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Michael Schumacher (r.) feierte beim Belgien-Grand-Prix sein 20-jähriges Rennjubiläum © dpa

Michael Schumacher würde gerne alle Rennen auf dem Circuit de Spa-Francorchamps fahren. Warum, beweist er beim Belgien-GP.

Von Olaf Mehlhose

München - Wenn es nach Michael Schumacher ginge, könnten von nun an alle Grands Prix in Belgien stattfinden.

"Ich hätte nicht allzu viele Einwände", antwortete der Rekord-Weltmeister auf die Frage, ob er nicht gerne jedes Rennen in Spa fahren würde. (DATENCENTER: Rennkalender und Kurse)

In seinem selbsterklärten "Wohnzimmer" hatte am 25. August 1991 alles begonnen, dort feierte er 1992 seinen ersten Grand-Prix-Erfolg, dort fuhr er beim Großen Preis von Belgien 2011 (Bericht) nach einer grandiosen Aufholjagd vom letzten Startplatz auf Rang fünf vor.

Von 24 auf fünf zu fahren, sei "wie im Film", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug seinen Superstar. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Schumi dankt den Fans

Neben dem sportlichen Erfolg erlebte Schumi beim Traditionsrennen auf der "Ardennen-Achterbahn" ein echtes Heimspiel. Die zahlreich angereisten Fans feuerten den Altmeister frenetisch an.

"Es ist schön zu wissen, dass man von so vielen Menschen unterstützt wird", bedankte sich der Mercedes-Pilot: "Danke schön an meine Familie und Freunde, die an der Strecke waren. Das motiviert, wobei es mir an Motivation mit Sicherheit nicht mangelt."

In der Tat: Nach dem verkorksten Qualifying, das für ihn wegen einer falsch montierten Radmutter bereits nach 67 Sekunden mit einem Crash in der Leitplanke endete, war Schumacher die Motivation deutlich anzumerken. Schon beim Start machte der 42-Jährige neun Plätze gut. (BERICHT: Schumis Quali-Unfall)

"Ich habe sehr viel Spaß gehabt", beschrieb er später seine Eindrücke auf der Strecke: "Ich hatte viele Möglichkeiten, mich in Szene zu setzen. Ich konnte das Feld vor mir jagen." (DATENCENTER: Die Fahrer-WM)

Erinnerungen an 1995

Dass er auch von weit hinten noch entscheidend ins Renngeschehen eingreifen kann, hatte Schumacher in Spa bereits 1995 bewiesen, als er von Startplatz 16 zum Sieg fuhr. Das Feuerwerk, das er an diesem Wochenende abbrannte, stand der Gala-Vorstellung von damals in nichts nach.

Ähnlich spektakulär war eigentlich nur die Fahrt von McLaren-Pilot Jenson Button, der gleichermaßen rasant wie Schumi durchs Feld pflügte und sich von Rang 13 auf Platz drei verbesserte.

[kaltura id="0_0iqq6lvi" class="full_size" title="Eine Runde in Spa"]

Dem wie entfesselt fahrenden Schumacher fiel in der 42. Runde auch Teamkollege Nico Rosberg zum Opfer, der immerhin von Startplatz fünf ins Rennen gegangen war.

Dabei profitierte Schumi allerdings davon, dass sein 26-jähriger Mercedes-Kollege im letzten Streckenabschnitt zum Sprit-Sparen verdammt war.

Haug: Keine Teamorder

Spekulationen, Rosberg habe die Ansage erhalten habe, um Schumacher vorbeizulassen, wies Mercedes-Boss Haug rigoros zurück: "Wer uns das zutraut, dem ist nicht zu helfen. Wer uns kennt, weiß, dass wir so was nie machen würden."

Auch die Fahrer wollten von einer angeblichen Teamorder nichts wissen.

"Ich bin mir sicher, dass er in dem Moment voll auf dem Gas war", sagte Schumi: "Fakt ist, ich war auf weichen Reifen, deshalb viel schneller und habe das dann nutzen können."

Rosberg ergänzte: "Am Ende musste ich ein bisschen Sprit sparen, weil ich vorher die ganze Zeit am Limit gefahren bin. Michael kam von hinten mit den besseren Reifen. Da konnte ich meinen Platz nicht halten."

"Der Start war die Reise wert"

Doch auch der Jüngere war mit seinem Rennen zufrieden. Nach einem perfekten Start, bei dem er bereits von fünf auf zwei vorfuhr, zog er in der ersten Runde sogar kurzzeitig an dem späteren Sieger Sebastian Vettel vorbei.

"Es war ein besonderes Gefühl, das Rennen anzuführen. Es war toll, die Autos von Red Bull, McLaren und Ferrari in meinem Rückspiegel zu sehen ", schilderte der Mercedes-Star seine Führungsrunden.

Auch wenn Vettel die Spitze kurze Zeit später zurückeroberte, Haug war mit Rosbergs Leistung hochzufrieden: "Allein der Start war die Reise nach Spa wert - ganz, ganz ausgefuchst."

Der 58-Jährige freute sich zudem über "ein sehr gutes Mannschaftsergebnis und unsere bislang beste Punkteausbeute in dieser Saison." (DATENCENTER: WM-Stand Teams)

Kupplung zum Jubiläum

Überstrahlt wurde an diesem Wochenende aber alles von Schumacher.

Tags zuvor hatte er Kollegen und Weggefährten ins Mercedes-Motorhome zu einer Jubiläums-Party mit Currywurst und Kölsch eingeladen.

Von seinem ersten Teamchef Eddie Jordan erhielt Schumi ein besonderes Geschenk: "Nach 20 Jahren habe ich heute die Kupplung mitgebracht, die Michael damals gebraucht hätte", sagte Jordan, in dessen Auto Schumacher bei seinem Debüt schon nach 500 Metern ausgerollt war - weil Jordan an einer neuen Kupplung gespart hatte.

Brawn als Laudator

Mercedes-Teamchef Ross Brawn hielt eine Laudatio auf den Rekordchampion, den er nicht nur wegen seiner sportlichen Heldentaten als "eine Ikone der Formel 1" bezeichnete.

"Der Schumacher auf der Strecke war nur ein kleiner Teil von ihm. Als Teammitglied und Mensch war er hinter den Kulissen noch viel wichtiger", meinte Brawn.

Und weiter: "Ich bin sehr glücklich und geehrt, ein Teil von Michaels Karriere zu sein. Ich habe mit ihm alle Höhen, alle Tiefen und alle Frisuren gesehen - und ich habe alles davon genossen."

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