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Robert Kubica verunglückte in einem Skoda bei der Rallye Ronda di Andora © imago

Die Ärzte operieren Robert Kubica nach einem Rallye-Crash stundenlang, um die Hand zu retten. Die Karriere ist dennoch in Gefahr.

München/Genua - Formel-1-Pilot Robert Kubica bleibt nach einem schlimmen Unfall bei der Rallye Ronde di Andora eine Hand-Amputation offenbar erspart.

Die Rennfahrer-Karriere des als außergewöhnlich talentiert geltenden Polen ist jedoch völlig offen. 344617(DIASHOW: Der neue Lotus-Renault)

Unmittelbar nach dem verheerenden Crash des Gaststarters, der nach etwa vier Kilometern mit hoher Geschwindigkeit gegen die Mauer eine Kirche geprallt war, hatten die behandelnden Ärzte zunächst sogar von akuter Lebensgefahr gesprochen. Am Nachmittag gaben sie zumindest in dieser Hinsicht Entwarnung. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Schwere Verletzungen an Hand und Bein

"Alles, was wir wissen, ist, dass Robert nicht in Lebensgefahr schwebt", sagte Kubicas Berater Stephane Samson: "Er hat allerdings sehr schwere Verletzungen an der Hand und am Bein, über deren genaue Art wir noch nichts wissen."

Der Renault-Pilot wurde nach dem Unfall sieben Stunden lang bis in den späten Abend hinein operiert. Die Folgen sind derzeit nicht absehbar. Der bekannte italienische Handchirurg Professor Igor Rossello sagte laut "Motorsport-Total.com" am späten Sonntagabend: "Wir müssen mindestens eine Woche abwarten, ob die Hand überlebt."

Funktionalität der Muskulatur fraglich

Kubicas Manager, Daniele Morelli, hatte noch während der OP berichtet: "Die Ärzte versuchen, die Funktionalität der rechten Hand wiederherzustellen. Sie haben die Blutzirkulation wiederhergestellt und die Knochenstruktur repariert. Nun geht es um die Funktionalität der Muskulatur."

Roberto Carrozzino, ein Sprecher des Krankenhauses, sagte: "Es ist eine sehr schwierige Situation, wie es die ersten Stunden nach einem derartigen Trauma immer sind."

Kurz nach dem Unfall hatte Kubicas Team Renault in einem Statement erklärt, der Pole habe mehrere Brüche am rechten Arm, am rechten Bein und an der rechten Hand erlitten. Die rechte Hand soll angeblich völlig zertrümmert gewesen sein.

Bergung wohl kompliziert

Bereits seine Rettung durch die Feuerwehr am Unfallort hatte sich anscheinend sehr schwierig gestaltet. Angeblich war Kubicas Fahrzeug frontal auf eine Leitplanke getroffen, die sich bis in den Fahrerraum gebohrt hatte.

Italienische Medien meldeten, es habe mehr als eine Stunde gedauert, bis die Einsatzkräfte der Feuerwehr den Fahrer aus dem Wrack befreit hatten. Währenddessen sei Kubica bei Bewusstsein gewesen.

Schumacher erschrocken und entsetzt

Rekord-Weltmeister Michael Schumacher reagierte als Gast auf der Münchner ISPO nach den Worten seiner Managerin Sabine Kehm "erschrocken und mit großem Entsetzen" auf die Nachricht, wollte sich jedoch nicht äußern, "bevor wir etwas Genaues wissen" (Kehm).

Auch andere Formel-1-Kollegen reagierten bestürzt: "Robert Kubica gilt meine ganze Unterstützung. Ich denke an dich, mein Freund!", teilte Sebastien Buemi auf seinem Twitter-Account mit. Und Nico Hülkenberg schrieb: "Robert, werde schnell wieder gesund! Ich wünsche dir alles Gute!"

Kubica hatte von seinem Arbeitgeber Renault erstmals die Erlaubnis für einen Rallye-Start im Auto eines anderen Herstellers bekommen. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Beifahrer unverletzt

Nach dem Unfall, bei dem er mit einem Skoda Fabia bei der Ronde di Andora von der Piste abkam und in der Gemeinde San Lorenzo in der Nähe von Genua gegen die Mauer einer kleinen Kirche prallte, wurde er mit dem Hubschrauber in das Krankenhaus Santa Corona in Petra Ligure eingeliefert. Die Rallye wurde unterbrochen.

Medienberichten zufolge soll sein Beifahrer Jakub Gerber sofort aus dem Wrack geklettert und unverletzt geblieben sein, während Kubica in dem Auto eingeschlossen war und befreit werden musste. "Ich bin okay", teilte Gerber auf seiner Facebook-Seite mit.

Später sagte der Co-Pilot: "Ich habe auf meine Notizen geguckt und nicht bemerkt, dass das Auto ins Schlingern gerät. Es war nur im Moment des Aufpralls, als ich Robert gesehen habe, wie er seinen Arm hielt. Dann verlor er das Bewusstsein. Robert ist nicht nur ein großartiger Fahrer, sondern auch ein Freund. Ich hoffe, dass er bald wieder zurück sein wird."

Aller schlechten Dinge sind drei

Für Kubica, der nach seiner Bestzeit bei den ersten Testfahrten in Valencia sogar als Geheimtipp für die kommende Formel-1-Saison galt, war es bereits der dritte schwere Unfall seines Lebens.

2007 beim Grand Prix in Montreal stockte den Zuschauern der Atem, als sein Sauber-BMW abhob und sich mehrfach überschlug 247492(die Bilder), Kubica überstand den schlimmen Crash aber nahezu unverletzt.

Kein Gedanke an Nachfolger

Einen Unfall im Straßenverkehr 2003 überstand er mit einem Armbruch.

Renault wird sich bis zum Saisonstart am 13. März in Bahrain wohl einen Nachfolger suchen müssen.

Teamchef Eric Boullier betonte allerdings: "Es ist noch zu früh und unhöflich, um über einen Ersatzfahrer nachzudenken. Wir warten auf Nachrichten von Robert und wie lange er ausfallen wird, bevor wir über eine solche Entscheidung nachdenken."

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