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Felipe Massa wurde 2008 mit Ferrari Vize-Weltmeister in der Fahrerwertung © getty

2009 hätte ein Horror-Crash ihn fast das Leben gekostet. 2010 wurde er als Verräter beschimpft. Jetzt greift Felipe Massa an.

Madonna di Campiglio - Felipe Massa hat sein Lächeln wiedergefunden.

Bei der gemeinsamen Teamvorstellung von Ducati und seinem Team Ferrari wirkt der kleine Brasilianer fröhlich und lebensfroh, ist ständig gut gelaunt.

Zumindest in dieser Hinsicht stellt er die Superstars Valentino Rossi und Fernando Alonso in den Dolomiten in den Schatten. Massa macht Witze, schäkert mit Fans und Betreuern und stürzt sich mit sichtlicher Freude die Skihänge runter.

Die Lebensfreude des 29-Jährigen wirkt im ersten Moment überraschend. Schließlich war Massa in den vergangenen drei Jahren jeweils die tragische Figur der Formel 1.

Massas schlimmster Unfall

2008 ließ er sich im Ziel von Sao Paulo 39 Sekunden lang als Weltmeister feiern, ehe ihm Lewis Hamilton den Titel entriss. 2009 kostete ihn ein verheerender Unfall in Ungarn fast das Leben.

Im sportlich völlig verkorksten Jahr 2010 war Massa unfreiwilliger Hauptdarsteller im Teamorder-Skandal, musste in Hockenheim zunächst Alonso vorbeiziehen lassen und wurde anschließend in seiner Heimat als Verlierer und Verräter beschimpft (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News).

Spott vom Ferrari-Boss

Kürzlich musste Massa dann auch noch den Spott von Luca di Montezemolo über sich ergehen lassen. Das müsse Massas Zwilling gewesen sein, der im Vorjahr das Auto fuhr, lästerte der Ferrari-Boss angesichts der enttäuschenden Leistungen.

Darauf angesprochen tut der Brasilianer das, was er im Vorjahr als Prügelknabe nie tat: Er wehrt sich.

"Ich weiß, dass ich eine zu 100 Prozent schlechte Saison gefahren bin. Das muss man mir nicht dauernd unter die Nase reiben", sagt er trotzig. Sein Stolz regt sich wieder, nachdem er in den Monaten nach Hockenheim sichtlich angeschlagen und frustriert wirkte.

"Ich spüre den Druck"

Mit neuem Kampfgeist will der nach eigener Auskunft leichteste Fahrer im gesamten Formel-1-Feld nun um seine Zukunft bei Ferrari kämpfen.

Seit 2006 gehört er zur Scuderia, um den auslaufenden Vertrag am Ende der Saison noch einmal verlängert zu bekommen, muss er gleich in den ersten Rennen Ausrufezeichen setzen.

"Natürlich spüre ich den Druck", sagt er: "Aber man fängt in jedem Jahr bei Null an. Und in meinem Kopf steht wie in Stein gemeißelt, dass ich in dieser Saison mit Ferrari um beide Titel fahren will."

Zufrieden mit neuen Reifen

Teamchef Stefano Domenicali vermeidet ein klares Bekenntnis zu Massa, erklärt nur, man werde abwarten und die Situation beobachten.

Die schwache Vorsaison erklärt Massa selbst vor allem mit den für seinen Fahrstil unpassenden Reifen. "Die Vorderreifen hatten zu wenig Grip, dadurch konnte ich nicht so in die Kurven fahren, wie ich es liebe", erklärte er. Die neuen Reifen des künftigen Standardlieferanten Pirelli gefallen ihm aber sehr gut.

Die Suche nach der Form

Vielleicht ist es die neue Gelassenheit eines Menschen, der schon Schlimmeres erlebt hat, als um Verträge zu kämpfen.

Nach dem Unfall in Budapest 2009 lag Massa sogar im Koma, sein Leben hing kurzzeitig am seidenen Faden. Seine Karriere konnte er fortsetzen, nun sucht er seine Form.

Dass er sein Lachen wiedergefunden hat, ist zumindest schon ein guter erster Schritt.

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