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Der Williams-Rennstall gewann bereits neun Mal die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft © getty

Maldonado und Perez fahren dank solventer Geldgeber in der Formel 1. Strategische Allianzen machen das in Zukunft schwierig.

Von Olaf Mehlhose

München - Pastor Maldonado ist einer, genauso wie Sergio Perez, Witali Petrow und Bruno Senna.

Paydriver - jene Fahrer, denen neben ihrem Talent vor allem finanzkräftige Sponsoren den Weg in die Königsklasse geebnet haben.

Neu ist das Geschäftsmodell nicht: Auch Michael Schumacher, Fernando Alonso und Lewis Hamilton schafften einst dank potenter Geldgeber den Sprung in die Formel 1. (BERICHT: Kampf um die besten Plätze)

Aber es gibt auch weniger prominente Beispiele. Dass HRT den Betrieb im Jahr 2010 aufrecht erhalten konnte, war vor allem der Verpflichtung von Sakon Yamamoto und den damit einhergehenden Zahlungen zu verdanken.

Probates Mittel für klamme Rennställe

Insbesondere für die schlechter situierten Rennställe wurde das Engagement von Paydrivern ein probates Mittel, um das Überleben in der PS-Liga zu sichern. Deshalb entwickelte es sich in den vergangenen Jahren zur gängigen Praxis.

Die Kooperation zwischen Sauber und Telekommunikations-Milliardär Carlos Slim, der einen mexikanischen Piloten als Gegenleistung für seinen finanziellen Einsatz forderte, verhalf Perez zu einem Steuer bei der schweizerischen Equipe.

Dass Sauber mit dem 21-Jährigen einen Rohdiamanten erwischte, macht das Geschäft für die Truppe um Peter Sauber doppelt wertvoll. (SERVICE: WM-Stand Teams)

Hülkenberg muss das Cockpit räumen

Maldonado wurde seinerzeit durch venezolanische Öl-Millionen ins Williams-Cockpit gespült, Leidtragender des Deals war Nico Hülkenberg der seinen Platz vor Jahresfrist räumen musste.

Und dass Senna beim immer wieder mit Finanzschwierigkeiten in Verbindung gebrachten Renault-Team anstelle von Nick Heidfeld installiert wurde, ist bekanntermaßen nicht allein auf seine außerordentlichen Fähigkeiten am Steuer zurückzuführen.

Doch nur wenige Monate nach der Ausbootung von Heidfeld zeigt sich ein anderes Bild. Es hat fast den Anschein, als wären schwere Zeiten für die Bezahl-Piloten angebrochen. (BERICHT: Aus für Heidfeld, Senna übernimmt)

Sutil muss bangen

Auf der Suche nach neuen Geldquellen schlagen die Teams der Königsklasse offenbar neue Wege ein: weg von für Millionen erkaufte Cockpit-Plätze und hin zu strategischen Allianzen.

Adrian Sutil kann ein Lied davon singen. Der 28-Jährige bangt trotz einiger solventer Gönner um ein Formel-1-Cockpit für die kommende Saison. (KOLUMNE: Peters Pitstop)

Force India hat sich durch den Einstieg des indischen Firmenimperiums Sahara, dessen Investment sich auf rund 100 Millionen Dollar beläuft, finanziell unabhängig gemacht.

Mallya: Qualität entscheidet

Entscheidend für die Fahrerpaarung im Jahr 2012 sei einzig die fahrerische Qualität, frohlockte Teambesitzer Vijay Mallya. (Mallya: Noch nichts entschieden)

Die hat Sutil ohne Zweifel, aber die haben seine Konkurrenten Hülkenberg und Paul di Resta eben auch.

Erfolgversprechend ist auch die strategische Allianz mit dem McLaren-Team, das seit 2009 Hydraulik und Fahrgestell bereitstellt.

"Da wir uns um diese Komponenten nicht kümmern müssen, können wir uns voll auf die Aerodynamik und das Fahrwerk konzentrieren, also die Disziplinen, die Rundenzeit bringen", erklärte Sportchef Otmar Szafnauer.

Williams vor Einigung mit Katar

Ähnlich stellt sich die Lage bei Williams dar. Das britische Traditionsteam, mit gerade einmal fünf WM-Punkten auf Platz neun der Teamwertung abgerutscht, steht offenbar kurz vor dem Abschluss einer Partnerschaft mit dem Emirat Katar.

Nach Angaben des Fachmagazins "Auto, Motor und Sport" lässt sich der neunfache Konstrukteurs-Champion die Bereitstellung einer Technologie zum Ausbau des Bahnnetzes für die Fußball-WM 2022 mit einer Summe zwischen 30 bis 60 Millionen Dollar jährlich entlohnen.

Räikkönen der Favorit

Demnach wäre Williams anders als im Fall Hülkenberg nicht mehr darauf angewiesen, einen Fahrer wegen seiner Mitgift hinter das Lenkrad zu setzen.

Als Favorit auf einen Cockpit-Platz gilt derzeit Kimi Räikkönen. Miteigentümer Toto Wolff bestätigte bereits, dass die Verhandlungen mit dem früheren Weltmeister laufen.

Da Maldonado nach einer sehr stabilen Debütsaison gesetzt ist, könnte der neue Wohlstand bei Williams das Karriereende von "Oldie" Rubens Barrichello einläuten.

Barrichellos Mühe umsonst?

Der 39-Jährige will unbedingt noch ein weiteres Jahr in der Formel 1 fahren und hatte zu diesem Zweck neue Geldgeber in seiner Heimat akquiriert. Derzeit sieht es fast so aus, als wäre die Mühe umsonst gewesen.

Und auch auf Sutil, der zwischenzeitlich als Nachfolger von Barrichello gehandelt worden war, dürfte nach dem Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit bei Williams kein Thema mehr sein.

Ob die derzeitige Entwicklung aber schon das Ende für die Paydriver einläutet, wird sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.

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