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Mark Webber sitzt seit 2007 am Steuer eines Red Bull © getty

Webber geht nach einer Saison voller Triumphe und Enttäuschungen auf Schmusekurs mit Red Bull. Seine Zukunft lässt er aber offen.

Von Marcus Giebel

München - Die Saison 2010 war eine nervenaufreibende - für kaum jemanden gilt das mehr als für Mark Webber.

Der Red-Bull-Pilot stritt sich öffentlich mit seinem Team, kämpfte bis zum letzten Rennen um seinen ersten WM-Titel und erlebte just in der entscheidenden Phase einen herben Rückschlag infolge eines Mountainbike-Unfalls.

Immerhin trug er seinen Teil zum ersten Konstrukteurstitel des Rennstalls aus Österreich bei.(DATENCENTER: Die WM-Teamwertung 2010)

"Neue Erfahrungen" für Webber und Red Bull

Einen Monat nach dem triumphalen Saisonende seines Teamkollegen Sebastian Vettel hat sich bei Webber zumindest der Ärger über eine angebliche Bevorzugung des Deutschen gelegt.

In einem Interview mit "BBC Radio" betonte der 34-Jährige: "Das Team und ich haben in dieser Saison viele neue Erfahrungen auf einem ganz neuen Level gemacht."

So sehe er die Situation beim Grand Prix von Großbritannien, als Vettel den einzigen funktionierenden, neuen Frontflügel bekam und er selbst mit einem alten Exemplar dennoch ungefährdet zum Sieg fuhr, nun anders:

"Das Team hat immer versucht, für beide Fahrer die gleichen Voraussetzungen zu schaffen."

Provokation hat Situation nicht geschwächt

Er könne verstehen, dass die Reaktion seines Arbeitgebers sehr rau ausgefallen war, nachdem er nach der Zieldurchfahrt in Silverstone provozierend per Funk gefragt hatte: "Gar nicht schlecht für einen Nummer-2-Fahrer, was?"

Seine Situation innerhalb des Rennstalls sei dadurch jedoch nicht geschwächt worden - ganz im Gegenteil.

Daran hätte auch die Zurechtweisung durch Teamchef Christian Horner nichts geändert, nachdem Webbers im Oktober bei einem Mountainbike-Unfall erlittener Schulterbruch publik wurde.

[kaltura id="0_ld0bepg3" class="full_size" title="Vettels Loblied auf Schumi"]

"Es ist wie im Boxring"

"Für mich war es die richtige Entscheidung, es nicht öffentlich zu machen", unterstreicht der Weltmeisterschafts-Dritte.

Er habe einzig seine Eltern, seine Ehefrau und seinen persönlichen Coach von dem Vorfall unterrichtet, denn "Christian und das Team hatten auch so schon genug um die Ohren."

Außerdem sei er sich über die Reaktion der Konkurrenten um den WM-Titel nicht im Klaren gewesen: "Es geht dabei nicht um Vertrauen. Es ist wie im Boxring. Warum soll ich jemanden davon wissen lassen, dass ich nicht auf dem höchsten Level sein kann, wenn ich es doch bin?"

Ziel: Vettel hinter sich lassen

Folglich habe er an einen Wechsel in ein anderes Cockpit nie einen Gedanken verschwendet: "Auch Ferrari und McLaren hatten schon Schwierigkeiten mit ihren Fahrerpaarungen - und ich rede nicht vom McLaren-Jahr mit Lewis (Hamilton) und Fernando (Alonso)."

Immerhin habe Ferrari in 50 Jahren Formel 1 viele Erfahrungen gesammelt, Red Bull sei dagegen "erst fünf Minuten" Teil der Königsklasse.

Vor seiner zehnten Saison ist er optimistischer denn je: "Ich habe in diesem Jahr etwas Einmaliges verpasst, aber ich nehme viele positive Dinge mit ins neue Jahr."

Erstes Ziel sei es, in eine Position zu kommen "um Sebastian so oft wie möglich zu schlagen." (DATENCENTER: Die WM-Fahrerwertung 2010)

Was wird 2012?

Je häufiger ihm dies gelingt, desto besser dürften Webbers Aussichten auf eine Fortsetzung seiner Karriere nach Vertragsende in einem Jahr sein.

Allzu viele Gedanken macht er sich darüber aber noch nicht: "Wenn es ein Angebot gibt, schaue ich es mir an und entscheide, ob ich es annehme oder nicht. Ich muss motiviert und hungrig sein."

Wichtig sei ihm vor allem eines: "Ich will immer an der Spitze sein. Niemand soll mich schlagen."

Webber ist also bereit für einen weiteren Ansturm auf den Formel-1-Thron.

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