vergrößernverkleinern
Ross Brawn führte Michael Schumacher zu allen sieben WM-Titeln © getty

Michael Schumachers Chef Ross Brawn macht sich Gedanken über den Fortgang der Liaison - und liebäugelt mit Sebastian Vettel.

Von Julian Meißner

München - Es ist ein fester Bestandteil der Arbeit Ross Brawns.

Nachfragen zu den Auftritten Michael Schumachers und dessen Zukunft in der Formel 1 gehören für den Teamchef von Mercedes GP zum Rennwochenende wie der Blick auf die Kontrollmonitore.

Seit dem Comeback des Rekordweltmeisters sind dem Briten Sätze wie dieser in unzählbarer Menge über die Lippen gekommen: "Es liegt nicht an Michael, wir haben bisher noch kein Auto entwickelt, das gut genug ist."

Die meist mittelprächtigen Ergebnisse - zuletzt Rang neun in Silverstone - münden in steter Regelmäßigkeit auch in der Frage, wie lange Schumacher sich das noch antut.

Zumal sich Fahrfehler des einstigen Über-Piloten wie bei der Kollision in England mit Kamui Kobayashi häufen (BERICHT: "Zu 100 Prozent meine Schuld").

Gespräche "später in der Saison"

Sicher scheint sich sein Boss jedenfalls nicht zu sein, dass der 42-Jährige seinen bis Ende 2012 laufenden Vertrag erfüllt.

"Er hat einen Dreijahresvertrag mit Mercedes, und wir sind sehr zufrieden mit ihm", erklärte Brawn nun in der "FAZ": "Doch wenn er fühlt, dass er nicht mehr die entsprechende Leistung bringen kann, dann müssen wir darüber reden. Man kann niemanden zu etwas zwingen. Aber wir vertrauen ihm, er ist ein wichtiger Teil unseres Teams."

Und auf die Frage, ob er noch ein weiteres Jahr mit Schumacher zusammenarbeiten wolle, antwortete Brawn: "Ja, natürlich. Wir werden uns später in der Saison zusammensetzen."

Mit anderen Worten: Fix ist das Lineup für 2012 noch nicht.

Spitzenteams in weiter Ferne

Schumacher beteuert zwar immer wieder, seinem Comeback liege ein Dreijahresplan zugrunde (BERICHT), doch dem Vernehmen nach gibt es eine Ausstiegsklausel in seinem Kontrakt.

Und dass die Silberpfeile nächstes Jahr ganz vorne mitmischen können, daran glauben angesichts der zweiten durchwachsenen Saison des Brawn-GP-Nachfolgers die wenigsten.

Nach neun von 19 Rennen sind Red Bull, McLaren und Ferrari in der Teamwertung enteilt, Renault sitzt dem Vierten Mercedes im Nacken.

Auch nach Brawns Ansicht fährt das Team den eigenen Ansprüchen weiter hinterher: "Es wäre traurig, wenn bei Mercedes irgendjemand arbeiten würde, der derzeit mit unserem Leistungsstand zufrieden ist."

Rosberg wie der junge Schumi

Dass Schumacher nicht glänzen könne wie in alten Zeiten, sei allerdings nicht nur eine Frage des unterlegenen Boliden, sondern auch ein Verdienst seines Stallgefährten.

Nico Rosberg sei "definitiv" der stärkste Teamkollege, mit dem Schumacher es je zu tun gehabt habe, meinte Brawn.

"Manchmal sehe ich den jungen Michael Schumacher vor mir", so das "Superhirn" der Königsklasse über den 26-Jährigen: "Nico geht seinen Job mit einer unglaublichen Intensität an, er hat keine emotionalen Schwächen und ist unglaublich talentiert."

Zahlen sprechen klare Sprache

Talentierter als Schumacher, wenn man die nackten Zahlen nimmt: Acht von neun Qualifikationsduellen hat Rosberg in diesem Jahr gewonnen, in der Fahrerwertung geht es etwas enger zu: 34:28 für Rosberg.

"Vielleicht wäre die Situation für Michael ein wenig einfacher, wenn er mit Nico nicht so einen unglaublich starken Teamkollegen hätte", meinte Brawn: "Aber beide können sehr viele Dinge voneinander lernen, und jeder stellt sich dieser Herausforderung."

Sonderlob für den Champion

Das Maß der Dinge ist für Brawn aber Weltmeister Sebastian Vettel, von dem er nach eigener Aussage "sehr beeindruckt" ist.

"Als er ins Rampenlicht schoss, hat er noch den einen oder anderen Fehler gemacht. Was ganz natürlich ist, weil er so ein junger Kerl war", sagte Brawn: "Aber er hat dazugelernt und fährt nun konstant auf einem unglaublich hohen Niveau."

"Gedanken machen" über Vettel

Auch wenn Red-Bull-Star Vettel von Abwanderungsgedanken weit entfernt ist, lecken sich natürlich alle Top-Teams die Finger nach dem jüngsten Champion aller Zeiten.

So auch Mercedes, wie Brawn offen zugibt. "Natürlich wollen wir die besten Fahrer haben", sagte der britische Chef des deutschen Teams: "Wenn es irgendwann in der Zukunft die Möglichkeit gibt, Sebastian zu verpflichten, dann müssen wir uns darüber Gedanken machen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel