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Nico Rosberg bestritt sein Formel-1-Debüt im März 2006 in Bahrain © getty

Nico Rosberg fährt ohne Grand-Prix-Sieg zu seinem 100. Rennen. Dennoch sehen ihn viele Experten immer noch als kommenden Weltmeister.

Budapest - Für Rekordweltmeister Michael Schumacher ist er der "stärkste Teamkollege, den ich je hatte", für Sebastian Vettels Entdecker Gerhard Berger "auf einem Niveau" mit dem Weltmeister und für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone "vielleicht sogar der beste Fahrer von allen".

Wenn Kollegen und Experten über Nico Rosberg reden, greifen sie nach Superlativen - überraschender Weise:

Denn wie soll jemand, der vor seinem 100. Grand Prix noch sieglos ist, ein potenzieller Weltmeister sein?

Sieg in Ungarn wäre ein Wunder

Die Antwort liegt im Detail. In der Tat war es Rosberg im Gegensatz zu zehn Kollegen im Feld noch nicht vergönnt, auch nur ein einziges Rennen zu gewinnen.

Und passiert kein Wunder, wird sich das auch bei seinem Jubiläums-Lauf in Budapest (Training, Fr. ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) nicht ändern.

Vater Keke war nach gerade 51 Starts schon Weltmeister.

Mercedes noch nicht titelfähig

Den Titel kann der Junior auch erreichen, glauben viele. "Wenn wir Nico ein gutes Auto geben, kann er Rennen und Titel gewinnen", sagt Mercedes-Teamchef Ross Brawn (BERICHT: Graue Maus statt Silberpfeil).

Doch da der Mercedes im Moment nicht sieg- und schon gar nicht titelfähig ist, fährt Rosberg junior seine eigene kleine WM - ein Privatduell gegen den Teamkollegen, niemand geringeren als den siebenmaligen Champion Schumacher.

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Rosberg dominiert Schumi

Und das dominiert der fast 16 Jahre jüngere Silberpfeil-Pilot ziemlich deutlich (435423DIASHOW: Mercedes-Rückkehr nach Ungarn).

188:104 Punkte holte Rosberg seit dem Beginn des Duells Anfang 2010, in der unter Motorsportlern wichtigen Kategorie des Qualifying-Vergleichs liegt er mit 24:5 vorne. In diesem Jahr gar mit 9:1 - deutlicher ist der interne Vergleich nur im Ferrari-Duell zwischen Fernando Alonso und Felipe Massa (10:0).

Deshalb sagt Schumacher: "Ich fahre gegen den wohl stärksten Teamkollegen, den ich in meiner ganzen aktiven Zeit hatte. Seine Leistung ist sehr hoch einzuschätzen. Nico ist extrem stark."

"Vielleicht der beste Fahrer"

Deshalb fragt sich Ecclestone: "Wenn Michael immer noch annähernd so gut ist wie früher - wie gut ist dann eigentlich Nico Rosberg? Vielleicht ist er sogar der beste Fahrer von allen." Und deshalb kommt Berger zu dem Schluss: "Ich sehe Nico auf einem Niveau mit Vettel. Alles, was ihm fehlt, ist ein schnelles Auto."

Das sagt ausgerechnet Berger, der Rosberg im Duell gegen Schumacher vor dem Start Chancenlosigkeit prophezeite. Routinier Rubens Barrichello riet dem Deutschen nach der Verpflichtung des Rekord-Weltmeisters gar: "Steig sofort aus!"

Doch Rosberg biss sich durch und wird deshalb auch mit jedem Top-Team in Verbindung gebracht, bei dem eventuell ein Platz frei werden könnte (INTERVIEW: Rosberg spricht bei SPORT1).

Rosberg als zusätzlicher Antrieb

Bei Mercedes will man den 26-Jährigen natürlich unbedingt halten. Allein dies ist ein zusätzlicher Antrieb, den in dieser Saison schon so oft überrundeten Silberpfeil deutlich voranzubringen.

"Nico ist ein fester Bestandteil in unserem noch jungen Team. Wir planen langfristig mit ihm und wollen gemeinsam gewinnen", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Nico ist talentiert, schnell, und - wie seine 100 Formel-1-Rennen zeigen - mit 26 Jahren schon überaus erfahren."

Brawn lobt auch die hochprofessionelle Einstellung des Hobby-Triathleten: "Er ist ein großes Talent mit einer großartigen Einstellung."

"Engelsgesicht mit Teufelsgasfuß"

Und der "Prachtbursche", wie ihn Deutschlands Rallye-Ikone Walter Röhrl einmal kernig-bayerisch nannte, wäre auch ein Weltmeister wie gemalt für Ecclestone. Ein Frauenschwarm, dem die englische Times "Filmstar-Look" bescheinigte und den die "Auto Bild" als "Engelsgesicht mit dem Teufelsgasfuß" bezeichnete.

Ein weltmännischer junger Mann mit guten Manieren. Aufgewachsen als Sohn eines Finnen und einer Deutschen auf Ibiza und Monaco, gibt er außer auf Deutsch auch auf Englisch, Französisch und Italienisch stotterfreie Interviews. Ein Musterschüler, der bereits mit 16 Jahren sein Abitur mit der Note 2,1 baute.

Kompliment vom Vater

"Er hat einen ziemlich guten Kopf auf den Schultern", sagte Vater Keke einst dem "Spiegel".

Rosberg senior gewann nicht nur selbst den Titel, er führte auch Mika Häkkinen zum Triumph und förderte und plante die Karriere des Sohnes, den er im Alter von zwei Jahren auf dem Schoß auf der hauseigenen Kartbahn das Lenkrad in die Hand drückte.

Längst steht Nico auf eigenen Beinen. Der Weg zum Titel scheint möglich, doch er ist noch weit. Erst muss mal ein Sieg her.

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