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Lewis Hamilton gewann 2008 im McLaren die Fahrer-Weltmeisterschaft © getty

Der Ex-Weltmeister will in Valencia das Image des wilden Fahrers ablegen und triumphieren. Ganz einsichtig scheint er aber nicht.

Von Barnabas Szöcs

München - Lewis Hamilton musste in den vergangenen Wochen zahlreiche negative Einschätzungen über sich ergehen lassen.

Dabei reichte die Skala der Kritik von "unprofessionell", wie sich Rennlegende Jackie Stewart ausdrückte, über Emerson Fittipaldis "zu aggressiv" bis hin zu Niki Laudas Kommentar, Hamiltons Fahrstil in Kanada wäre "total verrückt" gewesen (Bericht: Lauda knöpft sich Hamilton vor).

Hamiltons forsche Gangart in Monaco und Kanada (417508DIASHOW: Die Rennbilder), gespickt mit spektakulären Kollisionen, aber nur mageren acht Punkten Ausbeute, wirbelt vor dem Europa-Grand-Prix in Valencia immer noch mächtig Staub auf.

Besonders nach dem Unfall mit Teamkollegen und Kanada-Sieger Jenson Button ist der Druck auf den McLaren-Pilot enorm. Auch, weil Button zuletzt hervorragende Resultate einfuhr, während Hamilton für negative Schlagzeilen sorgte.

Hamilton hofft auf U-Turn

Ein weiterer Fehltritt ist somit absolut tabu: "Valencia wird für mich nach den enttäuschenden Resultaten von Monaco und Kanada ein Wochenende der Festigung sein", prophezeit Hamilton: "Diese Rennen waren besonders frustrierend, weil wir die Leistung hatten, um beide zu gewinnen."

Die Devise für Hamilton ist klar: Wogen glätten statt Rambo spielen. Auf und abseits der Strecke.

Das Image leidet

Doch mit seinem zweifelhaften Scherz über Benachteiligungen wegen seiner Hautfarbe sowie einem Treffen mit Red-Bull-Teamchef Christian Horner - unmittelbar nach seinem frühen Aus in Montreal - wird es Hamilton schwer haben, Sympathiepunkte zu sammeln.

Dem eigenen Team dürfte das kurze Intermezzo bei den "Bullen" keineswegs gefallen haben.

[kaltura id="0_o4u5rnf4" class="full_size" title="Eine Runde mit Vettel in Valencia"]

Zieht es Hamilton zu Red Bull?

Besonders, weil Motorsportberater Helmut Marko keinen Hehl daraus macht, dass Red Bull verstärkt auf junge Fahrer setzt. Die Zukunft von Vettel-Teamkollege Mark Webber scheint somit angesichts seiner 33 Jahre und dem nicht idealen Verhältnis zum Deutschen ungewiss: "Letztlich ist das die Grundidee des Red-Bull-Förderungsprogramms", erklärt Marko: "Wie das Beispiel Sebastian Vettel zeigt, wollen wir auch in Zukunft junge, talentierte Piloten bis ganz an die Spitze führen."

Ganz oben war Hamilton bereits 2008, doch in Sachen Vermarktung ist der Brite ? nicht nur wegen seiner Liaison mit Pussycat-Dolls-Sängerin Nicole Scherzinger ? als Werbeträger ein absoluter Hochkaräter.

Hamilton bleibt angriffslustig

Fakt ist jedoch: Hamilton braucht Erfolge, egal, wo er nächste Saison fahren wird ? oder will. Doch ihm läuft die Zeit davon.

Weltmeister Sebastian Vettel hat bereits nach sieben Rennen fast doppelt so viele Punkte gesammelt wie der Brite, Button weist einen Vorsprung von 16Zählern auf Hamilton auf (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer). Kein idealer Bewerbungsbogen, doch das soll sich nun ändern.

"Ich hatte in Valencia immer gute Resultate und freue mich deshalb", sagt Hamilton, der seinen Kampfgeist trotz aller Vorkommnisse nicht verbirgt: "Es ist eine herausfordernde Strecke, doch das wird mich nicht davon abhalten, wieder anzugreifen und in die Punkte zu fahren."

Alles nur Pech?

So ganz einsichtig scheint Hamilton nach seinen überhasteten Aktionen jedoch nicht: "Ich hoffe, in Valencia bekomme ich die Chance, das Pech, welches mir in den letzten beiden Rennen widerfahren ist, endlich abzuwenden."

In Spanien werden die WM-Konkurrenten Red Bull und Ferrari ganz besonders ein Auge auf die McLaren werfen, deren Performance in den letzten Wochen deutlich Fahrt aufgenommen hat, wie Lewis Hamilton weiß: "Wir hatten in den letzten drei Rennen wohl das schnellste Auto. Das ist sehr ermutigend, weil ich weiß, dass ich ganz vorne landen kann."

Was bringt Valencia?

Sollte es mit seinem zweiten Saisonsieg in Valencia tatsächlich klappen, und das ohne erneuten Aufreger, wird Hamilton seine Kritiker zumindest ein bisschen verstummen lassen.

Falls der Ex-Weltmeister jedoch erneut zu ungestüm agiert, dürften die Einschätzungen wesentlich härter ausfallen als bisher.

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