vergrößernverkleinern
Mark Webber (l.) wechselte 2007 von Williams zum Red-Bull-Team © getty

Vettels Teamkollege schnauzt Rosberg und die Journalisten an - und befeuert die Debatte um seine ungewisse Zukunft.

Istanbul - Erst die erneute Attacke gegen Teamkollege Sebastian Vettel, dann eine Streiterei mit Nico Rosberg: Bei Mark Webber scheinen die Nerven blank zu liegen.

Der inzwischen zementierte Status als Nummer zwei hinter Weltmeister Vettel nagt an dem Australier, der im Vorjahr sowohl den Macht- als auch den Titelkampf gegen den Deutschen verlor.

Mehr denn je stellt sich bei dem 34-Jährigen auch die Zukunftsfrage: Gerüchte über einen Abschied von Red Bull oder sogar das Karriereende halten sich hartnäckig im Fahrerlager.

Nachdem er im Qualifying in Istanbul wie später im Rennen (Highlights ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1) zwar Zweiter geworden war, aber eben wieder chancenlos hinter Vettel, verstand Webber keinen Spaß mehr (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Und ihr haltet auch den Mund"

"Jetzt bleib mal ernst", schnauzte er Rosberg an, der Vettel augenzwinkernd zugeflüstert hatte, er werde Webber schon beim Start überholen.

Umstehenden und ohnehin schweigenden Medienvertretern rief der Australier zu: "Und ihr haltet auch den Mund."

Während er auf der Strecke nach missglücktem Saisonstart deutlich aufsteigende Form zeigt, sind es vor allem die Auftritte im Paddock, die Webbers Zukunft gefährden.

Mehr Schaden oder Nutzen?

Bei Red Bull muss man sich genau überlegen, ob man den Routinier trotz seiner ständigen Stänkereien - das Ende von Vettels Siegesserie kürzlich in Shanghai hatte er als "guten Tag für den Rennsport" bezeichnet - im Team noch gebrauchen kann.

Seine Berechtigung habe dies derzeit vor allem dadurch, dass er den 23 Jahre alten Weltmeister durch seine sportlichen und verbalen Attacken immer pushe und motiviere, sagen Befürworter.

Doch auch dieses Argument gilt nicht für alle. "Sebastian bräuchte theoretisch überhaupt keinen Teamkollegen", sagt Ex-Rennfahrer und Fernseh-Experte Marc Surer: "Er holt mit seinem Team alles aus dem Auto raus und würde auch alleine gewinnen und Weltmeister werden. Dazu braucht er keinen Webber."

[kaltura id="0_sln7p87s" class="full_size" title="Streckenvideo Istanbul"]

"Man muss Mark jetzt zurückpfeifen"

Surer würde den Australier dennoch halten - sofern er die Rolle als Nummer zwei akzeptiert und sich mit ihr arrangiert.

"Was wäre denn die Alternative", fragt er: "Man muss Mark jetzt zurückpfeifen, damit er die tolle Ausgangsposition Vettels nicht gefährdet. Man muss ihn steuern und es ihm schmackhaft machen, dass er das beste Auto im Feld hat, mit dem er gewinnen kann, wenn Sebastian Probleme hat."

Dies scheint aber nicht dem Selbstverständnis des Piloten aus New South Wales zu entsprechen. Vor allem im vergangenen Jahr, als er nach später und mäßiger Karriere plötzlich den WM-Titel vor Augen hatte, gefährdete er immer wieder den Teamfrieden.

Gefährliche Ansprüche

Als er zwei Rennen vor dem Saisonende 14 Punkte vor Vettel lag, forderte er praktisch unverhohlen, der Deutsche müsse für ihn fahren.

Und das obwohl Teamorder verboten war, Webber seit Mai 2010 keinen Wettkampf auf der Strecke gegen den Shootingstar gewonnen hatte und Vettel selbst noch Titelchancen hatte

Was aus ihnen geworden ist, ist bekannt.

"Wir sind nicht die besten Freunde"

Fast grotesk mutet es derzeit an, dass der elf Jahre jüngere "Bulle" in die Rolle des Reiferen schlüpfen und die ständigen Brandherde löschen muss.

"Insgesamt bin ich mit Mark zufrieden", sagte er in Istanbul, unbeirrt vom neuerlichen Affront des Feindes im eigenen Lager: "Wir sind nicht die besten Freunde, aber zeigt mir ein Fahrerpaar in der Formel 1, das abends ein Bier zusammen trinken geht."

So erweckt der Weltmeister derzeit nicht den Eindruck, dass ihm die Zusammenarbeit mit Webber schaden würde.

Horners löchriges Bekenntnis

Spannend wird es vor allem dann, wenn Webber dem Kollegen-Rivalen wirklich helfen muss. Schließlich ist die Teamorder inzwischen legal, und der Punkte-Abstand betrug nach drei Rennen schon stolze 51 Zähler.

Offiziell gibt es über die Zukunft des Australiers keine klaren Aussagen. Teamchef Christian Horner erklärte ausweichend, er sei "im Moment" mit der Fahrerpaarung zufrieden, das Thema würde man später besprechen.

Webber selbst erklärte lapidar, es gebe drei Möglichkeiten: "Entweder ich bleibe, wechsele oder höre auf." Die letzte scheint zumindest nicht die unwahrscheinlichste.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel