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Jacques Villeneuve wurde 1997 auf Williams Formel-1-Weltmeister © getty

Ex-Champion Villeneuve hält nicht viel vom neuen Titelträger, wirft diesem "kindisches Gehabe" vor. Alain Prost widerspricht.

Von Tobias Hlusiak

München - Er war nie ein Freund der leisen Töne.

Wenn Jacques Villeneuve sich zur Formel 1 äußert, knallt es meistens.

Opfer diesmal ist kein geringerer als Weltmeister Sebastian Vettel.

"Er ist schnell, aber er kann seine Emotionen nicht kontrollieren", wettert der Weltmeister von 1997 im französischen "Auto Hebdo" gegen den Deutschen.

Der Kanadier ist mit Vettels Auftritt auf und neben der Strecke nicht einverstanden (DATENCENTER: Die WM-Fahrerwertung 2010).

Villeneuve findet Vettel unreif

Seit seinem WM-Triumph vor vier Wochen wird Vettel mit Lob überhäuft.

Der 23-Jährige kann sich vor Schulterklopfern nicht retten - am vergangenen Wochenende nahm er bei der offiziellen FIA-Zeremonie in Monaco den WM-Pokal entgegen.

All das passt Villeuneve offenkundig nicht in den Kram.

"Das kann man auf diesem Level nicht machen"

"In Ungarn drohte er den Stewards", führt der 39-Jährige mit Blick auf Vettels Frustreaktion aus, als der wegen eines Fehlers hinter dem Safety-Car eine Durchfahrtsstrafe erhielt.

"Das kann man auf diesem Level nicht machen, das ist doch kindisches Gehabe."

Als Schuldigen hat Villeneuve Vettels Arbeitgeber Red Bull ausgemacht.

Von Red Bull verhätschelt?

"Schon mit 14 Jahren wusste er, dass man ihn in die Formel 1 bringen wird. Wenn er mal einen Fehler machte, dann sagte man ihm 'Nein, du hast nichts falsch gemacht, alles ist gut.'"

Vettel konnte schon als Nachwuchsfahrer vom Fördersystem des 2010er Weltmeister-Teams profitieren.

"Er hat in diesem Jahr dämlicherweise Webber aus dem Rennen gerissen, aber das Team sagte, es sei Webbers Fehler gewesen", ereifert sich Villeneuve.

"Mal sehen, wie er sich nun als Weltmeister verhält", so Villeneuve weiter.

[kaltura id="0_n0wmf1za" class="full_size" title="Vettel gibt in Berlin Gummi"]

Parallelen zu Hamilton

Eine Parallele sieht der Kanadier in Ex-Champion Lewis Hamilton.

"Bei Hamilton war das zu Beginn ähnlich. Aber nach dessen Titelgewinn folgte ein schlechteres Jahr. Nun tritt er endlich als echter Mann auf."

Was Vettels Entwicklung betrifft, ist der Kanadier skeptisch.

"Wird er endlich erwachsen?"

"Wird es noch schlimmer, oder wird er endlich erwachsen?", fragt der elfmalige Grand-Prix-Sieger.

"Wenn er die Hamilton-Richtung einschlägt, dann wird er noch einige Titel gewinnen. Falls nicht, dann wird er wohl nie aus seinen Fehlern lernen."

Die von Villeneuve angeprangerten "Fehler" haben dem Heppenheimer allerdings jüngst zu seinem ersten Titel im Alter von 23 Jahren verholfen.

Alain Prost kann die Aussagen Villeneuves daher auch nicht stützen.

Prost hält zu Vettel

Der viermalige Weltmeister entgegnet: "Er ist jung, aber schon sehr reif. Er hat eine Frische und einen Enthusiasmus, den ich sehr mag. Das ist längst nicht bei allen jungen Piloten der Fall."

Prost entpuppt sich als wahrer Vettel-Fan.

"Einigen Piloten merkt man keine Leidenschaft an, sie machen einfach nur ihr Business. Bei Vettel ist das anders", findet der Franzose.

"Ich hoffe, dass er sich diese Frische und die Leidenschaft noch möglichst lange bewahren kann. Bei einigen Fehlern war ich kritisch, aber im August wendete sich das Blatt. Er ist ohne Zweifel ein verdienter Weltmeister."

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