vergrößernverkleinern
Sebastian Vettel spulte an den beiden Testtagen in Barcelona 183 Runden ab © getty

Der Weltmeister überlässt nichts dem Zufall: Sebastian Vettel spult vor dem Saisonstart ein kräftezehrendes Programm ab.

München - Barcelona, Milton Keynes, Berlin:

Weltmeister Sebastian Vettel hat vor dem Empfang des Silbernen Lorbeerblattes, das er am Freitag in Berlin überreicht bekommt, noch schnell ein paar Runden im Simulator eingeschoben.

Statt nach zwei Testtagen in Barcelona (521624Bilder) mal ein bisschen zu entspannen und in Ruhe nach Berlin zu fliegen, machte "Workaholic" Vettel noch einen Abstecher in die Red-Bull-Fabrik in England, um weiter an seiner Form für den Saisonauftakt am 18. März in Melbourne zu feilen. (DATENCENTER: Rennkalender 2012)

"Jeder Tag zählt. Letztlich hat man nur sechs Tage, vier davon sind rum", hatte Vettel in Barcelona gesagt.

Zwei weitere stehen für ihn in der kommenden Woche beim viertägigen Abschlusstest in Barcelona noch auf dem Programm. (SERVICE: Alle Resultate aus Barcelona)

Vettel mit Understatement

Generell hat Vettel aber schon ein gutes Gefühl. "Ich denke, wir sind einigermaßen dabei", meinte er mit einer gehörigen Portion Understatement.

Denn bisher wird der neue Bolide den hohen Erwartungen von Verantwortlichen, Fans und Vettel selbst mehr als gerecht. Auf dem Circuit de Catalunya belegte der Champion bei seinen beiden Einsätzen die Plätze eins und drei.

Auch wenn die guten Rundenzeiten nur bedingte Aussagekraft haben, die Experten sind sich einig, dass der Rennstall von Dietrich Mateschitz bei der Vergabe beider WM-Titel ein gehöriges Wörtchen mitreden wird.

Prost tippt auf Red Bull

"Ich denke, dass es für die anderen Teams schwierig werden wird, Vettel und Red Bull zu schlagen", wird der viermalige Weltmeister Alain Prost von der russischen Nachrichtenagentur "RIA Nowosti" zitiert.

Vor allem der Vorteil, Design-Genie Adrian Newey in den eigenen Reihen zu haben, spiele den "Bullen" nach Meinung von Prost immer noch in die Hände.

"Auch wenn es bei den technischen Regeln nur eine kleine Änderung gibt, wirkt sich die immer aus", erklärte der Franzose: "Normalerweise sollten gute Konstrukteure mit guten Ideen davon profitieren. Und Adrian Newey von Red Bull ist offensichtlich der Beste."

Red-Bull-Testpilot Sebastien Buemi hieb in die gleiche Kerbe. "Der Red Bull liegt für mich vorn", resümierte der Schweizer nach dem zweiten Testtag bei "Auto, Motor und Sport": "Das Auto liegt sehr gut in der Spur."

Faszination Ferrari

Für Vettel, der mit Red Bull seit zwei Jahren auf einer sagenhaften Erfolgswelle schwimmt, beginnt also auch die Saison 2012 äußerst verheißungsvoll.

Der Faszination eines Teams wie Ferrari kann aber auch er sich nicht entziehen.

In einem Interview mit der "Gazetta dello Sport" kokettierte er nicht zum ersten Mal mit einem Wechsel zu dem Traditionsrennstall aus Maranello.

"Derzeit könnte ich mir kein besseres Team als Red Bull wünschen. Ich fühle mich wohl, glücklich, die Atmosphäre ist toll und wir haben große Lust, uns zu verbessern und zu gewinnen", sagte Vettel, räumte aber ein, dass es ein Traum wäre, "eines Tages für ein Team wie Ferrari zu fahren".

Titel kein Selbstläufer

Momentan gilt Vettels volle Konzentration aber der neuen Saison. Gestiegenen Druck nach zwei WM-Titeln in Folge spürt er offenbar nicht.

"Normalerweise startet derjenige, der die letzte Saison gewonnen hat, als Favorit", sagte er: "Es gibt immer Druck. An dem externen Druck kann man nichts ändern. Es ist natürlich, dass man sich zu Saisonbeginn verbessern will. Ich will den Titel verteidigen."

Der dritte Titel in Folge sei jedoch alles andere als ein Selbstläufer.

"Ganz sicher nicht. Die anderen sind keine Nasenbohrer. Es wird ein extrem harter Kampf um den Titel. Auch im letzten Jahr mussten wir immer alles geben, auch wenn es von außen nicht so aussah", sagte der 24-Jährige der "Sport Bild".

Schumi verneigt sich

Vielleicht sorgt ja das Lob von Altmeister Michael Schumacher noch einmal für einen Schuss Extra-Motivation bei der Jagd nach dem Titel-Hattrick.

"Es macht Spaß, Sebastian fahren zu sehen. Er ist stark und motiviert und hat ein tolles Team um sich herum, insofern läuft es beeindruckend rund. Es ist schon etwas Besonderes auch für mich, denn ich kenne ihn schon so lange", sagte Schumacher der "Sport Bild":

"Ich kann mich noch an den kleinen Kerl erinnern, der da in Kerpen auf der Bahn fuhr. Insofern freut es mich sehr für ihn, und ein kleines bisschen bin ich auch stolz auf ihn."

Vettel könnte 2012 als erst dritter Fahrer nach dem legendären Argentinier Juan Manuel Fangio und Schumacher im dritten Jahr in Folge den WM-Titel gewinnen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel