vergrößernverkleinern
Sebastian Vettel (v.) gewann den Grand Prix von Monaco vor Fernando Alonso (M.) © getty

Die Rote Flagge verhindert ein furioses Finale beim Grand Prix von Monaco. Pirelli-Boss Hembery regt Regeländerungen an.

Von Olaf Mehlhose

München - Es hätte ein furioses Finale werden können.

Jenson Button schließt in der 62. Runde zum Führungs-Duo Sebastian Vettel und Fernando Alonso auf, das Duell um den Sieg beim prestigeträchtigen Glamour-GP von Monaco (Bericht u. 411278Bilder) wird zu einem Dreikampf.

Die unterschiedlichen Rennstrategien sorgen für zusätzliche Spannung: Die Reifen von Vettel, der nur einmal - in Runde 16 - an der Box war, bauen mittlerweile stark ab - seine Verfolger sind deutlich schneller unterwegs.

Die Chancen des Weltmeisters stehen dennoch nicht schlecht: Aufgrund der wenigen Überholmöglichkeiten auf dem engen Stadtkurs in Monaco, gelingt es ihm, die Attacken des Spaniers bis zur 69. Runde abzuwehren. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Rapider Spannungsabfall

Alle warten nun auf den Angriff von Alonso oder Button - doch bis zum Äußersten wird der WM-Führende gar nicht mehr gefordert, der Spanungsbogen fällt abrupt ab.

Der Crash von Witali Petrow und Jaime Alguersuari und die anschließende Rennunterbrechung bringen Fahrer und Zuschauer um ein spannendes Finale.

Die drei Führenden lassen vor der Wiederaufnahme des Rennens neue Reifen aufziehen, Vettel fährt den Sieg ungefährdet nach Hause. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Das erhoffte Drama bleibt aus.

"Viel Spannung geraubt"

Glück für den 23-jährigen Überflieger - aber wäre der Sieg auf den abgewetzten Pneus nicht noch schöner gewesen?

In diese Kerbe schlägt zumindest Paul Hembery.

"Aus Sicherheitssicht kann ich es verstehen, aber ich sehe es eher aus der Perspektive der Fans", sagte der Motorsport-Chef von Pirelli zu "Autosport".

[kaltura id="0_u5v0h994" class="full_size" title="Eine Runde in Monaco"]

Das habe dem Rennen die Spannung geraubt, erläuterte der Boss des italienischen Reifenherstellers. Er habe viele Rufe von den Booten und aus dem Hafen gehört.

"Die Leute fragten: 'Warum dürfen sie die Reifen wechseln?' Es ging doch nur noch um sechs Runden. Jeder wollte wissen, ob es Sebastian geschafft hätte, auf der allerletzten Rille ins Ziel zu kommen?"

Hembery fordert Umdenken

Der Brite regte deshalb an, über eine Regeländerung nachzudenken.

"Wir verstehen diese Regel nicht und sollten mal gemeinsam mit den Teams besprechen, ob solche Reifenwechsel wirklich erlaubt sein sollten", forderte Hembery.

Und er erklärte auch warum: "Es blieb bei der normalen Renndistanz, es wurde nicht verlängert. Es ist einfach schade, dass uns so ein tolles Finale geklaut wurde."

Alonso enttäuscht

Auch Ferrari-Star Alonso sah sich um seine Siegchance gebracht.

"Er hatte Probleme mit den Reifen. Wir haben ab dem Boxenstopp meine Reifen geschont, also war gegen Rennende die Zeit zum Attackieren gekommen", erklärte der Vize-Weltmeister.

Es wäre zwar schwierig geworden: "Weil in Monaco nicht viel Platz ist - wenn du es versuchst, stehen die Chancen 50:50 zwischen einem Überholmanöver und einer Kollision."

Im Gegensatz zu Vettel habe er nichts mehr zu verlieren gehabt: "Aber zu den zehn Runden kam es leider nicht mehr."

Button überrascht

Auch der drittplatzierte Button haderte mit der Entscheidung der Rennleitung, das Rennen zu unterbrechen.

"Es war etwas frustrierend, denn da wurde mir bewusst, dass meine Chancen dahin waren", erklärte Button.

Der Weltmeister von 2009 war sich zunächst nicht mal sicher, ob ein Reifenwechsel überhaupt erlaubt ist.

"Das hat mich überrascht", wunderte sich der McLaren-Pilot: "Man plant doch immer, mit der Taktik so schnell wie möglich ans Rennende zu gelangen. Bei einer roten Flagge darfst du dann aber plötzlich neue Reifen aufziehen? Das ist seltsam."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel