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Mark Webber begann seine Formel-1-Karriere im Jahr 2002 bei Minardi © getty

Mark Webber sieht kein Land gegen Sebastian Vettel. In Schanghai muss er sich zeigen, um nicht vollends ins Abseits zu geraten.

Von Julian Meißner

München - Als die Stallgefährten Sebastian Vettel und Mark Webber vergangenes Jahr in Istanbul einander ins Auto fuhren, erreichte der Kampf um die Vormachtstellung bei Red Bull Racing seinen vorläufigen Höhepunkt.

Eine wilde Diskussion um die Gleichbehandlungs-Strategie der Teamleitung entbrannte, bis zum Saisonfinale bekämpften sich die beiden bis aufs Schärfste.

Ganz anders 2011: Nach gerade einmal zwei Rennen der neuen Saison sind die Kräfteverhältnisse beim Weltmeister-Team überdeutlich geklärt.

Vettel ist mit zwei Siegen aus zwei Rennen der Mann der Stunde, Webber spielte bislang mit den Plätzen fünf in Melbourne und vier in Sepang allenfalls eine Nebenrolle. 50:22 steht es für Vettel in der WM (SERVICE: WM-Stand).

Adjutantenrolle droht

Nicht wenige erwarten für den weiteren Saisonverlauf einen Alleingang des 23-jährigen Heppenheimers, der im schnellsten Auto des Feldes sitzt - wie sein elf Jahre älterer Kollege natürlich auch.

Webbers Abgang nach der Saison gilt ohnehin als ausgemacht, als mögliche Nachfolger wird über Stars wie Lewis Hamilton und Nico Rosberg spekuliert, aber auch das australische Talent Daniel Ricciardo aus dem Red-Bull-Nachwuchskader wird gehandelt. Ein Bekenntnis zu Webber gibt es nicht.

Der Australier muss sich nun dagegen wehren, sein wohl letztes Jahr in der Formel 1 als "Lame Duck" hinterher zu hecheln und frühzeitig in die Adjutantenrolle für Vettel zu geraten.

Horner verteilt Lob

Teamchef Christian Horner sah sich nach dem Großen Preis von Malaysia immerhin veranlasst, dem 34-Jährigen den Rücken zu stärken.

"Ich habe absolut keinen Zweifel, dass seine Zeit in dieser Saison noch kommen wird", so Horner, der Webber für seinen Auftritt in Kuala Lumpur in höchsten Tönen lobte.

Hemmschuh KERS

Der Australier hatte einen Katastrophen-Start hingelegt, musste dabei auf seinen KERS-Turbo verzichten und wurde von Position drei bis auf den zehnten Platz durchgereicht. Im Verlauf des Rennens zeigte er eine couragierte Vorstellung und arbeitete sich Position um Position nach vorne.

Horner: "Er hat sich im Rennen großartig erholt, eine Kombination aus Strategie und Performance hat ihn fast noch aufs Podium gebracht."

Schwächen in der Quali

Fakt ist aber auch, dass Webber in der Qualifikation bislang kein Land sieht gegen den souveränen und nervenstarken Vettel und sich so seiner Chancen auf bessere Platzierungen beraubt.

Über acht Zehntelsekunden waren es in Australien, immerhin drei Zehntel in Malaysia, die Webber auf Vettels Bestzeit fehlten - es sind Welten in der Formel 1.

Zwar markierte Webber in Kuala Lumpur die schnellste Rennrunde, doch der im Vergleich zu Vettel viel höhere Reifenverschleiß an seinem RB7 verhindert, dass er seinem Teamkollegen auf Augenhöhe begegnet.

Vettel noch nicht am Limit

Zumal man bei Vettel den Eindruck gewinnt, dass er im Falle des Falles immer noch schneller fahren könnte.

Während der Deutsche in Sepang das Feld trotz der Probleme mit dem Energie-Rückgewinnungssystem KERS nach Belieben dominierte, stöhnte Webber: "Es ist extrem schwierig, die Gegner auf Distanz zu halten, wenn das KERS an deinem Auto nicht einwandfrei funktioniert."

Schlüsselrennen Schanghai

Beim dritten Saisonrennen in Schanghai (Training, Freitag 7 Uhr im TV auf SPORT1) steht Webber nun enorm unter Druck, will er nicht vorzeitig den Anschluss verlieren (DATENCENTER: Der Rennkalender).

"Mark ist alt genug zu wissen, wie lang die Saison ist", sagt zwar Horner.

Doch Vettel hat nach dem Titelgewinn mit zwei Gala-Rennen seine Nummer-Eins-Position im Team zementiert und zeigt bis dato keine Schwäche.

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko wiederholte nach dem Malaysia-GP das politische Mantra seines Teams: "Beide Fahrer sind absolut gleichgestellt."

Was 2010 mitunter noch mit Kopfschütteln betrachtet wurde, scheint dieses Jahr niemanden großartig zu interessieren.

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