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Nico Rosberg kam in den letzten drei Jahren auf den siebten Rang der Fahrerwertung © dpa

Nico Rosbergs Respekt vor Mercedes-Superstar Michael Schumacher hat sich gelegt. Er will endlich seinen ersten Formel-1-Sieg.

Von Annette Bachert und Christoph Lother

München - Seit 2006 fährt er in der Formel 1, seit 2010 bei Mercedes GP, sieben Podestplätze sind in der ganzen Zeit für Nico Rosberg herausgesprungen. Vier Mal wurde er mit den Silberpfeilen Dritter - allerdings: Kein einziges Mal stand Rosberg in den 108 Rennen in der Königsklasse ganz oben auf dem Treppchen.

Sein Selbstbewusstsein hat dieser Umstand keineswegs gemindert - im Gegenteil: Rosberg glaubt fest an sich und seine Fähigkeiten.

Auch an seinem Umgang mit einem der Dauerthemen bei den Silbernen aus Stuttgart-Untertürkheim wird das deutlich: Seine anfangs gewaltige Ehrfurcht seinem Mercedes-Teamkollegen Michael Schumacher, seines Zeichens 91-maliger Grand-Prix-Sieger und lebende Formel-1-Legende, habe deutlich abgenommen, bekennt der 26-Jährige.

"Anfang letzten Jahres hatte ich noch großen Respekt vor ihm", sagte der gebürtige Wiesbadener dem "Car"-Magazin: "Aber das hat sich nun etwas gelegt. Jetzt sind wir ebenbürtige Gegner auf dem Spielfeld, und alles ist ein bisschen lockerer".

Schumacher holt auf

Rosberg lässt sich auch nicht davon beeindrucken, dass der 17 Jahre ältere Schumacher die Lücke, die noch 2010 zwischen den beiden Piloten klaffte, mittlerweile geschlossen hat.

In der ersten Saison 2010, welche die beiden Stars für den Rennstall des deutschen Automobilhersteller Mercedes-Benz fuhren, verlor Schumi das interne Duell noch haushoch mit 72 zu 142 Punkten.

Im vergangenen Jahr trennten Rosberg und Schumacher zum Saisonende lediglich 13 Zähler und eine Position in der Fahrer-Gesamtwertung (DATENCENTER: Rennkalender 2012).

Teaminterne bittere Niederlage

Dies schreibt Rosberg vor allem den Pirelli-Reifen und dem DRS, dem verstellbaren Heckflügel-System, zu, welches das Überholen in 2011 deutlich leichter machte als in den Jahren zuvor. 2011 fanden laut "As" 1.150 Überhol-Aktionen statt - so viele wie nie (BERICHT: Top-Zeit für Schumi: Auslaufmodell schlägt Neuwagen).

Mit 119 solcher Manöver führt der siebenmalige Weltmeister Schumacher dieses Ranking an. Doch einige dieser Überholvorgänge fanden gegen Fahrer statt, die Schumi eigentlich schon im Qualifying hätte hinter sich lassen müssen. Dort musste der 43-Jährige einige Federn lassen und verlor das teaminterne Duell überdeutlich mit 3:16.

"Ich respektiere seine Hingabe"

Dann, zum Jahresende hin, rückte Schumi seinem jüngeren Kollegen doch noch gehörig auf die Pelle.

In der zweiten Saisonhälfte fuhr der Wahl-Schweizer gleich drei Mal unter die ersten Fünf, wurde zudem je ein Mal Sechster und Siebter.

Dass Schumacher in der vergangenen Saison alles in allem einen weiteren Schritt zurück zu alter Stärke gemacht hat, ist auch Rosberg nicht entgangen: "Michael hat sein Ding gemacht und seine Leistung gesteigert. Ich respektiere seine Hingabe und seine Einstellung zu diesem Sport. Das ist interessant zu beobachten."

WM-Titel schon dieses Jahr?

Ähnlich sieht es auch der Routinier selbst.

Dass seine Leistungen ihn in diesem Jahr bis ganz nach oben, also bis zum achten Titel tragen werden, scheint er jedoch nicht zu glauben: "Ich bin immer noch hier, um eine Weltmeisterschaft auszukämpfen. Ob wir das schaffen können oder nicht, wird sich dieses Jahr zeigen - oder wann auch immer? ." (Bericht: Schumi skeptisch: Kein Weltmeister-Auto)

Rosberg leidet nicht

Trotz der ansteigenden Form Schumachers und der aus Rosbergs Sicht rar gesäten Top-Platzierungen bisher, glaubt der jüngere der beiden fest an sich und seine rosige Zukunft: "Ich weiß, meine Zeit wird kommen, wenn ich das richtige Auto habe. Ich freue mich schon darauf, zu gewinnen, weil ich weiß, dass das eine großartige Erfahrung sein wird. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich in irgendeiner Weise leiden würde."

Aber womöglich steht ihm sein Traumauto ja auch schon in diesem Jahr zur Verfügung (SERVICE: Resultate aus Jerez).

Als letztes der vier Topteams wird Mercedes am 21. Februar in Barcelona seinen Rennwagen für 2012 präsentieren - und die Spekulationen der Rivalen über den neuen Silberpfeil werden heißer und heißer (BERICHT: Red Bull fürchtet das silberne Geheimnis).

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