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Ausrede oder Erklärung? Auch Red-Bull-Chef Christian Horner (l.) staunt über Mark Webber © getty

Logische Erklärung oder Ausrede? Vettels Teamkollege behauptet, die Folgen eines Unfalls hätten ihn im WM-Endspurt behindert.

Von Marc Ellerich und Martin Hoffmann

München - Hat Mark Webber den WM-Kampf aufgrund einer Schulterverletzung verloren?

Oder unternimmt er einen Versuch, den verpassten Titel in einem milderen Licht erscheinen zu lassen?

Der australische Red-Bull-Kollege von Weltmeister Sebastian Vettel behauptet, sich vor dem WM-Endspurt bei einer Mountainbike-Tour in seiner Heimat bei einem Sturz an der Schulter verletzt zu haben.

"Ich war mit einem guten Freund auf Tour, als der plötzlich genau vor meiner Nase wegrutschte. Ich konnte nicht mehr ausweichen und bin über den Lenker geflogen", schreibt der 34-Jährige in seinem kürzlich erschienenen Buch "Up Front". Er habe dabei einen feinen Riss "tief im Knochen" erlitten: "Nicht schlimm, aber sehr schmerzhaft."

Kein Wort an das Team

Er habe weder Red-Bull-Teamchef Christian Horner noch anderen im Rennstall von seinen Problemen berichtet, berichtete der WM-Drittplatzierte (DATENCENTER: Die WM-Fahrerwertung 2010), der zu dem Zeitpunkt noch WM-Leader war.

In einer Phase, in der Webber recht unverhohlen Stallregie zu seinen Gunsten einforderte, wollte er offensichtlich keine Schwäche zeigen.

Er habe Cortisonspritzen bekommen und nur seinen Trainer Roger Cleary und FIA-Arzt Gary Hartstein eingeweiht, berichtet Webber.

Horner wütend

Teamchef Christian Horner reagierte auf die Nachricht äußerst verärgert.

"Ich wusste nicht mal was von dem Buch, geschweige denn von dem Sturz. Es hat Marks Leistung nicht sichtbar beeinträchtigt, aber es wäre trotzdem schön gewesen, wenn wir davon gewusst hätten", sagte Horner im Gespräch mit dem "Daily Telegraph": "Es ist extrem enttäuschend und frustrierend, dass er uns nicht informiert hat."

Die Fahrer seien vertraglich verpflichtet, auf ihre Gesundheit zu achten und sich nicht in Gefahr zu begeben: "Wir müssen vielleicht mal darüber nachdenken, ob Radfahren für Mark das Richtige ist."

Leistungsabfall in den letzten Rennen

In den Rennen nach dem Unfall hatte der Australier zum Teil ein auffallend schwaches Bild geboten.

In Südkorea war er selbsverschuldet ausgeschieden, und im WM-Finale in Abu Dhabi war er nur Achter geworden - eine Platzierung, die ihn womöglich den ersten WM-Titel seiner Karriere gekostet hatte.

Horner meint nein. "Ich denke nicht, dass ihn das die WM gekostet hat."

Auch bei den Pirelli-Testfahrten im November konnte Webber nicht teilnehmen, da er sich einer Operation unterziehen musste.

Red Bull hatte dies mit einem Fahrrad-Sturz Webbers aus dem Jahr 2008 begründet.

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