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Lewis Hamilton hat in dieser Saison den China Grand Prix gewonnen © getty

Der Ex-Weltmeister gerät von allen Seiten in die Kritik. Eine Legende kennt die Gründe und fordert ein sofortiges Umdenken.

Von Tobias Wiltschek

München/Montreal - Fünf Unfälle in den letzten beiden Rennen: An Lewis Hamilton haftet der Ruf des Rambos derzeit so fest wie sein Rennanzug.

Nach den drei Crashes von Monaco ließ der McLaren-Pilot beim Grand Prix von Kanada die nächsten beiden Kollisionen folgen.

Erst verschätzte er sich im Duell mit Mark Webber, dann attackierte er seinen Teamkollegen Jenson Button und musste nach nur acht Runden sein ramponiertes Dienstfahrzeug abstellen (417508DIASHOW: Die Rennbilder).

Scharfe Kritik von Lauda

Vor allem die zweite Aktion führte rund um den Circuit Gilles Villeneuve zu heftigen Reaktionen. "Irgendwo hört der Spaß auf", erregte sich Ex-Weltmeister Niki Lauda und ergänzte mit markigen Worten: "Da kann es Tote geben."(Bericht: Lauda knöpft sich Hamilton vor)

Den Stempel des "Wahnsinnigen", wie ihn die österreichische Motorsport-Legende nannte, wird Hamilton nicht los.

Kritik von Sir Moss

Auch Sir Stirling Moss fordert seinen britischen Landsmann zum Umdenken auf: "Er benimmt sich ganz schlecht, er sollte sich endlich darauf besinnen, dass er eigentlich ein wohlerzogener Junge und ein großartiger Fahrer ist", sagte der 81 Jahre alte viermalige Formel-1-Vizeweltmeister.

Hamilton solle endlich umdenken und seinen guten Ruf nicht noch mehr ramponieren. "Was Lewis im Moment auf der Rennstrecke veranstaltet, darf sich jemand mit seinem Talent und seinen Erfolgen nicht erlauben", sagte Moss:

"Immerhin war er schon mal Weltmeister und hat deshalb auch eine Art Vorbildfunktion."

"Sollte auf seinen Vater hören"

Die Tatsache, dass Hamilton seit einigen Monaten nicht mehr von seinem Vater Anthony gemanagt wird, ist für Stirling Moss der Grund allen Übels: "Lewis sollte wieder auf seinen Vater hören. Wenn Tony noch das Sagen hätte, würden solche Sachen nicht passieren."

Vor knapp drei Monaten hat Hamilton in Simon Fuller einen neuen Manager engagiert. Fuller ist der Erfinder des Formats "Deutschland sucht den Superstar" und der Spice Girls. Auch die Beckhams bringt er regelmäßig in die Schlagzeilen.

Entlastung für Hamilton

Doch nicht alle wollen Hamilton in die "Rambo-Ecke" drängen.

Die Rennkommissare stuften den Zusammenprall zwischen Hamilton und Button als normalen Rennunfall ein, weil keinem der beiden Akteure unfaires Verhalten vorgeworfen werden konnte.

Button, der seinen Teamkollegen im Rückspiegel wohl nicht sehen konnte, entschuldigte sich bei Hamilton sogar dafür, ihn gefährlich nahe an die Boxenmauer gedrängt zu haben.

"Es tut mir sehr leid, dass ich mit Lewis kollidiert bin", sagte der 31-Jährige auf der Pressekonferenz und relativierte damit seinen Funkspruch, den er direkt nach dem Crash an sein Team sandte.

[kaltura id="0_ag4vs6sj" class="full_size" title="Eine Runde mit Vettel in Kanada"]

Button hat kein Verständnis

"Was tut der da?", fragte er da noch völlig irritiert, ehe er sich neue Reifen abholen musste. Für die harsche Kritik von Lauda an seinen Teamkollegen hatte er kein Verständnis.

"Ich kann nicht nachvollziehen, was Niki da gesagt", erklärte Button. Sein Teamkollege suche nun mal immer nach Lücken.

Daher befinde er sich auch häufiger in solchen Situationen wie andere Fahrer.

Rihanna als Trost

Für Hamilton war das Rennen jedenfalls vorbei, ehe es richtig anfing (Bericht).

Er musste sich damit trösten, Pop-Sängerin Rihanna durch seine Box zu führen.(417508STIMMEN: "Das fuchst einen")

Ein Eingeständnis war von Hamilton ebenso wenig zu hören wie eine Schuldzuweisung an den Stallkollegen. Auch Teamchef Martin Whitmarsh meinte, dass es sich um ein Renn-Zwischenfall handelte.

Wechselgerüchte um Hamilton

Wie das Treffen zwischen Hamilton und Red-Bull-Teamchef Christian Horner am Samstag vor dem Rennen zu interpretieren ist, dürfte sich wohl auch Whitmarsh gefragt haben.

Schnell bekamen Gerüchte um einen Wechsel des Briten zum Team von Sebastian Vettel neue Nahrung.

Hamiltons Vertrag bei McLaren endet 2012.

Wechsel zu Red Bull?

Nachdem Ferrari unlängst den Vertrag mit Hamiltons früheren McLaren-Intimfeind Fernando Alonso verlängerte, gilt ein Wechsel zur "Scuderia" als ausgeschlossen. Bliebe also noch Red Bull.

Ob der 26-Jährige tatsächlich mit den "Bullen" anbandeln will oder mit dem Treffen nur seinen Marktwert steigern möchte, bleibt erst einmal unklar.

Fest steht, dass Hamilton auch in Zukunft weiter Schlagzeilen produzieren wird.

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