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Sebastian Vettel hat in 62 Grands Prix zehn Siege eingefahren © getty

Red-Bull-Champion Sebastian Vettel verrät, was einen Weltmeister ausmacht. Manchmal sei die Kunst, sein Hirn auszuschalten.

Von Marc Ellerich

München - Was zeichnet einen Formel-1-Weltmeister aus, was macht ihn unschlagbar?

Red-Bull-Champion Sebastian Vettel hat in der "Sport Bild" über sein Erfolgsgeheimnis gesprochen. (DATENCENTER: Die WM-Fahrerwertung 2010)

Er glaube nicht, dass er einen besonderen Fahrstil besitze, meinte der zweite deutsche Weltmeister nach Superstar Michael Schumacher. "Die Kunst ist, sich den besonderen Eigenschaften des Autos anzupassen", verriet der 23-Jährige. (Teamchefs stimmen ab: Vettel nicht der Beste)

Was er damit meint, erklärte der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte ebenfalls: "Untersteuert ein Auto, musst du versuchen, das Problem irgendwie zu umfahren. Das Gleiche musst du bei übersteuernden Autos versuchen."

"Hirn ausschalten"

Vettel beherrscht es nachgewiesener Maßen weltmeisterlich, einen Rennwagen, der entweder über die Vorderräder ausbricht (= untersteuert, d. Red.) oder übers Heck (= übersteuert) zu kontrollieren. (SPORT1 besucht Red Bull: Im Werk der Weltmeister)

Meint auch sein Renningenieur Guillaume Rocquelin. "Sebastian hat keinen in Stein gemeißelten Fahrstil. Seine große Stärke ist es, dass er seine Linien- und Bremspunktewahl je nach Fahrverhalten des Autos und den Streckenbedingungen anpassen kann", sagte er im "Sport Bild"-Bericht.

Vettel selbst hat zwei weitere Schlüssel zu seinen Erfolgen parat: Brems- und Kurventechnik. Bei beidem verlässt sich der junge Hesse offenbar sehr auf sein Bauchgefühl: "Diese zwei Umstände sind mit Logik nicht zu begreifen", so Vettel: "Die Kunst dabei ist, dein Hirn auszuschalten und automatisch zu fahren, irgendwie instinktiv. Vieles ist dann Gewöhnung, aber natürlich ist auch ein wenig Wahnsinn dabei."

[kaltura id="0_n0wmf1za" class="full_size" title="Vettel gibt in Berlin Gummi"]

Schlüsselfaktor Reifen

Und es gibt noch einen weiteren Punkt, den Vettel erkannt hat: "Auf jeden Fall musst du ein Reifenflüsterer sein. Denn die Reifen sind der einzige Kontakt zwischen Auto und Asphalt und haben entsprechend viel Einfluss auf das Fahrverhalten."

Sehr wichtig sei, es die Pneus bei der Fahrt ins richtige Temperaturfenster zu bekommen. Vettel: "Sind sie zu kalt, haften sie schlecht. Werden sie zu heiß, verschleißen sie zu schnell."

Der Einfluss des Piloten sei gravierend, so der Red-Bull-Star: "Fährst du los wie ein Stier, baut der Reifen schnell ab. Fährst du zu sanft, kommt er nie auf Temperatur." (Schulter-Verletzung: Webber wiegelt ab)

Effizienter Gasfuß

Dass er auch hierbei über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, würde der bescheidene Vettel nie behaupten, das übernehmen andere.

Sein Teamchef Christian Horner zum Beispiel: "Seb fährt so spektakulär, dass es eine Freude ist, ihm zuzuschauen. Er hat eine unglaubliche Fahrzeugbeherrschung. Dabei, und das ist einfach unglaublich, verbraucht er relativ wenig Sprit. Ich glaube, dass niemand einen effizienteren Gasfuß hat."

Auch Williams-Kollege Rubens Barrichello ist von den Steuerkünsten des Deutschen angetan: "Sebastian scheint sehr sanft mit dem Auto umzugehen, um die Geschwindigkeit herauszuholen."

Verblüffter Ingenieur

Und schließlich gibt es eine letzte Erklärung für Vettels Titelgewinn im atemberaubenden Finale einer extrem spannenden Saison. Sein Überblick und seine Ruhe, selbst in aufregenden Rennsituationen.

Rocquelin: "Sebastians besondere Stärke ist, dass er neben dem Fahren verstehen und speichern kann, wie sich das Auto gerade verhält." Viele Piloten seien dagegen mit der enormen Datenmenge während eines Rennens überfordert.

Vettel nicht. Dieser habe selbst das kleinste Detail im Blick - was sogar seinen Ingenieur verblüfft.

Tost: Perfekter Pilot

Beim Saisonfinale in Abu Dhabi habe er Vettel die schnellsten Rundenzeiten verschwiegen. Vettel, der unbedingt Schnellster sein wollte, habe sie sich trotzdem besorgt - von den Bildschirmen am Streckenrand.

Rocquelin: "Unglaublich. Während des Rennens schaut er auch noch TV."

Das Resultat all dieser Talente ist ein Über-Fahrer, der auch alte Formel-1-Haudegen ins Schwärmen geraten lässt.

Für seinen früheren Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost ist Vettel der perfekte Pilot: "Hätte der liebe Gott einen Cocktail gemixt mit allen Zutaten für den optimalen Rennfahrer, herausgekommen wäre dabei Sebastian Vettel."

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