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Red-Bull-Star Sebastian Vettel feierte in seinem Weltmeister-Jahr elf Rennsiege © getty

Rekorde viele, Schwächen dagegen kaum. Nach dem Saisonfinale in Sao Paulo lässt SPORT1 Vettels Fabelsaison Revue passieren.

Von Olaf Mehlhose

München - Ein perfekter Jahresabschluss ist Weltmeister Sebastian Vettel beim Finale in Brasilien (Bericht) nicht vergönnt gewesen.

Doch obwohl er das letzte Rennen hinter seinem Erzrivalen Mark Webber auf Platz zwei beendete, hielt sich die Enttäuschung beim Dominator der Saison 2011 in Grenzen. (488560DIASHOW: Bilder des Rennens)

"Es wäre nicht angemessen, wenn ich mich jetzt ärgern würde. Es war ein phänomenales Jahr", sagte Vettel: "Ich bin jetzt bereit für die Winterpause. Ich freue mich drauf, die Batterien aufladen zu können. Hoffentlich kommen wir in der neuen Saison genauso stark wieder."

Vorher lohnt es sich aber, Vettels Fabel-Saison noch einmal Revue passieren zu lassen. (DATENCENTER: Endstand Fahrer-WM) .

SPORT1 blickt auf Höhepunkte, Knalleffekte und die wenigen Schwächen des Weltmeisters im Jahr 2011 zurück.

Traumstart ins neue Jahr

Mit souveränen Siegen bei den Auftaktrennen in Australien und Malaysia verschaffte sich Vettel bereits früh in der Saison eine glänzende Ausgangsposition. Die letzte Saison hinzugerechnet war er inzwischen seit vier WM-Läufen ungeschlagen.

Erst in Schanghai trug sich mit Lewis Hamilton, der Vettel den Sieg mit einer entfesselten Fahrt im letzten Renndrittel noch abjagte, mal wieder ein anderer Fahrer in die Siegerlisten ein.

Strategie-Coup in Monaco

Eine absolute Gala-Vorstellung zeigte Vettel beim Glamour-Grand-Prix in Monaco. Der Red-Bull-Pilot entschied eigenmächtig, das Rennen mit nur einem Reifenwechsel zu beenden, da er sich bei einem weiteren Boxenstopp keine Chancen mehr auf den Sieg ausrechnete.

Auf den abgewetzten Walzen verteidigte er Platz eins vor dem heftig attackierenden Fernando Alonso und dem dahinter liegenden Jenson Button. Drei Runden vor dem Ende kam ihm schließlich ein zwischenzeitlicher Rennabbruch zur Hilfe.

Auf neuen Pneus gelang es Vettel dann problemlos, seinen ersten Monaco-Sieg unter Dach und Fach zu bringen.

"Monaco war ein Highlight. Vor allem, aufgrund der Tatsache, wie es dort lief", beschrieb Vettel seinen Triumph im monegassischen Fürstentum gegenüber dem "Motorsport-Magazin".

Knapp verpasster Startrekord

Mit fünf Erfolgen in den ersten sechs Saisonrennen lag Vettel auf Kurs, den von Jim Clarke (1965), Michael Schumacher (1994, 2004) und Button (2009) gehaltenen Startrekord einzustellen.

Allen drei Piloten gelang seinerzeit das Kunststück, sechs der ersten sieben Grands Prix zu gewinnen. Auch wenn Vettel diese Bestmarke beim Großen Preis von Kanada knapp verpasste, die Weichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung waren zu diesem Zeitpunkt unwiderruflich gestellt.

Fahrfehler Kanada

Beim turbulenten Montreal-Grand-Prix kam Vettel erstmals ins Straucheln. Der-Red-Bull-Star hatte das Rennen über weite Strecken dominiert, wurde aber von sintflutartigen Regenfällen, einem Neustart und einer Safety-Car-Phase ausgebremst.

So bot sich dem zwischenzeitlich auf den letzten Platz zurückgefallenen Button plötzlich eine unerwartete Siegchance. Der McLaren-Star war gegen Renn-Ende der mit Abstand schnellste Fahrer auf dem Circuit Gilles Villeneuve und zog nach einem Fahrfehler Vettels in der letzten Runde noch an dem Champion vorbei.

"Schwächephase" zur Saisonmitte

Vettels längste Durststrecke dauerte genau drei Rennen. Bei den WM-Läufen in Silverstone, auf dem Nürburgring und in Budapest musste er jeweils seinen Konkurrenten den Vortritt lassen.

Vor allem das Heimspiel beim Deutschland-Grand-Prix, das er nach einer uninspirierten Fahrt als Vierter beendete, verlief enttäuschend.

Allerdings kam Vettel auch während seiner "Schwächephase" immer für den Sieg in Frage und holte mit 48 Punkten nach Alonso (58 Zähler) und Hamilton (49) immerhin die drittgrößte Ausbeute im Fahrerfeld.

Vorzeitiger Titelgewinn in Japan

Nach der Sommerpause präsentierte sich der "Superbulle" wieder in Topform. Mit Siegesfahrten in Spa, Monza und Singapur beseitigte er auch die letzten Zweifel an seinem zweiten WM-Titel. In Suzuka genügte ihm dann ein dritter Platz, um sich nach 15 von 19 Rennen zum Champion zu krönen.

Versüßt wurde der Erfolg durch eine neue Bestmarke: Vettel war bei seinem zweiten Titelgewinn 24 Jahre und 98 Tage alt und entriss Fernando Alonso den Rekord des jüngsten Doppelweltmeisters.

Vettel kann überholen

Vor allem auf der Highspeed-Strecke in Monza hatte sich die Konkurrenz einiges ausgerechnet, zumal für die "Bullen" in den vorherigen Jahren im Ferrari-Land nicht viel zu holen gewesen war.

Doch Vettel machte alle Hoffnungen seiner Gegner zunichte. Mit einem spektakulären Überholmanöver in der Curva Grande, als er außen an Alonso vorbeigezog, wiederlegte er zudem alle Kritiker, die ihm vorwarfen, er könne nicht überholen.

Vettel selbst zählte seinen Erfolg beim Italien-Grand-Prix zu den absoluten Saison-Highlights.

"Der Sieg war eine große Genugtuung" bilanzierte der junge Deutsche beim "Spiegel": "Wir wussten, dass wir nicht gerade die meiste Power haben und in der Vergangenheit auch nicht das effizienteste Auto. Deshalb war der Sieg für uns alle sehr emotional, und für mich noch viel mehr, weil ich dort ja auch meinen ersten Erfolg geholt habe."

Kraftakt in Singapur

Im Vorjahr hatte sich Vettel noch mit Platz zwei begnügen müssen, 2011 war er beim Nachtrennen auf dem Marina Bay Circuit nicht zu schlagen. Der designierte Weltmeister hielt sich aus allen Positionskämpfen heraus und feierte einen überlegenen Start-Ziel-Sieg.

Seinen ersten Erfolg im südostasiatischen Stadtstaat ordnete Vettel in seiner persönlichen Wertungsskala ganz oben ein, "weil ich glaube, dass dieses Rennen in Sachen Konzentration und Fitness das härteste Rennen des Jahres für die Fahrer ist".

Pole-Rekord in Sao Paulo

Vettels Pole-Rekord beim Grand Prix in Brasilien versinnbildlicht die Überlegenheit des Weltmeisters über eine schnelle Runde. In 15 von 19 WM-Läufen sicherte sich Quali-Künstler Vettel den ersten Startplatz und übertraf damit die Bestmarke von Nigel Mansell aus dem Jahr 1992.

Der 24-Jährige gilt inzwischen als legitimer Nachfolger von Ayrton Senna, der bei 161 Starts 65 Pole-Positionen einfuhr. Vettel führte das Fahrerfeld in 81 Rennen immerhin schon 30 Mal an.

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