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Nick Heidfeld übernimmt bei Renault das Cockpit des verunglückten Robert Kubica © imago

Heidfeld fällt es schwer, von Kubicas Unfall zu profitieren. Der Pole sei nun wohl noch motivierter, schnell zurückzukehren.

Von Olaf Mehlhose

München - Die Entscheidung, den verunglückten Robert Kubica bei Lotus Renault zu ersetzen, ist Nick Heidfeld nicht leicht gefallen.

"Ich habe mir die Sache sehr genau überlegt, wahrscheinlich habe ich mich intensiver damit beschäftigt, als es andere Fahrer tun würden", sagte der WM-Fünfte von 2007 auf der offiziellen Homepage der Formel 1: "Ich habe die Situation für mich geklärt und bin mit mir im Reinen." (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Einen Vorteil aus dem Kubicas Unfall zu ziehen, sei für ihn schwierig gewesen: "Ich musste das Ganze erstmal für mich klären. Als ich erkannt habe, dass Roberts Unfall eine Chance für mich bedeutet, hat mich das emotional belastet."

Letzten Endes sei die Gelegenheit aber zu gut gewesen, um sie auszulassen.

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"Roberts Unfall war nicht mein Fehler. Ich wünsche mir, dass er bald zurückkommt. Auf der anderen Seite war es eine Chance für mich, und ich bin glücklich, wieder in der Formel 1 zu fahren", erklärte Heidfeld.

"Ich bin bereit"

Auch wenn noch nicht feststeht, für wie lange er das Cockpit von Kubica übernimmt.

"Es ist noch nicht sicher, ob es für die gesamte Saison sein wird - sollte die Möglichkeit bestehen, bin ich natürlich bereit", sagte der 33-Jährige.

Nachdem sich sein ehemaliger Teamkollege gegen ihn als Ersatzfahrer ausgesprochen habe, könne er sich allerdings "vorstellen, dass es für ihn eine Extramotivation ist, nun noch schneller zurückzukommen".

Doch soweit schaut Heidfeld ohnehin noch nicht, im Moment überwiegt die Freude, ein Cockpit bei einem renommierten Team ergattert zu haben: "Für mich ist es umso schöner, weil ich nicht mehr damit gerechnet habe, in diesem Jahr dabei zu sein."

Zweifel bis zum Schluss

Er habe jedoch bis zum letzten Moment daran gezweifelt, ob es wirklich zu einem Engagement bei Renault kommt.

"Während meiner Zeit in der Formel 1 habe ich schon viel erlebt. Ich habe erst geglaubt, dass ich wieder dabei bin, als die Tinte auf dem Vertrag trocken war", beschrieb "Quick Nick" seine Gefühlslage in den letzten Wochen.

Wichtig sei es nun, sich mit seinem neuen Team einzuspielen; die Tests in Barcelona habe er zu ausgiebigen Gesprächen mit den Renningenieuren genutzt.

Kein Kubica-Auto

Dass der neue R31 zu stark an die Bedürfnisse Kubicas angepasst worden sei, glaubt der Renault-Pilot nicht.

"Die Ziele des Teams bei der Konstruktion des Boliden waren ganz offensichtlich auf Angriff ausgelegt. Das wird nicht nur am Auspuff deutlich", erklärte Heidfeld.

Er gehe aber davon aus, dass "Robert als klarer Nummer-Eins-Fahrer des Teams im vergangenen Jahr sicherlich sein Feedback gegeben" habe, das in den neuen Wagen eingeflossen sei.

Er könne nicht beurteilen, ob es ein speziell auf den Polen zugeschnittenes Auto sei, mit dem andere nicht klarkommen: "Ich nehme es, wie es ist."

Heidfeld dämpft Erwartungen

Die bisherigen Testergebnisse lesen sich auf jeden Fall vielversprechend: Nach den Bestzeiten von Kubica in Valencia und von ihm in Jerez wird Heidfeld sogar zugetraut, mit den Spitzenteams mitzuhalten.

Zumal er, durch seinen Job als offizieller Testfahrer des italienischen Reifenherstellers Pirelli, bestens mit den neuen Pneus vertraut ist.

Doch Heidfeld bemüht sich gleich, überhöhten Erwartungen einen Riegel vorzuschieben.

"Wir sind hoffentlich gut dabei, aber ganz vorne scheint Red Bull zu sein. Wir arbeiten natürlich hart dran, dies zu ändern", teilte er auf seiner Homepage mit.

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