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Nick Heidfeld fuhr in seiner Formel-1-Karriere bislang 13 Mal aufs Podium © imago

Mit einer forschen Kampfansage lehnt sich Nick Heidfeld ordentlich aus dem Fenster. Er und sein Team wollen Ferrari angreifen.

Von Barnabas Szöcs

München - An Ehrgeiz und Selbstbewusstsein hat es Nick Heidfeld noch nie gemangelt.

Nicht umsonst trägt der lässige Renault-Pilot seit vielen Jahren den Spitznamen "Quick Nick", die eigenen Ansprüche an sich und sein Team sind stets hoch.

Sein dritter Platz in Malaysia hat dem 33-jährigen Mönchengladbacher, eigentlich nicht als Lautsprecher bekannt, noch zusätzliche Motivation gegeben. Jedenfalls lehnte sich Heidfeld zwischen den Grands Prix in China und in der Türkei noch etwas weiter aus dem Fenster als gewöhnlich.

Heidfeld sieht Ferrari auf Augenhöhe

In einen Video-Interview auf der Lotus-Renault-Website äußerte sich der Deutsche, nach dem schweren Rallye-Unfall von Robert Kubica als Ersatzfahrer geholt worden war, zuversichtlich, mit den Rennommier-Rennställen der Branche bald mithalten zu können.

"Ich glaube, wir können das. Es wird bestimmt nicht leicht, denn wir kämpfen derzeit mit Teams wie Ferrari. Wir werden definitiv versuchen sie zu schlagen."

"Wir wollen an die Spitze"

Während Mercedes für Heidfeld derzeit keine direkte Konkurrenz darstellt, hält er ein Duell um Platz drei mit dem italienischen Traditionsstall in der Teamwertung für durchaus denkbar.

"Mercedes scheint sich auch verbessert zu haben, während McLaren und Red Bull immer noch Vorsprung haben", so seine Einschätzung: "Die Ambitionen des Teams und unsere Ziele sind klar - wir wollen an die Spitze. Wir arbeiten hart daran."

Renault schon mit zwei Podestplätzen in 2011

Dabei beurteilt der Achte der Fahrerwertung die langfristige Arbeit der gesamten Crew als entscheidend: "Das Team hat in den vergangenen eineinhalb Jahren große Fortschritte erzielt. Wenn wir das Entwicklungstempo beibehalten, können wir den Schwung mitnehmen."

Seine durchaus ambitionierte Ankündigung kommt nicht von ungefähr: Nach drei Saisonrennen holten Heidfeld und sein russischer Teamkollege Witali Petrow bereits zwei Podiumsplätze für den malaysisch-luxemburgische Stall unter Teamchef Eric Boullier und rangieren mit 32 Punkten auf Platz vier in der Teamwertung (DATENCENTER: WM-Stand).

Ferrari stottert - Alonso macht Dampf

Ferrari hingegen konnte in der laufenden Saison kein einziges Mal aufs Podest fahren, von einem Sieg ganz zu schweigen. Man musste daher in Maranello auch nicht lange warten, bis Heißsporn und Doppelweltmeister Fernando Alonso unüberhörbar Alarm schlug und den Roten Feuer unterm Hintern machte (Alonsos Weckruf: "Wir müssen aufholen").

Möglicher Schaden für den Teamgeist

So weit, so gut. Ganz ungefährlich sind Heidfelds selbstbewusste Vorstellungen nicht. Hält das Team mit den mutigen Ankündigungen des Deutschen nicht Schritt - wie zum Beispiel beim China-Grand-Prix, wo Petrow als Neunter und Heidfeld als Zwölfter die hohen Erwartungen nicht erfüllten, könnten derlei Kampfansagen recht schnell zum Bumerang werden.

Der Spott der Konkurrenz und der Öffentlichkeit wären absehbar.

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Teamchef arbeitet am Zusammenhalt

Und Teamchef Boullier sieht offenbar einen weiteren Brennpunkt: Die Chemie im gesamten Team. Zusammenhalt hat für den Franzosen oberste Priorität.

"Es geht einzig um die Teamleistung", weiß Boullier: "Die Mannschaft gibt alles, die Fahrer geben alles, jeder motiviert den anderen. Wir müssen diese Balance aufrecht erhalten, denn sie kann sehr leicht kippen."

Und es lässt sich nur vermuten, dass Heidfelds forsche Töne seinem Vorgesetzten vielleicht doch etwas vorschnell vorkommen mögen. Zuletzt hatte der Franzose seinen deutschen Fahrer bei "autosport.com" zwar positiv, doch gleichermaßen zurückhaltend beurteilt.

"Wir müssen Nick wieder in eine positive Bahn bringen", meinte Boullier da: "Das wird nicht innerhalb einiger Tage passieren. Erst danach können wir unsere Ziele erhöhen. So kommt man Schritt für Schritt weiter nach oben."

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