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McLaren-Star Lewis Hamilton belegte beim Großen Preis von Valencia den vierten Platz © getty

Nach dem Valencia-GP geht der Brite verbal in die Offensive. Seinem Team wirft er Feigheit vor, den Titel schreibt er ab.

Von Marc Ellerich

München - In Valencia fiel Lewis Hamilton zunächst nicht weiter auf.

Der McLaren-Star bestritt einen für seine Verhältnisse erstaunlich zahmen Grand Prix (Bericht) und kam nach 57 Runden auf dem Hafenkurs als abgeschlagener Vierter ins Ziel (DATENCENTER: Renn-Ergebnis).

Anschließend aber zeigte sich der Weltmeister von 2008 so, wie man ihn zuletzt auf den Strecken in Monte Carlo und Montreal erlebt hatte: angriffslustig, ja gereizt bis aufs Blut.

Doch es scheint, als habe sich der Engländer mit seinen jüngsten Attacken ein weiteres seiner zuletzt auffallend vielen Eigentore geschossen. Denn Hamilton ließ in der Nachbetrachtung des achten Saisonrennens sein Team nicht gut aussehen.

Hamilton wollte Risiko

McLaren habe einige gute Updates für den Europa-Grand-Prix zur Verfügung gehabt, behauptete der WM-Vierte. "Aber sie wollten nichts riskieren. Aus Sicherheitsgründen."

Er selbst hätte sich anders entschieden, betonte Hamilton. "Es wäre die Frage gewesen, ob wir ins Ziel gekommen wären oder nicht. Aber darum geht es ja schließlich, wenn man etwas risikiert."

So kam er erst hinter dem Top-Trio Vettel, Alonso, Webber an - was ihm offenbar die Laune verdarb.

"Wir hätten (mit den Updates, d. Red.) durchaus einige Zehntel mehr drin gehabt", behauptete der bissige Engländer gegenüber dem "Daily Telegraph": "Das wäre stark gewesen. Und es hätte geholfen, besser mit den Reifen umzugehen."

Ärger um die Reifen

Schon während des Grand Prix hatte sich Hamilton über Funk mit dem Team über die Behandlung der Reifen in den Haaren gehabt.

Einmal forderte ihn sein Renningenieur explizit auf, langsamer zu fahren. Antwort: "Ich kann nicht noch langsamer fahren." (STIMMEN: "Ich bin rückwärts gefahren")

McLaren habe Probleme mit der Kühlung der Hinterreifen, berichtete der Brite später und legte mit dem nächsten Vorwurf nach: "Wir hätten für dieses eine Rennen mehr davon haben können. Aber sie wollten das nicht machen. Ich habe deswegen wirklich so viel Druck gemacht wie möglich."

[kaltura id="0_o4u5rnf4" class="full_size" title="Eine Runde in Valencia"]

Gratulation an Vettel

Freunde, so viel dürfte feststehen, hat sich der ehrgeizige Engländer mit dem Vorwurf der Feigheit ans eigene Team gewiss nicht gemacht.

Dass ihm Teamkollege Jenson Button zur Seite sprang und ebenfalls neue Teile forderte, dürfte kaum ins Gewicht fallen.

Denn Hamilton leistete sich in Valencia noch einen weiteren schweren Lapsus. Er gratulierte dem überlegenen Sieger Sebastian Vettel kaum verhohlen zur vorzeitigen Titelverteidigung.

"Er hat den Titel eigentlich schon sicher", wurde der 25-Jährige im "Daily Telegraph" zitiert: "Er ist weg, es sei denn, er kommt in den nächsten zehn Rennen nicht ins Ziel - was sehr, sehr unwahrscheinlich ist." (Pressestimmen: "WM ist entschieden")

Vettel habe fast 100 Punkte Vorsprung (89, d. Red.) auf ihn selbst, rechnete Hamilton vor: "Das sind vier Siege, die ich benötige, um aufzuholen. Und er darf keines dieser Rennen beenden. Das ist unmöglich."

"Das ist lächerlich"

Er werde sich darauf konzentrieren, so viele Punkte wie möglich für die Konstrukteurswertung zu erobern, aber selbst dort macht sich der Engländer offenbar keine großen Illusionen.

"Im Moment können wir die Red Bull nicht schlagen. Der Abstand lag heute bei über einer Sekunde pro Runde. Das ist lächerlich."

Tags darauf ruderte er via "Twitter" zurück. "An unsere Fans, bitte ignoriert, was ihr heute in den Zeitungen gelesen habt", stand da zu lesen: "Mein Team wird niemals aufgeben, und ich werde niemals aufgeben."

Er werde nun in die McLaren-Fabrik gehen und "gemeinsam mit dem Team tun, was möglich ist".

Der Empfang dort könnte frostig ausfallen.

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