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Timo Glock bestritt sein erstes Formel-1-Rennen vor sieben Jahren © getty

Timo Glock spricht im Interview über die Probleme bei Virgin und räumt ein Missverständnis aus der Welt. Die neuen Regeln lobt er.

Von Olaf Mehlhose

München - Der Auftakt zur Saison ist für Timo Glock und sein Rennstall Virgin Racing gründlich missraten.

Nach den ersten vier Rennen stehen er und sein belgischer Teamkollege Jerome D'Ambrosio immer noch ohne einen einzigen Punkt da. (DATENCENTER: WM-Stand)

Beim jüngsten Grand Prix in Istanbul sorgte der Hesse außerdem mit dem Zitat für Aufregung, man könne sich die Testfahrten sparen und stattdessen Kaffee trinken gehen. (Rennbericht)

Im SPORT1-Interview begründet er seine Aussage. Darüber hinaus spricht er über die Probleme bei seinem Team und erklärt die Dominanz von Sebastian Vettel.

SPORT1: Es läuft noch nicht rund in dieser Saison. Beim Grand Prix von Istanbul konnten Sie gar nicht starten. Sitzt der Stachel tief?

Timo Glock: Der Frust ist schon weg. Als ich in der Einführungsrunde gemerkt habe, dass der fünfte Gang gebrochen war, habe ich mir bereits gedacht, dass sich mein Start damit erledigt hat. Wir haben zwar noch versucht, das Getriebe zu wechseln, aber das hat dann zeitlich alles nicht mehr hingehauen. (399559DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

SPORT1: Bei den ersten vier Rennen sind Sie zwei Mal nicht ins Ziel gekommen. Wo genau liegen die Probleme?

Glock: Es liegt daran, dass wir im Moment vom Speed her nicht gut genug aufgestellt sind. Die technischen Probleme müssen wir abstellen.

SPORT1: Nachdem Sie in den ersten drei Qualifyings jeweils vor ihrem Teamkollegen Jerome D'Ambrosio lagen, mussten Sie ihm in Istanbul erstmals den Vortritt lassen. Woran lag es?

Glock: Ich habe bereits am Samstagmorgen - und dann auch im Qualifying - nach Kurve 8 das Problem gehabt, dass ich vorne rechts und hinten links gar keine Haftung mehr gehabt habe und dadurch im letzten Sektor jedes Mal sehr viel Zeit verloren habe - da konnte ich relativ wenig ausrichten.

SPORT1: Liegt das Hauptproblem im Qualifying?

Glock: Das Hauptproblem ist, dass wir am Auto nicht genug Abtrieb generieren. Das trifft im Qualifying und genauso im Rennen zu.

SPORT1: In Istanbul haben Sie gesagt, dass man sich, anstatt zu testen, einfach auf einen Kaffee hätte treffen können. War das als Kritik am Team gedacht?

Glock: Nein, das hatte mit dem Team gar nichts zu tun. Ich habe einem Journalisten gesagt, dass es schon schwierig zu verstehen ist, dass wir beim Testen zunächst so viele Probleme mit abbauenden Reifen hatten, aber das Thema im Rennen ganz anders aussieht. Da hätten wir uns die Testerei auch sparen können und uns alle auf einen Kaffee treffen können. Ich bin ganz allgemein auf die Reifensituation eingegangen, aber das war weder als Kritik am Team noch an Pirelli gedacht. Denn im Rennen war es mit den Reifen ja lange nicht so schlimm, wie es vorausgesagt worden war.

SPORT1: Haben Sie versucht, einen Reizpunkt zu setzen?

Glock: Nein, ich habe die Aussage auch gelesen. Aber es wurde nie erklärt, wie ich es gemeint habe. Deswegen hat mich gewundert, dass das so plump hingestellt wurde.

SPORT1: Auch in ihrem zweiten Jahr bei Virgin sind bisher kaum Fortschritte zu erkennen. Wie gehen Sie mit den enttäuschenden Ergebnissen um?

Glock: Als ich gewechselt bin, war mir klar, dass es ein schwieriges erstes Jahr wird. Wir alle haben uns erhofft, dass wir dann einen Schritt nach vorne machen - das haben wir aber leider nicht ganz so geschafft. Wir müssen uns schon fragen, warum wir uns nicht auf Augenhöhe mit Lotus befinden. Wir müssen das unbedingt verstehen.

SPORT1: Haben Sie in den letzten eineinhalb Jahren mal daran gedacht, das Handtuch zu werfen?

Glock: Nein, noch nie. Wir müssen da als Team wieder rauskommen.

SPORT1: Was ist in dieser Saison noch drin?

Glock: Es wird schwierig. Wir müssen mit aller Macht versuchen, weiter nach vorne zu kommen. Das ist das einzige Ziel, das wir im Moment haben können.

SPORT1: Mit DRS und KERS sowie den neuen Pirelli-Reifen hat sich in dieser Saison viel verändert. Die Fans sind gespalten. Für die einen ist es ein Spektakel, auf die anderen wirkt die Formel 1 künstlich. Wie bewerten Sie die neuen Regulierungen?

Glock: Ich glaube, es war bis jetzt ziemlich spannend und sehr abwechslungsreich, obwohl das Überholen in Istanbul fast schon ein bisschen zu einfach aussah. Ansonsten glaube ich aber, dass die Änderungen zur Show und Spannung beigetragen haben und die Rennen dadurch interessanter geworden sind.

SPORT1: Sie haben jetzt einige Knöpfe mehr im Cockpit. War die Umstellung groß?

Glock: Ich habe kein Problem damit. Das ist sehr schnell zur Routine geworden.

SPORT1: Welche der Neuerungen gefällt Ihnen am besten?

Glock: Der Heckflügel macht schon Spaß - gerade weil man ihn auch im Freien Training und samstags nutzen kann, halte ich das für sehr gelungen. Ich bin ein ganz großer Fan davon.

SPORT1: Eine Kritik an den Neuerungen ist, dass das Überholen auf der Strecke nun beliebig ist. Stimmt das?

Glock: Man muss ja erst mal bis auf eine Sekunde an den Vordermann herangefahren sein, bis man den Heckflügel benutzen darf. Wenn das geschafft ist, ist die Wahrscheinlichkeit zu überholen, schon sehr groß. In Istanbul war es ja fast garantiert, wenn man nahe dran war. Vielleicht hätte man das ein bisschen spannender gestalten können, indem man die Zone, in der man den Heckflügel lüften darf, etwas verringert hätte.

SPORT1: Sebastian Vettel ist bisher der Überflieger der Saison. Was kann er, was andere nicht können?

Glock: Er hat die Leichtigkeit eines Weltmeisters und die Leichtigkeit, drei der ersten vier Rennen gewonnen zu haben. Er fährt im Moment auf einem sehr hohen Niveau und hat alles, was er braucht, um zu dominieren und den Grundstein für den zweiten WM-Titel zu legen.

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