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Sebastian Vettel hat bisher zehn Grand-Prix-Siege eingefahren © getty

In der neuen Saison kommt auf die Fahrer viel zu und alles muss mit einem Gerät bedient werden. Vettel erklärt die Neuerungen.

Von Björn Seitner

München - "Man hört ein akustisches Signal, zum Beispiel einen Piepton, der bedeutet: Feuer frei!", berichtet Sebastian Vettel.

Er ist mit 300 km/h im Windschatten eines Konkurrenten unterwegs. Es meldet sich das "Drag-Reduction-System" (DRS) - nur eine vieler technischer Neuerungen der neuen Saison.

Das DRS soll durch Verstellen des Heckflügels Überholmanöver forcieren.

Über 20 Schalter und Knöpfe hat ein Formel-1-Lenkrad. Vor 20 Jahren hatte es noch einen - für den Rückwärtsgang.

"Es ist einfach mehr Arbeit für uns", sagt der Weltmeister bezüglich des dieses Jahr um zwei Knöpfe erweiterten Bordcomputers bei "ServusTV".

"Der Flügel klappt nach oben"

"Im Rennen gibt es einen Punkt, der entscheidet, ob du dicht genug am Vordermann dran bist oder zu weit weg", sagt Vettel.

Der Fahrer höre daraufhin das akustische Signal, "drückt den Knopf und der Flügel klappt nach oben".

Man hat nun bessere Chancen beim Überholvorgang. Vorbei ist man aber noch lange nicht.

Orientierung nicht verlieren

Denn auch das KER-System (zur Rückgewinnung kinetischer Energie) will zum richtigen Zeitpunkt aktiviert werden.

"Man drückt auf den Knopf und hat für 6,6 Sekunden diese Mehrleistung von 82 PS", beschreibt Vettel die Wirkung des Systems.

Sobald man den Knopf aktiviere, müsse man aber genau wissen: "Wo bin ich jetzt?" (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Energieeinteilung mit KERS

Vor den jeweilgen Rennen gibt es Simulationen, in denen ausgerechnet wird, wann KERS am besten einzusetzen ist.

"Die Simulation spuckt zum Beispiel aus: Nach Kurve eins braucht es 30 Prozent, nach Kurve zwei nochmal 40 Prozent und den Rest bei Start und Ziel", so der 23-Jährige.

[kaltura id="0_e6o4m6jc" class="full_size" title="Vettel Mit der 1 unterwegs"]

Und weiter: "Man hält sich als Fahrer dran, hat das aber nicht genau im Gefühl. Also läuft das Display um diese 30, 40 und nochmal 30 Prozent hoch. Man hat jedes Mal die Augen auf dem Display und nicht mehr auf der Fahrbahn."

Viel Arbeit, findet Vettel: "Natürlich kriegt man in etwa mit, was passiert, aber es ist schon einiges zu tun. Unterm Strich bin ich kein allzu großer Fan von KERS."

Fail-Knopf für den Notfall

KERS und DRS sind jedoch bei weitem nicht alles.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung für die Boxengasse, die Neutralstellung des Getriebes, das Differenzial, der Rückwärtsgang und das Regenlicht werden ebenfalls über das rund 25.000 Euro teure Lenkrad gesteuert.

Zudem gibt es einen Fail-Knopf, den Vettel so erklärt: "Man hat 99 Positionen, die man auswählen muss. Mit Fail kann man diese Sensoren ein- und ausschalten."

"Wenn man Pech hat und ein Rennen erwischt, in dem ohnehin viel kaputt geht, dann ist man da nur noch am Suchen und am Machen. Das kommt auch vor", sagt er.

Wie beim Telefonieren im Auto

Die Sicherheit gerate dabei teilweise außer Acht.

"Es kann schon mal vorkommen, dass man sich dabei ertappt, wie man von der Linie abkommt, auf der man sein sollte. Das ist wie beim Telefonieren beim Autofahren - was mir noch nie passiert ist, weil man es nicht tun sollte", erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Ecclestone: System ist gefährlich

Dass man diese Entwicklungen "genau beobachten müsse", findet auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

Ein Fehler bei der Einstellung des Heckflügels könnte seiner Meinung nach fatale Folgen haben: "Ich halte dieses System für ziemlich gefährlich. Was wenn sich der Flügel vor der Kurve nicht zurückstellt und dem Fahrer Anpressdruck fehlt? Das könnte zu Unfällen führen."

50-seitiges Handbuch

Zu einem neuen Lenkrad bekommen die Fahrer ein 50-seitiges Handbuch um sich an das neue Gerät zu gewöhnen.

"Es ist sehr kompliziert, man muss sich erst daran gewöhnen", findet auch Mercedes-Pilot Nico Rosberg.

Weltmeister Vettel zieht den Vergleich zu einem Schlagzeuger: "Man kann nicht auf Anhieb die besten Songs spielen."

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