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Der Australier Mark Webber hat bisher 157 Grands Prix absolviert © getty

Der Groll ist verraucht, Mark Webber will mit Red Bull angreifen - und dort sogar seine Karriere beenden. Aber: Er preist Ferrari.

Von Marc Ellerich

München - Abschied? Karriereende? War da was?

Drei Wochen vor dem Saisonstart der Formel 1 in Melbourne ist Mark Webbers Groll über seinen Arbeitgeber Red Bull offenbar endgültig verraucht.

Wurde angesichts seiner hitziger Gefechte in der Vorsaison mit seinem Teamkollegen Sebastian Vettel noch vom Abschied des Australiers aus der Formel 1 gemunkelt - oder zumindest von seinem österreichischen Team, so will Webber selbst inzwischen von derlei Dingen nichts mehr wissen.

Er sehe seine Zukunft bei Red Bull, beteuerte der Pilot aus Queanbeyan gegenüber "F1 Racing". "Ich hoffe, ich kann weiterhin hart für Red Bull arbeiten", sagte Webber dem Monatsmagazin und fügte dann im Stile einer Bewerbungsrede hinzu: "Sie wissen, dass ich den Ruf habe, stets das Beste aus meinen Fähigkeiten herauszuholen. Und dass ich das auch wieder tun werde."

Avancen an Ferrari

Er wolle weiterhin gegen die besten Piloten der Welt antreten, beteuerte der WM-Dritte des Vorjahres. Das sei extrem lohnenswert. "Es ist das, was dich morgens aus dem Bett holt."

Mehr noch. Auf die Frage, ob er seine Karriere bei Red Bull beenden wolle, antwortete Webber: "Ich würde sagen ja."

Warum er dann nach seinem Liebesbekenntnis zum Weltmeister-Team im selben Atemzug WM-Konkurrent Ferrari Avancen macht, weiß vermutlich nur er selbst. Ist es tatsächlich "diese romantische Anziehungskraft", wie er behauptete?

[kaltura id="0_e6o4m6jc" class="full_size" title="Vettel Nummer 1 bringt nichts"]

Jämmerliches Rennen

Wie auch immer, es ist ein erstaunlicher Sinneswandel des Australiers, der inzwischen auf 157 Grand-Prix-Starts zurückblickt. Von denen ihm ausgerechnet der vorerst letzte in besonders schlechter Erinnerung geblieben sein dürfte.

Webber, vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi, Erster im WM-Tableau und damit größter Sieganwärter, zeigte ein jämmerliches Rennen, verlor den ersehnten WM-Titel an seinen deutschen Teamkollegen - und stand als Ritter von der traurigen Gestalt da.

Verschwiegene Sportverletzung

Anschließend machten von Webber selbst veröffentlichte Berichte über eine verschwiegene Sportverletzung die Runde, die den 34-Jährigen im Finale behindert habe. Eine weitere Blamage für den Spätstarter in der PS-Liga, und - handelte es ich um ein normales Arbeitsverhältnis - ganz sicher ein Kündigungsgrund.

Allerdings, sein Team hielt ein wenig überraschend zum schwer taumelnden Piloten, der die Red-Bull-Mannschaft während des turbulenten Saisonverlaufs ein ums andere Mal mit forschen Sprüchen provoziert hatte ("Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer").

"Er wird sich aufrappeln"

Wiederholt richtete Red-Bull-Oberhaupt Dietrich Mateschitz seinen Fahrer höchstpersönlich mit warmen Worten auf. "Das Verhältnis hat sich in keinster Art und Weise geändert", behauptete der Getränke-Milliardär zuletzt in der "Sport Bild".

Und auch Teamchef Christian Horner hat Webber seine Eskapaden und die Unehrlichkeit längst verziehen und sprach ihm Mut zu. "Ich glaube, er wird sich wieder aufrappeln", meinte Horner zuletzt: "Ich glaube, er hat das schon getan."

Webber wiegelt ab

Webbers jüngste Äußerungen geben dem Red-Bull-Vorsteher Recht.

Mit Blick auf die beinharten teaminternen Duelle der Vorsaison mit Vettel meint der Red-Bull-Star inzwischen lediglich. "Natürlich gibt es manchmal Spannungen, es gibt niemanden in der Boxengasse, der das noch nicht erlebt hat."

Aber ein Wettkämpfer müsse das eben aushalten, mehr noch: "Das ist es, was du genießt."

Mateschitz' Segen

Runde zwei also im WM-Wettstreit mit seinem deutschen Nebenmann? Wenn es nach Webber geht, ja. Ein friedlicheres Miteinander hätte Red Bull nie zu Konstrukteurs- und Fahrer-Titel gebracht, behauptete der Australier.

"Natürlich hatten wir teamintern das oder andere Mal Gegenwind", blickte er zurück: "Aber zwei Fahrer wie uns zu haben, ist eine einmalige Situation, und einer alleine hätte das wohl kaum fertig gebracht."

Den Segen ihres obersten Vorgesetzten für eine Neuauflage ihres Teamduells haben die beiden PS-Stars längst erhalten. Seine beiden Piloten werden "auch künftig gleichberechtigt sein", hatte Mateschitz bereits im vergangenen November als Marschroute ausgegeben: Vettel müsse seine Stärke 2011 erneut beweisen. "Und der Weltmeisterbonus alleine wird dazu nicht reichen."

Mark Webber hat ihm sicher sehr aufmerksam zugehört.

(Jetzt auch um 12 Uhr und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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