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Michael Schumacher sammelte in den bisherigen Rennen sechs WM-Punkte © getty

Ein Crash, drei weitere Kollisionen: Schumi reibt sich im Kampf ums Mittelfeld auf - und klingt reichlich frustriert.

München - Michael Schumacher ist nicht mehr der Alte.

Mit großer Leidenschaft, aber auch einer Spur Verzweiflung kämpft der Rekord-Weltmeister gegen diese Erkenntnis an und reibt sich dabei auch im zweiten Jahr nach seinem Comeback in der Formel 1 im Mittelfeld auf. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Auf dem Weg zum zwölften Platz in Istanbul (Bericht und 399559Bilder) sei der 42-Jährige nicht gefahren "wie einer, der die Faxen dicke hat", versichert Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Sondern wie ein hungriger Junior."

Genau so wirkte es in der Tat, als Schumacher sich schon in der zweiten Runde durch eine unnötige Kollision mit Witali Petrow alle Hoffnungen auf ein gutes Resultat zunichtemachte.

Mitleid für Irrfahrt

Der siebenmalige Champion nahm das Missgeschick anschließend "auf meine Kappe" und versuchte zu retten, was zu retten war.

Sebastien Buemi, Kamui Kobayashi oder Jaime Alguersuari hießen plötzlich seine direkten Rivalen. Und drei weitere leichte Kollisionen später überfuhr Schumacher die Ziellinie wieder einmal ohne WM-Punkt - ausgerechnet in der Türkei, wo er im Vorjahr als Vierter sein bestes Ergebnis eingefahren hatte.

Die italienische Zeitung "Repubblica" unterstellte ihm gar eine Irrfahrt und schrieb: "Schumacher wird von allen Seiten überholt und ruiniert der Hälfte der Piloten das Rennen."

Der "Corriere dello Sport" zeigte Mitlied: "Es tut weh, Schumacher in diesem Zustand zu sehen. Ein siebenmaliger Weltmeister dürfte sich nicht so blamieren."

Nicht mehr so gut wie mit 25"

"Vielleicht bin ich nicht mehr ganz so gut wie mit 25", sagte Schumacher kürzlich in einem "Bunte"-Interview und legte unter der Woche in der "Gazzetta dello Sport" noch einmal nach.

Wahrscheinlich sei er auch nicht mehr so stark wie 2002, erklärte er. Damals war er zumindest schon 33.

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Die Ergebnisse sind für Schumacher deshalb so frustrierend, weil sie nicht nur auf das Potenzial des Auto zurückzuführen sind.

Teamkollege Nico Rosberg, in Istanbul wieder Fünfter, zeigt nämlich, was mit dem Silberpfeil möglich ist.

Danner erkennt Verkrampfung

Für TV-Experte Christian Danner ist es vor allem der interne Vergleich, der an Schumacher nagt. 4:19 gegen Rosberg steht es im Qualifying.

"Dass der Kollege schneller ist, ist nicht leicht, aber er kann sich der Realität nicht verschließen," sagt Danner.

Der ehemalige Rennfahrer scheint eine gewisse Verkrampfung beim erfolgreichsten Fahrer der Geschichte erkannt zu haben: "Rosbergs Fahrstil sieht einfach runder aus, weicher, geschmeidiger. Bei Schumacher sieht es härter aus, brutaler, das ist offenbar der Unterschied."

Immerhin hat Danner wohlwollend erkannt, dass Schumacher "auch um Platz elf mit viel Herzblut kämpft."

Haug verteidigt Schumi

Doch bei diesem Kampf fehlt dem Routinier die traumwandlerische Sicherheit früherer Tage.

"Da ging der Vollblut-Racer in ihm durch", beschreibt Haug die Situation gegen Petrow: "Er wollte sich verteidigen, er hat gepusht, vielleicht hat er etwa zu viel gepusht. Das war vielleicht der Instinkt."

In jedem Fall wäre es besser gewesen, sich dem eigentlich schon vorbeigezogenen Russen in dieser Situation geschlagen zu geben: "Wenn du verletzbar bist, ist es besser, wenn du einen durchlässt."

"Ich bin selbst verantwortlich"

Schumacher erklärte, er sei "nicht sehr glücklich, wie mein Wochenende verlaufen ist, dafür bin ich jedoch selbst verantwortlich." Und dann sagte er den folgenschweren Satz: "Die große Freude ist nicht mehr da."

Haug hingegen verwies auf den erneut guten Start des Superstars, bei dem er Petrow von der schmutzigen Seite aus überholte.

Ohne den Crash sei ein gutes Ergebnis möglich gewesen, und "wir werden auch wieder Zeiten erleben, in denen ein Podiumsplatz für ihn drin ist."

Quali schürrt Hoffnungen

Der scheint im Moment für Mercedes aber allenfalls durch Rosberg möglich.

Durch 14 Führungs-Runden in China und Platz drei im Qualifying von Istanbul schnupperte der 25-Jährige schon einmal an diesen Regionen. Im Rennen hinkt der Silberpfeil aber noch den Spitzenteams hinterher.

"Vielleicht war ich nach dem Qualifying ein bisschen zu euphorisch", sagt Rosberg: "Im Rennen war dann wieder die Wahrheit zurück." (Quali-Bericht)

Dabei habe er als Zweiter hinter Weltmeister Sebastian Vettel in der ersten Kurve noch gedacht: "Boah, da geht was."

Haug wirbt noch um ein bisschen Geduld. "Es ist kein Gipfelsturm", sagt er: "Aber wir festigen das Basislager auf unserer Gipfelwanderung." Ob Schumacher dabei noch mitkommt, werden die nächsten Rennen zeigen.

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