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Nick Heidfeld fuhr von 2006 bis 2009 gemein- sam mit Robert Kubica für BMW-Sauber © getty

Lotus-Renault soll sich auf Heidfeld als Ersatz für den schwer verletzten Kubica festgelegt haben. Es wäre seine Riesenchance.

Von Marcus Giebel

München - Eben noch Zuschauer, jetzt schon der angehende starke Mann bei einem aufstrebenden Rennstall:

Für Nick Heidfeld hat sich nicht nur die Formel-1-Welt einen Monat vor dem ersten Saisonrennen in Bahrain komplett auf den Kopf gestellt. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Der 33-Jährige soll bei Lotus-Renault Robert Kubica ersetzen, der nach einem Rallye-Crash in Italien347832(Bilder) auf unbestimmte Zeit ausfallen wird.

Das vermeldet die "Bild", die einen Renault-Insider zitiert: "Es sollte unbedingt ein starker und erfahrener Mann her. Und mit Heidfeld hatte sich das Team schon in den letzten Jahren beschäftigt."

Später Lohn für langes Warten

Damit hätte sich für Heidfeld das lange Warten gelohnt. Denn wie schon im Vorjahr wurde "Quick Nick" bei der Stammbesetzung der Cockpits übergangen.

2010 hatte er auf den letzten Drücker als Ersatzfahrer bei Mercedes GP angeheuert. Über den Umweg als Tester der neuen Pirelli-Reifen war er am Saisonende zum Stammpiloten bei Sauber aufgestiegen.

Ein ähnliches "Schicksal" drohte ihm auch für dieses Jahr.

Heidfeld-Manager zurückhaltend

Doch nun scheint sich die Lage gewandelt zu haben: Statt endgültig auf dem Abstellgleis geparkt zu werden, würde Heidfeld in seinem zwölften Jahr in der "Königsklasse" eines der schnellsten Autos im Feld steuern.

In der vergangenen Saison landeten die Franzosen in der WM-Wertung auf Rang fünf - in erster Linie dank Kubica, der 136 der 163 Zähler einfuhr und Teamkollege Witali Petrow klar in den Schatten stellte.

Nun liegt nahezu alle Hoffnung auf den Schultern Heidfelds. Auch wenn dessen Manager Andre Theuerzeit sich noch bedeckt gibt: "Wir wollen uns dazu im Moment noch nicht äußern."

Renault will Heidfeld testen

Fakt ist: Heidfeld war bereits zur Sitzprobe im Renault-Werk im englischen Enstone. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Und Teambesitzer Gerard Lopez hält viel von ihm: "Es gibt Piloten, die schon gute Rennen bestritten haben - wie Heidfeld. Wir alle wissen, dass Nick recht gut ist. Wir haben aber keine Ahnung, auf welchem Niveau er aktuell fährt."

Um das herauszufinden, wird er wie Bruno Senna den neuen Boliden in Jerez de la Frontera testen - und das gleich anderthalb Tage lang. Renault-Teamchef Eric Boullier betont in Spanien: "Wenn Heidfeld überzeugen kann, ist er unser Mann."

Senna, Liuzzi, wer noch?

Gegenüber Senna, der als Ersatzfahrer auf der Renault-Gehaltsliste steht, hat Heidfeld immerhin 154 Grand-Prix-Starts in der Formel 1 mehr aufzuweisen. Wobei Senna sich in seinem Debüt-Jahr bei Hispania nicht für höhere Aufgaben empfehlen konnte.

Vielmehr kommt Heidfelds Konkurrenz aus Italien: Denn Vitantonio Liuzzi ist nach seinem Aus bei Force India auf der Suche nach einem Cockpit.

Boullier will den Kreis jedoch nicht zu eng fassen: Dies seien "nicht die einzigen Kandidaten", erläuterte er nach der offiziellen Nominierung von Heidfeld und Senna für Jerez.

Räikkönen - wie schon 2010

So wurde auch der Name Kimi Räikkönen wieder mit den Franzosen in Verbindung gebracht. Der Finne würde wohl von Citroen, für die er die Rallye-WM fahren will, die Freigabe erhalten.

Ob Räikkönen auf das Angebot anspringt, ist jedoch fraglich. Denn schon in der Vorsaison war der 31-Jährige öffentlich von Renault gehandelt worden - nach eigener Angabe jedoch ohne jemals in Kontakt mit dem Team gestanden zu haben.

Damals hatte der Ex-Weltmeister den Franzosen vorgeworfen, seinen Namen für bessere PR zu missbrauchen und klargestellt: "Ich habe niemals ernsthaft in Betracht gezogen, für Renault zu fahren. Ich kann versichern, dass ich zu hundert Prozent im kommenden Jahr nicht für sie fahren werde."

Lopez: "Pläne überdenken"

2010 suchten Boullier und Lopez einen Teamkollegen für Kubica, nun ist die Lage ungleich dramatischer: Mit Petrow steht nur ein so genannter Bezahlfahrer mit wenig Erfahrung als Starter fest.

"Der Ausfall von Robert bedeutet einen schweren Verlust für das Team und hat zur Folge, dass wir unsere Pläne überdenken müssen. Es ist ganz klar eine schwierige Zeit", betont Lopez.

Kubica ist wissbegierig

Die neueste Entwicklung des Polen macht immerhin Hoffnung: So kann Kubica die Finger seiner beim Unfall zertrümmerten rechten Hand wieder bewegen und darf die Intensivstation bis zur nächsten Operation an Schulter und Fuß verlassen. Mittlerweile ist der 26-Jährige sogar zu Scherzen aufgelegt.

"Wir haben Robert 15 Minuten lang besucht. Wir haben gescherzt, Robert war gut drauf. Natürlich wollte er wissen wie das Programm des Teams für die Saison aussieht", berichtet Boullier von seinem Trip ins Krankenhaus Santa Corona in Pietra Ligure.

Kubicas Ärzte klingen beinahe schon euphorisch. "Die Situation ist optimal", erklärte Mediziner Giorgio Barabino. Den Umständen entsprechend, hätte er noch hinzufügen müssen.

Vielleicht wendet sich nach der Schock-Nachricht aus Italien letztlich also doch alles zum Guten - für Heidfeld und für Kubica.

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