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Michael Schumacher (r., mit Motorsportchef Norbert Haug) kam 2010 zu Mercedes © imago

Auch 2012 habe Mercedes wohl keine Titelchance, prophezeit Motorsportchef Norbert Haug. Vertragsspekulationen sorgen für Wirbel.

Valencia - Dass er beim Europa-Grand-Prix als 17. das schlechteste Zielergebnis seiner großen Karriere hinnehmen musste, wird Michael Schumacher aufgrund der Umstände verkraften können.

Schwerer als die Gegenwart werden am Rekordweltmeister die Zukunftsaussichten nagen. Denn die sind alles andere als rosig: Seine zweite Karriere wird der größte Formel-1-Fahrer aller Zeiten mit ziemlicher Sicherheit ohne den achten WM-Titel beenden.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug sprach nach dem erneut ernüchternden Wochenende in Valencia jedenfalls Klartext.

Auto auch 2012 nicht titelfähig

In diesem Jahr, so muss man Haug interpretieren, wird der Silberpfeil nicht siegfähig sein.

Und im nächsten, dem dann vermutlich letzten von Michael Schumacher in der Formel 1, ziemlich sicher auch nicht titelfähig.

"Fakt ist, dass es in dem Geschäft drei Top-Teams gibt, wir haben uns als Viertes festgesetzt", sagte Haug zur gegenwärtigen Situation und ergänzte mit Blick auf 2012:

"Ich glaube nicht, dass man so ohne Weiteres von vier auf eins springen kann. Von sechs auf vier ist auch schwierig, aber von vier auf drei, auf zwei und eins, das sind die schwierigsten Schritte."

[kaltura id="0_o4u5rnf4" class="full_size" title="Eine Runde in Valencia"]

Budget nicht als Ausrede

Daran sind, da ist man sich bei Mercedes sicher, nicht die Fahrer Nico Rosberg und Schumacher schuld.

Und Haug lässt auch das kleinere Budget im Vergleich zum Weltmeister-Team Red Bull um Sebastian Vettel nicht als Ausrede gelten. Wir dürfen uns nicht hinter dem Budget verstecken, denn ich glaube nicht, dass das der limitierende Faktor ist", erklärte er: "Wir haben sicher nicht das höchste Budget, aber ein sehr ordentliches. Damit müssten wir weiter sein."

"Wo keine Sonne strahlt"

Doch die Silberpfeile leiden immer noch unter dem fatalen Rückstand, den sie zum Saisonbeginn offenbart hatten.(DATENCENTER: Renn-Ergebnis)

Schumacher zeigte sich schon vor dem Valencia-Rennen, das er durch eine Karambolage mit Witali Petrow frühzeitig zerstörte (Frust bei Schumacher: "Meine Dummheit"), ernüchtert.

"Wir haben im Grunde dasselbe Auto, das wir schon seit längerem haben. Deshalb sehe ich keinen Grund, warum der Rückstand weniger werden sollte", hatte er gesagt - und das nach dem bisherigen Saisonhöhepunkt als Vierter und zwischenzeitlicher Zweiter in Kanada.

"Seine aktuelle Welt liegt zwischen Maldonado und Kobayashi - wo keine Sonne strahlt", lästerte der "Corriere dello Sport" (Pressestimmen: "WM ist entschieden")

"Haben nicht die Kapazitäten"

Das Schlimmste: Aus diesem Schatten wird der laut jüngster Wahl größte deutsche Sportler aller Zeiten wohl auch 2012 nicht heraustreten können.

Eigentlich wollte man bei Mercedes schon kräftig am Auto für die nächste Saison basteln, "aber wenn wir Nacharbeiten machen müssen an Dingen, die eigentlich erledigt sein müssten, haben wir nicht die Kapazitäten, andere Dinge voranzubringen"", erklärte Haug.

Spekulationen um Schumi-Vertrag

Insgesamt brauche so ein Neuaufbau wie nach der Team-Übernahme 2010 Zeit, hat der Mercedes-Sportchef immer wieder betont.

Doch die läuft einem 42-Jährigen wie Schumacher davon. Spekulationen über das Ende seiner Karriere schießen mit schöner Regelmäßigkeit ins Kraut.

Mal wird ein baldiger Rücktritt vermutet, mal eine Vertragsverlängerung, um die Ziele später erreichen zu können.

Option für Schumacher

Aussagen von Mercedes-Teamchef Ross Brawn wurden am Wochenende so interpretiert, als sei Schumachers Dreijahresvertrag seit Beginn der letzten Saison eigentlich ein Zweijahreskontrakt mit Option. (NEWS: Wirbel um Schumi-Vertrag)

Wenn überhaupt ist es wohl ein Dreijahresvertrag mit einseitiger Ausstiegsklausel des Fahrers.

Die der aber trotz des Frusts wohl nicht ziehen wird.

"Würden am liebsten bei Null starten"

"Michael sagt selbst, er hat einen Dreijahres-Vertrag. Da denken wir nach nicht einmal der Hälfte nicht nach, was danach passiert", sagte Haug. Aber er wird dem siebenmaligen Weltmeister wohl auch im nächsten Jahr kein titelfähiges Auto anbieten können.

Dass die Änderungen zur neuen Saison "eher eine Evolution sind als eine Revolution wie in den vergangenen beiden Jahren", ist für Mercedes eher ein Nachteil.

So muss der Rückstand wirklich aufgeholt werden, dabei würde man am liebsten bei Null starten können.

Zeit läuft davon

"Wir haben eine gute Strategie und gute Boxenstopps. Wie wir das Auto einsetzen, das ist Top-Niveau", beteuerte Haug:

"Aber das Rüstzeug des Fahrzeugs muss besser werden."

Ob dies - unabhängig von der Vertragslänge - rechtzeitig klappt, um Schumacher den achten Titel zu ermöglichen, ist mehr als fraglich.

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