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Adrian Sutil (l., mit Hamilton) belegte in der Saison 11/12 den neunten Platz © getty

Nachdem Hamilton beim Sutil-Prozess nicht auftaucht, will der Deutsche nichts mehr mit dem McLaren-Pilot zu tun haben.

Von Hardy Heuer

München - Kein Cockpit, dann die Verurteilung und jetzt auch noch einen Freund weniger:

Adrian Sutil, im vergangenen Jahr noch neuntbester Formel-1-Pilot, macht die schwerste Zeit seiner Karriere durch.

Nach dem Verlust seines Cockpits bei Force India ist der Deutsche am Dienstag in München wegen gefährlicher Körperverletzung am Teilhaber des damaligen Renault- und heutigen Lotus-Rennstalls Eric Lux zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt (drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt).

Zudem muss er 200.000 Euro Geldstrafe zahlen (Bericht).

Hamilton taucht nicht auf

Ein ziemlich hartes Urteil, zumal Sutil arbeitslos ist und seinem Management ungefähr 600.000 Euro Schulden zurückzahlen muss.

Sutils Frust sitzt - kaum verwunderlich - tief. Und zum Kummer des Rennfahrers dürfte auch Lewis Hamilton beigetragen haben.

Der vermeintliche Freund ließ den Deutschen bei seinem Auftritt vor dem Münchner Amtsgericht im Stich.

Der McLaren-Pilot kam nicht persönlich zur Verhandlung, um seinen ehemaligen Teamkollegen aus der Formel 3 zu unterstützen.

Hamilton sagte als Zeuge lediglich schriftlich aus. Er habe den Vorfall in einer Schanghaier Diskothek im April 2011, wo er neben Sutil gesessen haben soll, nicht gesehen, behauptete der Brite.

Sutil ist verärgert

"Es kann wohl jeder nachvollziehen, wie ich darüber denke", erklärte Sutil nach dem Urteil gegenüber "auto motor und sport" und legte in der "Bild" nach. "Lewis ist ein Feigling - ich will mit so jemandem nicht befreundet sein. Er ist für mich kein Mann", polterte er.

"Selbst sein Vater hat mir eine SMS geschrieben und mir für den Prozess Glück gewünscht. Von Lewis kam nichts. Er hat seine Handynummer geändert. Ich konnte ihn nicht mehr erreichen", äußerte sich Sutil schwer enttäuscht.

Bei der Präsentation des neuen McLaren Mercedes wurde Hamilton von der Nachrichtenagentur "Reuters" auf die Aussagen von Sutil angesprochen, doch ein McLaren-Pressesprecher ging sofort dazwischen.

"Uns wurde mitgeteilt, dass Lewis nicht hingehen sollte, weil es sowieso ein Berufungsverfahren geben könnte. Können wir mit der nächsten Frage weitermachen?" Hamilton lächelte nur: "Darauf sollte ich besser hören."

Ferrari als Option?

Auch die Suche nach einem neuen Arbeitgeber dürfte nach der Verurteilung nicht einfacher werden.

Die Zeit läuft für den nun vorbestraften Fahrer bis zum ersten Saisonrennen gnadenlos herunter, sowie der Countdown auf seiner Homepage.

Zudem: Auf dem Fahrermarkt sieht es düster aus. Die Cockpits sind bis auf das Hinterbänkler-Team Hispania fast alle vergeben.

Sutil bleibt für dieses Jahr voraussichtlich nur ein Platz als Testfahrer, dort allerdings hat der Deutsche angeblich ein Topteam im Visier. Der 29-Jährige wird mit Ferrari in Verbindung gebracht, wie "Motorsport-Total" berichtet (NEWS: Alles zum Motorsport).

"Vielleicht nehme ich eine Auszeit"

Sutil soll darauf spekulieren, den Platz von Felipe Massa in absehbarer Zeit zu übernehmen, sollte dessen Vertrag am Saisonende von der Scuderia nicht verlängert werden.

Sutil selbst ist indes skeptisch, ob er in der neuen Saison in der "Königsklasse" seine Runden drehen wird.

"Ich kann nicht sagen, ob in diesem Sport noch jemand mit mir arbeiten will. Vielleicht nehme ich eine Auszeit und mache etwas ganz anderes", erklärte er nach der Verurteilung.

Manager hat Hoffnung

Sein Manager Manfred Zimmermann gibt die Hoffnung nicht auf und glaubt an seinen Fahrer.

Das Urteil bedeute nicht, "dass Adrian in der Formel 1 keine Zukunft mehr hat. Es wird keine Konsequenzen des Automobil-Weltverbandes geben, und Adrians fahrerische Qualität hat nicht gelitten."

Seine Chancen auf einen neuen Rennstall wird das Münchner Urteil wohl nicht erhöhen.

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