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Ferraris letzter Sieg war im Oktober 2010 beim Singapur-GP 2010 © imago

Die Neueungen könnten Ferrari in die Karten spielen. Nicht alles spricht dafür. Ein Experte sieht Red Bull sogar noch stärker.

Von Dustin Werk

München - Nach dem Zwischengas-Verbot stellt sich die Frage, wer eigentlich der große Profiteur sein wird. Wer verliert die wenigste Zeit auf der Strecke?

Red Bulls Technik-Chef Adrian Newey hat da schon einen Kandidaten: Ferrari.

"Unterm Strich betrifft es alle. Man sagt, dass Ferrari möglicherweise mehr davon profitiert, weil man dort ein anderes System verwendet", mutmaßt der Brite.

Ob dem schon in Silverstone so sein wird, bleibt jedoch fraglich, wie auch Fernando Alonso eingesteht:

"Wir machen Fortschritte, wie wir bei den letzten drei Rennen sehen konnten, aber jetzt müssen wir die Fortschritte von Monaco, Montreal und Valencia auf einer Strecke mit einer komplett anderen Charakteristik bestätigen, die unseren Rivalen definitiv besser liegen sollte", so der Spanier bei "Motorsport-aktuell.de"

Anderer Streckentyp

Die drei erwähnten Strecken boten kaum schnelle Kurven, bei denen die Aerodynamik eine entscheidende Rolle spielt. Eine Tatsache, die Ferrari entgegen kam.

Mit dem Zwischengas-Verbot verlieren die Autos Abtrieb auf der Hinterachse, was sich besonders beim harten Anbremsen auswirkt, da nun keine Abgase mehr auf den Diffusor strömen (Bericht).

Da die Streckenführung in Silverstone allerdings nur vier harte Bremszonen beinhaltet, ist es von keiner allzu großen Bedeutung, wenn beim Gaswegnehmen der Auspuffstrahl aussetzt und somit im Diffusor Abtriebssschwankungen entstehen.

"Wir hinken hinterher"

Ferraris möglicher Vorteil gegenüber Red Bull, Mercedes und McLaren wird sich so schnell wieder relativieren.

Denn: "In Silverstone benötigt man viel aerodynamischen Abtrieb und auf diesem Gebiet hinken wir etwas hinterher. Wir werden ein paar neue Teile dabei haben, aber es wäre zuviel gesagt, dass wir dadurch den Rückstand aufgeholt haben, aber wer weiß?", sagt Alonso.

Der verlorene Abtrieb ohne Abgasströmung, muss nun durch die Aerodynamik und ein entsprechendes Setup aufgefangen werden.

Vorteil Newey

Und genau da sieht, der ehemalige Formel-1-Pilot Karl Wendlinger einen Vorteil bei Red Bull:

"Ich glaube, dass die Überlegenheit von Red Bull in Silverstone größer sein. Das System wird für alle verboten, Newey ist aber als Aerodynamik-Genie bekannt und der aerodynamische Abtrieb ist in Silverstone sehr wichtig", weiß der Österreicher bei "ServusTV".

Ferrari in Schlüsselphase

Letzte Saison stellte Silverstone den Wendepunkt in der WM für Ferrari dar. Das weiß auch Alonso: "Wir befinden uns in einer Schlüsselphase der Saison."

Angesichts der 99 Punkte Rückstand des Spaniers auf den WM-Führenden Sebastian Vettel, müssen die von Alonso angesprochenen Updates an seinem Ferrari dringend einen gewaltigen Schritt nach vorne bedeuten. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Horner überrascht

Aber selbst das könnte nicht genug sein.

Denn wie Red-Bull-Teamchef Christian Horner nun verkündet hat, hat sein Team nicht wie bisher angenommen den am weitesten entwickelten "Hot-Blowing"-Diffusor verwendet.

Die anderen Topteams hingegen schon.

"In unserem Fall passiert das Anblasen mit kalter Luft. Andere Teams blasen mit heißer Luft an, das bringt noch mehr Leistung", erklärt er bei "ServusTV".

Nachteil geringer als erhofft?

Sollte dem tatsächlich so sein, wäre das für die Roten aus Maranello alles andere als eine gute Nachricht.

Der erhoffte Nachteil des Vettel-Rennstalls wäre also geringer als erhofft.

Schlechte Reifenwahl

Nachdem zuerst die Reifenmischungen aus Medium/Hard bestehen sollten, ruderte Lieferant Pirelli zurück und wird nun Soft/Hard für den England-GP anliefern. Zumindest die Soft-Reifen kommen den Ferraris entgegen.

In der bisherigen Saison kamen die roten Boliden mit den härteren Mischungen nicht zurecht.

Pirelli-Boss Paul Hembery wehrte sich allerdings gegen die Vermutung, die Roten mit der Reifenwahl begünstigt zu haben:

"Wir haben zwölf Teams, mit denen wir arbeiten. Wir müssen deren Interessen so gut wie möglich berücksichtigen, nicht nur ein oder zwei Teams."

Fans profitieren

Inwieweit sich das Zwischengas-Verbot auf die Hackordnung der Formel 1 auswirken wird, wird wohl erst der Grand Prix auf dem Nürburgring zeigen.

Eines ist jedoch klar. Kein Team profitiert wirklich von dem Verbot.

Da die Autos aber gerade am Kurveneingang an Abtrieb verlieren, darf wieder mit mehr Drehern und Ausrutschern gerechnet werden. In dem Fall, wären die Fans die Gewinner.

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