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Nico Rosberg wurde 2010 in der Fahrer-WM mit 142 Punkten Siebter © imago

Sein Premieren-Jahr bei Mercedes war für Nico Rosberg kein Zuckerschlecken. Dennoch glänzte er. 2011 soll er um Siege fahren.

Von Marc Ellerich

München - Streng genommen ist Mercedes GP und mit ihm Nico Rosberg der größte Verlierer der Formel-1-Saison 2010.

Elektrisiert durch das Comeback von Renn-Legende Michael Schumacher in der "deutschen Nationalmannschaft der Formel 1", wie Daimler-Chef Dieter Zetsche den Nachfolger des Weltmeister-Teams Brawn GP nannte, flogen die Hoffnungen von Fans und Öffentlichkeit sehr hoch.

Viel zu hoch, wie sich im Saisonverlauf herausstellte. Zu keiner Phase des Formel-1-Jahres konnten Schumacher und Mercedes die enormen Erwartungen des Publikums erfüllen.

Am Ende wurden die Silberpfeile Vierte in der Konstrukteurs-WM, weit abgeschlagen hinter den drei Top-Teams Red Bull, Ferrari und McLaren. Der siebenmalige Weltmeister Michael Schumacher kam in seinem Comeback-Jahr auf einen bedeutungslosen neunten Platz in der Einzel-Wertung und musste sich immer kritischere Fragen gefallen lassen.

Zwei Mal auf dem Podium

Der einzige, der zu glänzen vermochte in einer Saison der Rück- und Niederschläge, war Rosberg, dem Kenner vor dem ersten Grand Prix einen schweren Stand gegen Rekord-Champion Schumacher prophezeit hatten.

Zwei Mal, bei den Grands Prix in Malaysia und in China, erreichte der Sohn des finnischen Ex-Weltmeisters Keke Rosberg eine Podiumsplatzierung. "Es ist mir gelungen, das beste aus dem Auto herauszuholen", bilanzierte der 25-Jährige Wahl-Monegasse.

Schumi deklassiert

Zudem hielt er den vermeintlichen Über-Piloten Schumacher in Schach, mehr noch: Er deklassierte Schumacher im internen Duell. Mit 70 Punkten Vorsprung ließ der Siebte der WM-Wertung den 17 Jahre älteren Rekord-Weltmeister um Längen hinter sich.

Rosberg stand im neuen deutschen Team als Gewinner da unter vielen Verlierern.

Zufrieden war Rosberg nach seinem Premieren-Jahr für Mercedes GP dennoch nicht. Der blonde Hobby-Triathlet räumte ein, dass ihm die Bruchlandung der Silberpfeile zu schaffen gemachte hatte.

"Ich hatte mir viel mehr erhofft", gab Rosberg unumwunden zu: "Ganz allgemein bin ich mit der Erwartung in die Saison gestartet, dass ich Rennen gewinnen kann und eine sehr starke Saison haben werde. Und es ist definitiv in die komplett entgegengesetzte Richtung gegangen - das war eine große Enttäuschung."

"Habe mich weiterentwickelt"

Als Beleg führte er unter anderem die Stagnation an, die er nach seinem Wechsel vom englischen Williams-Team zu den Deutschen erlebte. "Was die Resultate angeht, war es nicht einmal ein Fortschritt zum Vorjahr", stellte Rosberg fest: "Ich wurde letztes Jahr Siebter in der Weltmeisterschaft und auch dieses Jahr."

Rosbergs Saison-Fazit fiel entsprechend ernüchtert aus: "Ich hatte nicht erwartet, dass wir so schlecht sein würden."

Als verlorenes Jahr wollte der junge Mercedes-Star 2010 dennoch nicht abhaken. "Als Fahrer habe ich mich stark weiterentwickelt", stellte er zum Jahreswechsel fest. Sein Sieg im internen Kräftemessen mit Formel-Ikone Schumacher bezeichnete Rosberg als "sehr wichtig. Mit ihm muss ich mich vergleichen, weil er dasselbe Auto hat".

Mercedes unter Druck

2011 könnte zum Schicksalsjahr werden - nicht nur für Mercedes und seinen Schumi-Superstar. Auch Rosberg steht unter Druck, die Öffentlichkeit erwartet endlich Siege vom deutschen Vorzeige-Rennstall.

Rosberg weiß das natürlich, doch das verkorkste Vorjahr hat ihn vorsichtig gemacht. "Es ist nicht leicht für uns, denn von dort, wo wir 2010 lagen, ist es nicht einfach, diesen Sprung zu machen. Alle anderen haben einen Vorsprung."

Er rechnet jedoch damit, dass Mercedes aufholen kann. "Wir werden den Abstand verringern, davon bin ich überzeugt", sagte der Pilot, ansonsten bleibt er aber vage. Es könne dauern, warnte Rosberg, "ich weiß nicht wie lange. Vielleicht sind wir Anfang der Saison schon nah dran. Aber wir müssen abwarten, es ist schwierig, Prognosen abzugeben".

Auf jeden Fall werde Mercedes GP besser aussehen, als im vergangenen Jahr. Schon kurz nach der Halbzeit der vergangenen Saison schwenkten die Silbernen auf die Entwicklung des Boliden für 2011 um.

Brawn: Kaum Fehler

Damit der Sprung zum Sieger-Team tatsächlich gelingt, hat Mercedes seinen jungen Piloten gestärkt - verbal, aber auch faktisch. Teamchef Ross Brawn, der den großen Wurf meistern soll, pries Rosberg im Interview mit "auto, motor und sport" als "sehr gut, sehr talentiert, sehr fit, ein exzellenter Teamplayer", der kaum Fehler mache. Warme Worte, die Rosbergs Seele streicheln sollen.

Und damit der Gepriesene auch die ihm nachgesagten Kräfte entfalten kann, hat ihm das Team einen alten Vertrauten an die Seite gestellt. Sein früherer Williams-Renningenieur Tony Ross wurde angeheuert, um Rosberg den finalen Schub zu geben.

Auto als Schlüssel

Doch der alte Hase Brawn weiß natürlich, dass selbst solche Maßnahmen wirkungslos verpuffen werden, wenn Rosberg wie 2010 nicht das geeignete Arbeitsgerät bekommt.

"Mit dem richtigen Auto gewinnt er Rennen, und wenn er diesen Schritt geschafft hat, kann er auch um die Meisterschaft mitfahren", analysierte das "Superhirn" Brawn.

Seinen schwierigen Arbeitsauftrag hat das Formel-1-Genie längst verinnerlicht: "Jetzt müssen wir Nico nur noch das richtige Auto geben."

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