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Für Lewis Hamilton erhöht sich im neuen McLaren der Schwierigkeitsgrad © getty

Die technischen Neuerungen sollen das Überholen fördern, stellen aber hohe Anforderungen an die Fahrer. Die sind besorgt.

Von Olaf Mehlhose

München - Multitaskingfähig bei 300 km/h - so liest sich das Anforderungsprofil eines Formel-1-Fahrers für die Saison 2011.

KERS und verstellbare Heckflügel sollen in der kommenden Saison für mehr Überholmanöver sorgen, die Bedienung erfolgt per Knopfdruck über das Lenkrad.

Doch das Ansteuern der Zusatzsysteme fordert den Fahrern äußerste Konzentration ab.

Zudem müssen sich die Piloten an ganz neue Bewegungsabläufe im Cockpit gewöhnen. Und damit nicht genug: Auch die neuen Pirelli-Reifen bergen einige Tücken (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1).

Barrichello: "Das macht keinen Spaß"

Rubens Barrichello ist von den Neuerungen noch nicht überzeugt. "Man kann sich kaum auf das Fahren konzentrieren", erklärte der Williams-Routinier bei "Motorsport-Total": "Es gibt einfach zu viele Knöpfe am Lenkrad. Das macht keinen Spaß."

Bei "Motorsport Aktuell" brachte der Brasilianer zuvor bereits Sicherheitsbedenken gegenüber den neuen Technologien geäußert: "Da ist jetzt ein Knopf mehr auf dem Lenkrad, den wir bei Tempo 300 betätigen."

Auch Sebastian Vettel sieht in den neu integrierten Systemen Gefahrenpotenzial 345021(DIASHOW: Der neue Red Bull).

"Da kommt mit KERS und dem Heckflügel sehr viel auf uns zu. All das zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Reihenfolge anzuwenden - unsere Arbeit sollte es sein, ins Lenkrad zu greifen und zu fahren", sagte der Formel-1-Weltmeister.

Rosberg befürchtet den Abflug

Insbesondere die Handhabung des automatisch verstellbaren Heckflügels, der es den Fahrern ermöglichen soll, sich im Windschatten an den Wagen vor ihnen heranzusaugen, erfordert Übung.

"Es braucht eine gewisse Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Man drückt den Knopf, das Auto fühlt sich plötzlich leichter an", sagte Nico Rosberg: "Vor der Bremszone lässt du den Knopf wieder los und du denkst: 'Jesus, was passiert, wenn der Flügel nicht mehr in die ursprüngliche Stellung zurück geht?' In dem Fall würde man abfliegen. Man muss sich anpassen."

Während das KERS kurz vor dem Bremsen deaktiviert werden könne, müsse sich der Fahrer beim Heckflügel darauf verlassen, dass alles richtig befestigt sei, erklärte der 25-Jährige.

"Das ist eine gewisse Sorge", gestand Rosberg ein.

"Ein Schritt in die richtige Richtung"

Teamkollege Michael Schumacher sprach von den "beträchtlichsten" Veränderungen seiner 20-jährigen Karriere, freut sich aber vor allem über die Vorteile, die ihm die Neuerungen bieten.

"Im Vorjahr war es manchmal absolut unmöglich, jemanden zu überholen. Mit den neuen Regeln sollte es aber einfacher werden", sagte der Rekord-Weltmeister: "Daher ist es ein Schritt in die richtige Richtung".

Das KER-System bereitet aber auch Schumachers Team seine Schwierigkeiten.

"Für uns ist das ein Lernprozess", sagte Teamchef Ross Brawn: "Es war unvermeidlich, dass einige Probleme mit KERS auftauchen, doch ich bin mir sicher, dass wir diese in den kommenden Tests ausmerzen werden."

Balance finden und Kompromisse eingehen

Auch die Reifen, die nach Bridgestones Rückzug von Pirelli geliefert werden, sind einigen Fahrern ein Dorn im Auge.

"Es war recht einfach, sich mit ihnen vertraut zu machen. Aber sie sind nicht einfach zu fahren. Sie sind über einen langen Stint schwerer zu kontrollieren - aber das gilt für jeden Fahrer" sagte Lewis Hamilton.

Teamkollege Jenson Button ergänzte: "Die weichen Reifen nutzen sich schnell ab, darauf muss man im Hinblick auf die Balance achten. Deshalb muss man Kompromisse eingehen. Es geht nur darum, ob man diesen Kompromiss schafft, oder nicht."

Eine Herausforderung für alle

Vielleicht ist der pragmatische Ansatz von Fernando Alonso, der beste Weg mit den vielen Neuerungen umzugehen 343307(DIASHOW: Alonso und sein neuer Renner).

"Die Fahrer, die sich sehr rasch an diese Dinge gewöhnen, werden es zu ihrem Vorteil nutzen. Es ist also eine Herauforderung für uns alle, diesbezüglich besser zu sein als alle anderen", sagte der spanische Vize-Weltmeister.

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