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Michael Schumacher (v.) belegte beim Großen Preis Indien den fünften Platz © imago

In Rennrunde eins läuft Schumacher regelmäßig zur Höchstform auf. Beim Indien-GP unterstreicht er seine Stärke eindrucksvoll.

Von Olaf Mehlhose

München - Wer in der Formel 1 das Spektakel vermisst, sollte sich die Rennen von Michael Schumacher anschauen.

Vor allem beim Start der Rennen läuft der Rekordchampion regelmäßig zur Höchstform auf.

42 Positionsgewinne verzeichnete der Mercedes-Superstar im Jahr 2011 in der ersten Rennrunde - kein anderer Pilot im Fahrerfeld der Königsklasse kann einen annähernd guten Wert vorweisen.

Auf Rang zwei in dieser Statistik wird Toro-Rosso-Fahrer Sebastien Buemi geführt, der sich 31 Plätze verbessern konnte. Dahinter folgt Sauber-Pilot Kamui Kobayashi (23 Positionen).

Weltmeister Sebastian Vettel hat übrigens erst zwei Plätze gutgemacht, dass liegt aber vor allem daran, dass er in 13 von 17 Rennen von der Pole-Position startete.

KERS-Coup in Indien

Neben einer außergewöhnlich guten Reaktionszeit profitiert Schnellstarter Schumi von seiner großen Rennerfahrung, die ihm bereits den ein oder anderen Strategie-Coup ermöglichte.

So geschehen eim Großen Preis von Indien (Rennbericht), als der Meister der ersten Runde einen eindrucksvollen Beweis für seine Extraklasse nacht dem Erlöschen der Startampel lieferte. (475268DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Während ein Großteil des Fahrerfeldes die Zusatzpower von KERS auf den ersten Metern verpuffen ließ, rührte Schumacher den Knopf für die Überholhilfe bis zur ersten langen Geraden nicht an.

Dort nutzte er die volle Kraft des Energierückgewinnungssystems, um an drei seiner Konkurrenten vorbeizuziehen.

Aufholjagd von elf auf fünf

"Meine Strategie am Start ist voll aufgegangen", freute sich Taktikfuchs Schumacher über das gelungene Manöver.

Am Ende des Rennens war der von Platz elf gestartete Silberpfeil-Pilot bis auf Position fünf nach vorne gefahren und hatte auch seinen Teamkollegen Nico Rosberg abgehängt, der den Grand Prix als Sechster beendete.

Schon beim Großen Preis von Spa, als er sich von Rang 24 auf Platz fünf verbesserte, war ihm ein ähnliches Husarenstück gelungen.

Seit Kanada im Aufwind

Das Ergebnis in Indien bestätigte den Trend, der sich seit dem Großen Preis von Kanada, wo er im Regen-Chaos mit Platz vier sein bestes Saisonergebnis einfuhr, abzeichnete: Schumi ist im Aufwind.

Rosberg ist im Qualifying weiterhin der Stärkere der beiden Mercedes-Fahrer, dafür hat ihm Schumacher in den Rennen mittlerweile den Rang abgelaufen, auch wenn Rosberg dies im Vorfeld des Indien-Rennens noch vehement abstritt. (BERICHT: "Es stimmt nicht, dass er schneller war")

Rosberg weiterhin in Front

Fakt ist allerdings, dass der siebenmalige Weltmeister in den letzten elf Rennen 56 WM-Punkte ergatterte, Rosberg dagegen nur 49.

Dass der 26-Jährige in der WM-Wertung mit 75 Zählern noch knapp vor Schumi (70 Punkte) liegt, ist wohl nur der Tatsache geschuldet, dass der 42-Jährige in dieser Saison bereits fünf Ausfälle zu verzeichnen hatte, Rosberg dagegen nur zwei. (SERVICE: WM-Stand Fahrer)

Es wird interessant sein, ob es dem Kerpener in den verbleibenden zwei Grands Prix gelingen wird, die Rangfolge zu seinen Gunsten zu verändern.

Schumi zeigt die Zähne

Die jüngsten Glanzleistungen haben den 91-maligen Grand-Prix-Gewinner aber auf jeden Fall mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ausgestattet.

Rosbergs Vorwurf, Schumi sei in Indien nur vor ihm gelandet, weil ihn das Team mit der schlechteren Strategie losgeschickt hatte, konterte der frühere Weltmeister kühl: "Ich glaube nicht, dass es an der Strategie lag." (NEWS: Rosberg deutet Stallregie an)

Ganz im Gegenteil: Schumacher sah die Ursache für den Erfolg über den teaminternen Rivalen in seiner reifenschonenden Fahrweise: "Ich habe mir meine Reifen eingeteilt und konnte länger draußen bleiben. Das machte den Unterschied aus." (BERICHT: Reifenfuchs weckt Hoffnungen)

Lauda bestätigt Aufwärtstrend

Der Unterschied zur ersten Saisonhälfte besteht vor allen darin, dass sich der Methusalem der PS-Liga deutlich gesteigert hat - das müssen inzwischen auch einige Experten anerkennen.

"Schumacher ist besser geworden", bestätigte der frühere Formel-1-Pilot Niki Lauda bei SPORT1.

Der Österreicher, der dem Mercedes-Lenker in der Frühphase der Saison bereits zu einem Rücktritt nahegelegt hatte, machte aber auch eine Einschränkung: "Das interessiert niemanden. Er muss ein kompetitives Auto haben, damit er für sich selber bewerten kann, wo er jetzt steht. Ich hoffe, dass das Auto nächstes Jahr gut ist. Dann kann man sich das alles wieder von vorne anschauen."

Das würde wohl auch Schumi so unterschreiben - nur der in der ersten Runde der Beste zu sein, würde den weiterhin extrem ehrgeizigen Altmeister auf Dauer wahrscheinlich nicht zufriedenstellen.

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