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Sebastian Vettel feierte beim Türkei-GP bereits den dritten Saisonerfolg © getty

Nach seinem Errfolg beim Türkei-GP liegen dem Weltmeister Fans und Medien zu Füßen. Schumachers Rekord bleibt wohl unangetastet.

München - Die Formel 1 erlebt ihre verrückteste Saison aller Zeiten, doch Weltmeister Sebastian Vettel setzt alle (neuen) Regeln außer Kraft.

Unbeirrt von Rückschlägen, Taktikspielchen und Psychoduellen fuhr der 23-jährige Red-Bull-Pilot auch in Istanbul (Nachbericht) die Konkurrenz in Grund in Boden.

Während Fans und Medien dem von der Repubblica" zum "einzigen König der Formel 1" ernannten Vettel huldigen, streckt die Konkurrenz nach einem Fünftel der Saison fast schon resigniert die Waffen. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Lob von Webber

"Er ist einfach zu schnell", sagte Ex-Champion Lewis Hamilton, der Vettel in Schanghai die einzige Saisonniederlage zufügte, dabei aber von einem taktischen Fehler bei Red Bull profitierte. "

Es ist im Moment hart, gegen ihn zu kämpfen", meinte Vize-Weltmeister Fernando Alonso.

Und selbst Vettels ihm nicht immer wohlgesonnener Teamkollege Mark Webber gestand nach dem Doppelsieg in der Türkei neidlos an: "Er ist nahe am Maximum."

"Nach der halben Saison fertig"

TV-Experte Niki Lauda sieht dem Dominator der bisherigen Saison bereits auf dem besten Weg zur Titelverteidigung.

"Mehr als Sebastian rausholt, kannst du nicht rausholen. Wenn das so weitergeht, sind wir nach der halben Saison fertig", sagte der Ex-Weltmeister, nachdem der Hesse die Vettel-Festspiele trotz Highspeed-Crash im Training und fehlender Eindrücke von der Strecke in einem runderneuerten Wagen um eine Aufführung erweitert hatte. (398545Bilder: Vettel zerlegt Kylie)

"Die Saison ist noch lang, und er muss jetzt wirklich mit Hirn weiterfahren. Rennen, die man nicht unbedingt gewinnen muss, braucht er nicht mehr zu gewinnen", erklärte Lauda im "ORF": "Wenn er auf dieser Spur bleibt und Red Bull auch, wovon wir ausgehen, dann bin ich mir sicher, dass er Weltmeister wird."

Lob von allen Seiten

Mit dieser Meinung steht der 62-jährige Österreicher nicht alleine da.

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"Man darf sich darauf einstellen, dass Sebastian Weltmeister wird. Wenn einer so dominant ist, geht das nicht von heute auf morgen verloren", versicherte Formel-1-Fachmann Christian Danner: "Der größte Konkurrent für Vettel ist Webber, und das ist eigentlich kein Konkurrent."

Und Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko stellte klar: "Das war kein Glück. Sebastian ist einfach fehlerfrei gefahren."

"Ein hervorragender Botschafter"

Der frühere Vize-Weltmeister David Coulthard fühlt sich gar an die Dominanz von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher erinnert, der zwischen 2000 und 2004 fünfmal in Serie den Titel holte.

"Er kann genauso dominant werden wie Schumacher", sagte Coulthard: "Außerdem ist es toll, wie er mit den Fans und seinem Team umgeht. Er ist ein hervorragender Botschafter für die Formel 1."

Anders als der gerade in seinen erfolgreichsten Zeiten oft verbissen wirkende Schumacher gibt sich Vettel nach außen oft locker.

Den Sieg in Istanbul feierte er tanzend und Champagner spritzend, stets hat er einen lockeren Spruch auf den Lippen.

Vettel: Keine Vorentscheidung

Andererseits besitzt er offenbar dieselbe Fähigkeit, sich zu konzentrieren und Rückschläge wegzustecken, die schon den seit dem Comeback hinterherfahrenden Rekord-Champion Schumacher auszeichnete.

Von einer Vorentscheidung im Titelrennen will Vettel selbst nichts wissen.

"Sobald man anfängt, sich für unschlagbar zu halten, bekommt man einen Tritt in den Hintern", meint er schmunzelnd: "Irgendwann kommt der Tag, an dem dir jemand eine Lektion erteilt und dich in die Schranken verweist."

Dies scheint zumindest langfristig derzeit unvorstellbar.

Schumis Rekord nicht in Gefahr

Dass Vettel den Rekord Schumachers aus dem Jahr 2002 in Sachen vorzeitige Titelverteidigung knackt, ist allerdings illusorisch. Schumi stand damals sechs Rennen vor dem Saisonende als Weltmeister fest.

175 Punkte Vorsprung müsste Vettels Punktepolster nach 12 von 19 Rennen betragen - ausgehend davon, dass der Bahrain-GP nicht nachgeholt wird - , bei der neuen Punktewertung ist das nahezu unmöglich.

Vettel, der die WM-Wertung im Moment mit 93 Punkten vor Hamilton (59) und Webber (55) anführt, könnte aus den kommenden acht Rennen eine Maximalpunktzahl von 200 Punkten einfahren.

Dass der zweitplatzierte Hamilton im gleichen Zeitraum allerdings nur 59 Punkte einfährt, ist allerdings genauso unwahrscheinlich wie die Annahme, dass Vettel die nächsten acht WM-Läufe alle gewinnt.

Dennoch: Der zweite WM-Titel für den blonden Deutschen scheint nur eine Frage der Zeit.

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