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Witali Petrow holte in seinem Debüt-Jahr 2010 27 Punkte und wurde WM-13. © imago

Witali Petrow wehrt sich vehement gegen sein Image. Das Talent des langen Russen ist unbestritten, doch es fehlt noch an etwas.

Von Julian Meißner

München - Es ist nur ein Wort, aber es reicht, um Witali Petrow zum Rasen zu bringen: Paydriver.

Hartnäckig hält sich die Vermutung, der 26-jährige Russe sei nur deshalb in der Formel 1 untergekommen, weil er viele Sponsoren-Millionen mitgebracht hatte und zudem über bedeutende politische Unterstützung aus der Heimat verfügte.

Hintergrund: Sein Renault-Team ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, ein russischer Fahrer macht sich gut angesichts des für 2014 geplanten Grand Prix in Sotschi ? Petrows Image kommt nicht ungefähr. Von 15 Millionen Euro wird gemunkelt, die er seinem Rennstall als Liebesgabe zum Einstieg beschert habe.

"Ich weiß, was ich tue"

Doch der mit 1,85 m für einen Formel-1-Piloten ungewöhnlich große Wyborger wehrt sich nach Kräften dagegen. "Es werden eine Menge Lügen über mich geschrieben", sagt er: "Ich lese das nie. Ich weiß, was ich tue, und ich weiß, dass es schwierig war, an mich zu glauben. Aber mein Team hat es getan."

Soviel zur Version mit Rennfahrer-Romantik. Doch bei der Besetzung für die Saison 2011 soll es durchaus eine Rolle gespielt haben, dass Petrow finanzielle Unterstützung aus der Heimat mitbringt. "Ich will nicht, dass die Leute denken, ich sei nur hier wegen des Geldes", sagt er trotzig.

Mangelnde Professionalität

Sein fahrerisches Können stellte er beim Saisonauftakt in Melbourne eindrucksvoll unter Beweis, sicherte sich als erster Russe eine Podiumsplatzierung in der Königsklasse.

Doch dass Petrow ein talentierter Fahrer ist, zeigte schon die Saison 2010. Sie bewies aber eben auch, dass er anfällig ist für leichte Fehler und ihm die totale Fokussierung und Konstanz noch abgehen. (Renault: Voll auf Angriff mit Mr. Risiko)

Zudem werden Petrow Schwächen bei der Fahrzeugabstimmung und mangelnde Professionalität nachgesagt. Teamchef Eric Boullier soll ihm bei den Verhandlungen über eine Weiterführung des Engagements klar gemacht haben, dass er sich seinem Job doch mit etwas mehr Inbrust zu widmen habe.

Spektakulärer Abflug

Am vergangenen Wochenende bot Petrow wieder genau das Bild, das die Zweifel seines Vorgesetzten im Vorjahr geweckt hatte.

Während des Malaysia-Grand-Prix hob der Russe nach einem Ausritt neben die Strecke an einer Bodenwelle spektakulär ab, segelte dabei meterhoch durch die Luft und hatte obendrein noch das abgerissene Lenkrad in den Händen. Ein unglückliches Bild, das Petrow abgab, wenn auch ohne eigene Schuld.

Dennoch fühlte man sich unweigerlich an 2010 erinnert, als der schnelle Schlaks immer wieder mal sein Talent aufblitzen ließ - und doch nur selten in die Punkte fuhr.

""Ich habe einen kleinen Fehler gemacht, der nicht die Auswirkungen hätte haben sollen, die er hatte. Heute hätten beide Autos in den Punkten sein sollen", sagte Petrow, Spitzname "Rakete von Wyborg" einige Tage nach seiner Luftnummer und räumte dann ein: "Um ehrlich zu sein, weiß ich immer noch nicht, was ich getan habe."

Bier von Vettel

Aber auch, wenn Petrow die letzten Zweifel an seinem Können immer noch nicht beseitigt hat: Bei den deutschen Fans hat der lange Russe seit dem Saisonfinale letzten Jahres in Abu Dhabi einen Stein im Brett.

Rundenlang hielt er in seinem unterlegenen Renault Ferrari-Star Fernando Alonso hinter sich und ermöglichte so Sebastian Vettel den sensationellen Titelgewinn. Er werde Petrow ein Bier spendieren, kündigte der Weltmeister später an.

Dieser couragierte Auftritt war es im Endeffekt auch, der Petrows Karten auf sein Cockpit für die Saison 2011 deutlich verbesserte.

Putins Telefonnummer

Und er begann die neue Saison in Australien bekanntlich ähnlich stark, wie er die alte aufgehört hatte.

"Ich hatte einen Haufen Anrufe und SMS mit Glückwünschen von so ziemlich jedem, den ich kenne", sagte Petrow nach dem Rennen von Melbourne: "Ich hatte ganz vergessen, wie viele Leute meine Telefonnummer haben."

Wladimir Putin soll auch darunter sein.

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