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Zum anderen bereitet Schumacher sein neuer Teamkollege Kopfzerbrechen: Mit Nico Rosberg hat er erstmals einen Nebenmann, der ihm gewachsen ist. Und nicht nur das: Im Qualifying hat der Rekordchampion fast immer das Nachsehen
Den Kollegen als ersten Gegner: Nico Rosberg (r.) fixiert Michael Schumacher © Getty Images

Dritte Plätze werden Nico Rosberg 2011 nicht mehr genügen, endlich soll der erste Sieg her. Zuvor muss er Schumacher schlagen.

Von Marc Ellerich

München - Eines kann man Nico Rosberg ganz gewiss nicht vorwerfen: Dass ihm Selbstkritik fremd wäre.

"Eines ist klar", sagte Rosberg im Februar in einem Interview mit der offiziellen Formel-1-Seite "formula1.com": "Ich habe noch kein Rennen gewonnen, also können einige meiner Entscheidungen offensichtlich nicht so großartig gewesen sein."

Womit man sofort bei einer zweiten Charaktereigenschaft ist, die am jungen deutschen Formel-1-Star auffällt: seinem Ehrgeiz.

"Das ist ein Traum"

"Ich möchte dieses Jahr Rennen gewinnen, das ist das Ziel", sagte der 25-Jährige bei den Testfahrten in Valencia auf SPORT1-Nachfrage.

Um dieses Ziel zu erreichen ist Rosberg 2009 zum neuen Team Mercedes GP gewechselt, an die Seite des Rekord-Weltmeisters Michael Schumacher, wie sich später herausstellte.

Den Wechsel vom englischen Privatteam Williams ins "deutsche Nationalteam der Formel 1", wie der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche Mercedes GP bei dessen Vorstellung nannte, ordnete Rosberg ausdrücklich nicht in der Rubrik Fehlentscheidungen ein. "Das ist ein Traum", sagte er in dem erwähnten Interview.

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Dreimal aufs Podium

Ein Traum, in dem aber ganz offensichtlich Startschwierigkeiten vorgesehen waren.

In seiner Premierensaison blieb das deutsche Silberteam deutlich hinter den haushohen Erwartungen der Öffentlichkeit zurück, vor allem Schumacher benötigte mehr Eingewöhnungszeit als von ihm selbst erwartet. Harte Kritik war die Folge. (Schumacher-Interview: Formel 1 langsamer geworden)

Rosberg aber rettete, was zu retten war. Drei Mal, in China, Malaysia und England, lenkte er den unterlegenen MGP W01 als Drittbester durchs Ziel, am Ende des Jahres wurde er dennoch weit abgeschlagen Siebter.

"Gewisse Geduld"

Allerdings hatte er doppelt so viele WM-Zähler eingesammelt wie sein berühmter Kollege (142:72), auch deshalb betrachtet er sein erstes Mercedes-Jahr nicht als Misserfolg.

"Ich konnte Michael schlagen und habe die bestmöglichen Ergebnisse mit dem Auto abgeliefert", sagte er: "Für meine Karriere war das ein großer Schritt nach vorne, am Ende ist es das, was zählt."

Er beziehe Zufriedenheit aus den Leistungen des Vorjahres, antwortete Rosberg in Valencia auf SPORT1-Nachfrage. Was ihm wohl auch hilft, seinen brennenden Ehrgeiz im Zaum zu halten. "Die gewisse Geduld" sei noch vorhanden, sagte der Mercedes-Pilot noch zum Thema.

Einblick ins Seelenleben

Womit er zugleich deutlich machte: Dritte Plätze werden ihm in diesem Jahr nicht mehr genügen. 2011 soll der Knoten endlich platzen, der erste Rennsieg muss her, koste es, was es wolle.

"Der erste Sieg stellt einen Meilenstein dar. Für einen Piloten stellt eine solche Leistung eine große Hürde dar", gab Teamchef Ross Brawn einen Einblick ins Seelenleben seines Piloten: "Wir wollen Nico dabei helfen, diesen ersten Sieg einzufahren."

Die Chancen darauf stehen nach dem beeindruckenden Testfinale der Silberpfeile nicht schlecht. (Test-Bilanz: Mercedes jagt Top-Duo)

Schumacher fuhr auf dem Circuit de Catalunya eine beeindruckende Saisonbestzeit, Rosberg war nach ihm trotz defekten Heckflügels nur eine halbe Sekunde langsamer.

"Härter als erwartet

Rosberg hielt sich trotz der ermutigenden Signale von Barcelona vor dem Saisonstart auffallend zurück.

"Im Moment haben wir nicht das schnellste Auto, aber wir bewegen uns in die richtige Richtung", kommentierte er die Testergebnisse, und: "Wir sehen im Moment besser aus als im letzten Jahr."

Der Winter sei mit lange Zeit holprigen Test-Resultaten "härter als erwartet" gewesen, so Rosberg, vielleicht deshalb traut er dem Frieden noch nicht so ganz.

Immerhin, soviel Zuversicht hat der Wahl-Monegasse und Hobby-Triathlet dann doch gefasst: "Wir sind am aufsteigenden Ast."

Rosberg: Eigenartiger Sport

Rosbergs Vorsicht hat gute Gründe: Garantien sind die guten Ergebnisse in der Vorbereitung längst nicht, das hat der Einser-Abiturient in fünf Jahren Formel 1 längst begriffen.

Verliefe dort alles nach Plan, dürfte er sich längst Grand-Prix-Sieger nennen, da ist er sich sicher. "Mein erster Formel-1-Sieg war schon spätestens letztes Jahr fällig", behauptete Rosberg jüngst in einem "GQ"-Interview: "Aber die Formel 1 ist ein eigenartiger Sport." Weil man so abhängig von seinem Auto ist.

Harter Kampf mit Schumi

Bliebe noch das Duell mit dem Teamkollegen Schumacher. Rosberg erwartet einen beinharten Kampf mit dem Superstar im eigenen Stall.

Andererseits: "Von mir aus kann er gerne seine Leistung vom Vorjahr wiederholen", sagte er. Ziemlich frech. Doch auch ein gehöriges Selbstbewusstsein ist ganz gewiss Teil seiner Persönlichkeit.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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