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Michael Schumacher wird in Melbourne seinen 270. Grand Prix bestreiten © getty

Zur neuen Saison will Mercedes-Star Michael Schumacher endlich wieder vorne mitmischen. Die Experten haben ihn auf der Rechnung.

Melbourne - Die Silberpfeile sind auf Goldsuche: In seinem neuen Mercedes geht Rekord-Weltmeister Michael Schumacher mit deutlich mehr Zuversicht in die zweite Saison seiner zweiten Karriere.

Die Aufbruchstimmung in der "deutschen Formel-1-Nationalmannschaft" (Daimler-Chef Dieter Zetsche) ist förmlich greifbar.

"Wir sind 2010 Vierter geworden und wollen vom vierten Platz aus in der WM in die richtige Richtung losziehen. Und die richtige Richtung geht nach vorne", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Der Schwabe kann den Saisonstart kaum noch erwarten. "Wir sind beim letzten Test vor der Saison in Barcelona schneller geworden. Wo wir im Vergleich zur Konkurrenz stehen, erfahren wir - wie alle unsere Wettbewerber auch - endlich am kommenden Wochenende in Melbourne", sagte er (Training, Fr. ab 6 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Red Bull ist die Referenz

Auch Schumacher ist zufrieden mit der deutlichen Steigerung zum Ende der Testfahrten in Barcelona. Er erzielte die beste Zeit, nachdem erstmals alle geplanten Teile am Auto im Einsatz gewesen waren.

"Es scheint, als hätten alle unsere Neuerungen den gewünschten Effekt", sagte Schumacher in einem Interview mit dem "stern". Red Bull mit Weltmeister Sebastian Vettel sei zwar immer noch die Referenzgröße, "aber man wird Mercedes auf der Rechnung haben müssen".

"Sukzessive an die Spitze"

Dass alle Welt von einem Team wie Mercedes mit Schumacher und dem mindestens ebenbürtigen Nico Rosberg Siege und den WM-Titel erwartet, weiß Haug. Er stellt sich der Erwartungshaltung.

"Klar wollen wir Weltmeister werden, aber wir sind nicht so vermessen, dass wir sagen, wir steigen ein und sind direkt die Besten. Das ist aber die ultimative Zielsetzung", sagte der Mercedes-Sportchef, der sein Team nach Umstrukturierung und Verkleinerung noch in einer Lernphase sieht.

Nach Abschluss dieses Prozesses "wollen wir sukzessive an die Spitze herankommen. Das ist unsere Zielsetzung, und das trauen wir uns zu."

MGP-W01 ohne große Schwachpunkte?

Viele große Schwachpunkte habe der Silberpfeil 2010 gar nicht gehabt, aber es habe ein Prozent zu den Besten gefehlt, sagte Haug.

"99 Prozent sind nicht gut genug, ein Prozent hinter der Messlatte, und die Rennen gewinnt nur, wer die Messlatte ist", meinte er: "Deshalb müssen und wollen wir unser neues Auto um dieses eine Prozent - das schwierigste von allen 100 - verbessern. Wir wollen dann sukzessive zur Messlatte werden - ein Prozess, der Jahre dauert."

Fahrer keine Ingenieure

Und an dem die Fahrer nach Meinung von Haug keinen so großen Anteil haben, wie mancher Fan vermutet.

"Die Fahrer konstruieren das Auto nicht. Sie schildern ihre Eindrücke, dann wird das Auto von den Konstrukteuren entworfen. Die Eindrücke der Fahrer fließen in die Konstruktion mit ein, aber es wäre falsch zu sagen, dass die Fahrer die Richtung der Fahrzeugkonstruktion bestimmen", sagte Haug.

Nur Lob für Schumacher

Das hieße nicht, dass Schumachers Erfahrung aus 20 Jahren Formel 1 gar nicht so viel wert sei. "Aber ich glaube, dass es manchmal den Irrglauben gibt, dass der Fahrer sagt: 'Ich setze mich hier hin und sage A, B, C, D, E, F - und dann baut ihr das Auto um mich rum. ' Das war noch nie so", sagte Haug.

Lob gibt es dennoch für den siebenmaligen Weltmeister, der im vorigen Jahr schon häufig in der Kritik stand.

"Ich glaube, dass Michael nach wie vor ein extrem konkurrenzfähiger Fahrer ist. Sonst hätten wir ihn nicht im Team. Ich glaube, dass Michael einen immensen Erfahrungsschatz hat, eine immense Motivation und ein immens guter Teamplayer ist", meinte Haug, der auch Rosberg Siege zutraut - "wenn wir beiden das Auto dazu geben".

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

Berger hat Schumi auf der Rechnung

Die Experten haben Schumacher nach dem durchwachsenen ersten Comeback-Jahr auf der Rechnung.

"Die scheinen jetzt ein richtig gutes Auto zu haben", sagte Gerhard Berger bei "auto motor und sport": "Deshalb schätze ich auch Michael Schumacher ganz hoch ein. Den Michael darfst du nie abschreiben."

Der Österreicher hat die Hoffnung, dass Schumacher und sein Teamkollege Nico Rosberg an der Spitze mitmischen können: "Es wäre schön, wenn die Mercedes-Fahrer im Spitzenfeld für Unruhe sorgen könnten."

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