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Seit dieser Saison werden die Reifen für die Formel-1-Teams von Pirelli geliefert © imago

Mehr Boxenstops und mehr Überholmanöver: Die neuen Reifen verändern die Formel 1 grundlegend, das Taktieren beginnt im Training.

Von Olaf Mehlhose

München - Um die Formel-1-Rennen spannender zu gestalten, gibt es in dieser Saison einige technische Neuerungen: Die Wiedereinführung von KERS und ein verstellbarer Heckflügel sollen das Überholen auf der Strecke erleichtern.

Doch nach den ersten Tests hat es den Anschein, als würden die größten Veränderungen durch die neuen Reifen kommen, die nach dem Rückzug von Bridgestone vom italienischen Hersteller Pirelli geliefert werden.

Helmut Marko glaubt sogar, dass dem Handling der Pneus eine Schlüsselrolle zukommt.

"Die Reifen bauen drastisch ab, was bis zu vier Sekunden pro Runde kosten kann. Fahrer und Strategen sind daher mehr denn je gefordert", sagte der Red-Bull-Motorsport-Chef bei "Motosport-Total".

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1).

Die Unterschiede zum vorherigen Jahr sind beträchtlich: Die Pirelli-Reifen sind weicher und kurzlebiger als ihre Vorgänger.

Und die Differenz zwischen den verschiedenen Mischungen ist ebenfalls immens: Zwischen "supersoft" und "hart" liegen bis zu 2,5 Sekunden pro Runde.

"Der Reifen ging einfach weg"

Vor allem die schnelle Abnutzung birgt für die Piloten hohes Risiko.

"Wenn du nur einmal wegen Verkehr abbrechen musst oder einen kleinen Fehler drin hast, kannst du den Reifensatz komplett vergessen", erläuterte Sebastian Vettel bei "Auto Motor und Sport": "Und wenn es ein weicher zum falschen Zeitpunkt ist, kann unter Umständen dein ganzes Training beendet sein."

Lewis Hamilton äußerte gegenüber "autosport.com" ebenfalls Bedenken: "Ich bin vorsichtig gefahren, aber der Reifen ging einfach weg, und es gab nichts, was ich dagegen tun konnte.

Taktieren im Qualifying

Erschwerend kommt hinzu, dass den Piloten für ein Rennwochenende nur eine begrenzte Anzahl an Reifen zur Verfügung steht. Das Taktieren beginnt dadurch bereits im Qualifying.

Gefragt sind vor allem die Renningenieure: Der Entscheidung, welche Reifen zu welchem Zeitpunk eingesetzt werden, kommt eine hohe Bedeutung zu. Die harte Mischung ist zwar widerstandsfähiger, in Bezug auf schnelle Rundenzeiten aber nicht konkurrenzfähig.

"Ein etwas weicherer Reifen kann rund eine Sekunde besser sein als eine eher härtere Mischung", sagte McLarens Motorsport-Boss Jonathan Neale bei "formula1.com".

Die Fahrer, die im Qualifying um die Spitzenpositionen kämpfen, sollten demnach zumindest einen Satz der weichen Pneus für die dritte Qualifikations-Runde bereithalten.

Q3 mit harten Reifen?

Doch ein guter Startplatz ist noch lange nicht gleichbedeutend mit einem guten Rennergebnis.

"Training und Rennen werden komplett verschiedene paar Stiefel sein. Wichtig ist eine gute Balance des Autos im Rennen. Ein guter Startplatz hilft dir wenig, wenn dann die Reifen im Rennen dramatisch abbauen", erklärte Ross Brawn.

"Die ersten Zehn müssen auf den Reifen starten, mit denen sie sich qualifiziert haben. Das sind in der Regel gebrauchte Reifen der weicheren Mischung", sagte der 56-Jährige: "Ab Platz elf der Startaufstellung kann mit frischen harten Reifen losgefahren werden. Die werden schnellere Rundenzeiten erlauben und länger halten."

Deshalb könnten einige Fahrer im Q3 auf den Vorteil des weichen Reifens verzichten, um das Rennen mit den härteren, weniger abgenutzten Pneus zu beginnen.

Haug rechnet mit Verschiebungen

So haben auch die Teams, die nicht von den vordersten Plätzen starten, die Chance nach vorne zu fahren.

Auch Norbert Haug geht davon aus, dass es während des Rennens zu einigen Verschiebungen kommt.

"Wer sich vorne im Kampf befindet, fährt sich möglicherweise die Reifen kaputt. Da kann einer von weiter hinten mit der härteren Reifenmischung oder mit vorsichtiger angefahrenen Reifen das ganze Feld aufmischen", erklärte der Mercedes-Motosport-Chef .

Webber bleibt keptisch

Ob die neuen Reifen allerdings für mehr Spektakel sorgen werden, ist noch offen. Hamilton befürchtet, dass die Rennen "weniger schnell und nicht gerade aufregend" werden.

Red-Bull-Pilot Mark Webber ist ebenfalls noch nicht überzeugt.

"Ich denke, es gibt mehr Überholmanöver. Bei verschiedenen Strategien kann es auf der Strecke zu größeren Geschwindigkeitsunterschieden kommen. Dann wird es aber keine großen Kämpfe geben", sagte der Australier: "Der andere fährt einfach vorbei und verschwindet. Es wird viel überholt werden, aber ich weiß nicht wie spektakulär das wird."

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