit den Jungen nicht mehr mithalten kann".

[kaltura id="0_ywkuwolq" class="full_size" title="Vettel im Weltmeister Interview"]

2011 als Lehrjahr abgehakt

Wie die Worte des früheren Gegners bei Schumacher ankommen werden (so er sie denn überhaupt registriert), wird man wohl nicht erfahren. Der Effekt der Häkkinen-Tirade auf die Zukunft des Mercedes-Stars lässt sich hingegen leicht ermitteln: Er liegt bei null.

Denn Schumacher hat seine ersten Monate mit dem Silberpfeil-Team längst abgehakt: unter der Rubrik Lehrjahr im stattlichen Alter von 41. Und obwohl von einem schlechten Verhältnis zu Häkkinen bis dato nicht bekannt war: Die Gelegenheit Angriffe einstiger Größen und traumatisierter Ex-Rivalen zu ignorieren, hatte der erfolgreichste Pilot der Formel-1-Geschichte bereits während der Saison reichlich. (Irvine: Schumi-Rückkehr eine Katastrophe)

Probleme mit den Reifen

Als deutlich wurde, dass Schumacher die hohen Erwartungen der Weltöffentlichkeit nicht würde erfüllen können, rechneten Gegner von früher gnadenlos mit dem seinerzeit Unerreichbaren ab - vor allem in England füllte die Schumi-Prügel die Zeitungsseiten.

Dass Schumachers Fahrstil und der Silberpfeil-Mercedes nicht harmonierten und dass der Deutsche vor allem mit den, während seiner dreijährigen Abwesenheit, schmaler gewordenen Reifen zu kämpfen hatte, fiel häufig unter den Tisch, da konnte Schumacher noch soviel und wortreich erklären.

Klatsche gegen Rosberg

Dabei war und ist Schumi durchaus selbstkritisch - auch in seiner Bilanz der abgelaufenen Saison. "Wenn ich auf einige Ereignisse zurückblicke, habe ich keinen Grund, mich zu freuen", räumte der Wahl-Schweizer vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi ein: "Dieses Jahr sind wird unter unseren Erwartungen geblieben."

Ob er damit auch die Abfuhr meinte, die er von seinem 17 Jahre jüngeren Teamkollegen Nico Rosberg kassiert hatte, ließ er offen. 5:14 stand es nach 19 Grands Prix im Qualifying-Duell, auch in der Fahrer-WM bestand ein Klassenunterschied: 142 Punkte hatte der siebtplatzierte Rosberg am Ende eingesammelt. Schumacher erreichte auf Platz neun mit 72 Zählern etwas über die Hälfte. (DATENCENTER: WM-Stand)

Warnsignale bei Tests

Was Schumacher stets mit der Schwäche seines Silberpfeils begründete. Ein Fiasko, das er nach eigenen Worten frühzeitig bemerkt haben will. "Selbst nach drei Jahren Pause spürte ich Warnsignale bei den ersten Tests", erinnerte sich der Rekord-Champion an seine ersten Kilometer im MGP-WO1.

Ähnliche Gefühle will er in diesem Winter keinesfalls erneut erleben. "Ich hoffe, dass ich die nicht spüren werde, sondern dass wir ein Auto haben werden, das wir weiterentwickeln können." Sonst wären auch die schönen Ergebnisse am Ende seines Rückkehr-Jahres nicht viel wert: Platz sechs in Japan, Platz vier in Südkorea, Platz sieben in Brasilien, die Formkurve wies endlich nach oben. ("Bauen kein Auo um Michael herum")

"Keine Wunderdinge"

"Ich freue mich, dass ich jetzt Leistungen zeige, mit denen ich einigermaßen zufrieden sein kann", freute sich Schumacher vor dem Saisonfinale in der Wüste von Abu Dhabi: "Von hier aus schauen wir weiter. Wir haben sehr klare Ziele, die wir erreichen wollen."

Welche das sind, legte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug deutlich fest: "Wir möchten mittelfristig regelmäßig um Siege und Titel fahren." (Haug: Kein Ultimatum an Schumi)

Schumacher indes mochte den späten Aufschwung in seinem Mercedes allerdings nicht allzu überschwänglich feiern.

Um dem eigenen Ehrgeiz (und den hohen Erwartungen in Öffentlichkeit und Konzern) gerecht zu werden, hat Mercedes frühzeitig mit der Entwicklung des neuen Autos begonnen. "Ein Vorteil" wie Schumacher findet.

Dennoch warnte er: "Man darf sich aber keine Wunderdinge erwarten. Wir können nicht zwei Schritte auf einmal machen." Mercedes wähnt er den großen Ställen wie McLaren oder Ferrari weiterhin unterlegen.

Surer: Er hat es noch nicht gezeigt

Eines bleibt Michael Schumacher und seinem Team bis zum Saisonstart im kommenden März: die Hoffnung, dass 2011 ein besseres Jahr wird.

Eine Sicht, die einige der kritischen Experten teilen. So meinte der frühere Formel-1-Fahrer und heutige TV-Experte Marc Surer, etwas von Schumachers früheren Fähigkeiten sei offensichtlich verloren gegangen.

"Ich denke aber, das steckt immer noch drin. Er hat es nur noch nicht gezeigt."

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