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Michael Schumacher holte 1994, 1995 und von 2000 bis 2004 den Titel © imago

Der virtuelle Probelauf eines Rennens macht den Rekordweltmeister krank. Ein Grund dafür, dass seine Comeback-Saison missriet?

Von Martin Hoffmann

München - Computerspiel-Fans kennen das Problem, das auftritt, wenn man sich zu lange in virtuellen 3D-Welten bewegt.

Schwindelgefühl, Kopfweh, Übelkeit, im schlimmsten Fall gar Erbrechen, können die Folgen sein: "Simulator Sickness" (Simulatorkrankheit) heißt das Phänomen - das eng verwandt ist mit Seekrankheit.

Betroffene tröstet es da vielleicht, dass sie einen prominenten Leidensgenossen haben: Michael Schumacher.

Dessen Mercedes-Team hat offiziell vermeldet, dass der siebenmalige Weltmeister in Rennsimulatoren "seekrank 2.0" wird.

"Von Zeit zu Zeit anfällig"

Anlass war eine entsprechende Meldung einer niederländischen Internetseite - die Schumachers Rennstall dann gegenüber der "Bild" bestätigte.

"Im Laufe seiner Karriere ist Michael von Zeit zu Zeit anfällig für Simulator Sickness", heißt es in einer Mitteilung: "Das beeinflusst die Zeit, die er im Simulator verbringen kann."

Schumis Körper rebelliert im Rennsimulator, ähnlich wie es Videospielern oder Piloten und Soldaten im Flug- oder Kampfsimulator passiert - weil auf ihn dort unterschiedliche Eindrücke wirken.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Sinneschaos wie bei einer Vergiftung

Man sieht im Simulator schnelle Bewegungen, der Gleichgewichtssinn spürt aber, dass es die Bewegungen nicht gibt.

Das Gehirn sieht deshalb Anlass zu reagieren, weil - so die gängige Theorie - das Sinneschaos dasselbe ist wie bei einer Vergiftung.

Und der Körper daher im schlimmsten Fall glaubt, dass er dasselbe tun muss wie bei einer tatsächlichen Vergiftung: sich übergeben, um das Gift herauszubekommen.

Ein Grund für das misslungene Comeback?

Schumacher kann deshalb also nicht so viel mit dem Rennsimulator arbeiten wie andere.

Ist das ein Grund, warum er nach seinem Comeback in Zeiten des Testfahrverbots hinterherhinkt? (DATENCENTER: Die Fahrer-Wertung 2010)

Das Team wehrt sich sofort gegen diese Deutung: Schumacher habe "keinen Nachteil, weil er zusammen mit seinen Ingenieuren seine Simulations-Arbeit effektiv gestaltet hat". (Das SPORT1-Schumimeter)

Der Simulator sei "nur eines der Hilfsmittel", betont Mercedes. Schumachers Krankheitsneigung habe die "Vorbereitungen auf die Rennen oder seine Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu seinem Teamkollegen nicht nachteilig beeinflusst".

Nicht auf dem neuesten Stand der Technik

Ein Simulator-Problem hat Schumacher aber auf jeden Fall:

Teamchef Ross Brawn hat kürzlich erst selbst eingeräumt, dass der Simulator in der Mercedes-Fabrik - anders als bei Red Bull oder McLaren - nicht auf dem neuesten Stand der Technik ist.

"Es war sicher keine Hilfe, dass wir noch keinen Top-Simulator haben", vertraute er "auto, motor und sport" an.

"Nicht vor 2012 voll einsatzfähig"

Ein neuer und verbesserter sei im Aufbau, werde aber "nicht vor 2012 voll einsatzfähig sein".

Schumacher muss darauf also bis zu seinem letzten Comeback-Jahr warten.

Man darf aber nun sicher sein: Er wird sich die Zeit bis dahin nicht mit ein paar Runden "Medal of Honor" vertreiben.

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