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Sebastian Vettel gewann 21 seiner 81 Rennen in der Königsklasse © getty

Der Weltmeister hebt auch nach dem zweiten Titel nicht ab und kann Neuner verstehen. Unterwegs träumt er vom eigenen Bett.

München - Seine Augen leuchten, wenn er über seine Leidenschaft sprechen darf.

Dann ist es fast so, als wenn er selbst im Formel-1-Auto sitzt und seinen Red-Bull-Boliden am Limit bewegt. Weltmeister Sebastian Vettel lebt für die Formel 1 und er genießt sein Leben auf der Überholspur.

"Ich bin sehr glücklich. Wenn ich nicht mehr Rennen fahren würde, nicht mehr in der Formel 1 wäre, dann würde mir etwas fehlen. Die Zufriedenheit, die ich habe, wenn ich im Auto sitze und fahren kann, habe ich bis jetzt noch nirgends anders gefunden. Das genieße ich sehr", sagte der 24-Jährige

In etwas mehr als zwei Wochen darf er beim Saisonauftakt am 18. März in Melbourne wieder Gas geben (DATENCENTER: Der Rennkalender 2012).

Spaß ist entscheidend

Wenn das irgendwann einmal nicht der Fall wäre, würde der Red-Bull-Pilot aber auch schnell die Konsequenz ziehen.

"Wenn man für sich selbst den Punkt erreicht, wo es einem auf die Nerven geht, aus dem einen oder anderen Grund, sollte man auch dazu stehen und nicht sagen, ich mache noch weiter, weil es ein gutes Jahr werden, ich noch den einen oder anderen Erfolg erreichen könnte oder ich einfach gutes Geld verdiene", meinte Vettel,

Neuner-Rücktritt verständlich

Daher kann er den frühzeitigen Rücktritt der fast gleichaltrigen Biathlon-Königin Magdalena Neuner sehr gut verstehen.

"Es gibt eigentlich keinen Grund, genau an dem Punkt aufzuhören", sagte Vettel über Rekordweltmeisterin Neuner, die bei ihrer Abschieds-WM in Ruhpolding (29. Februar bis 11. März) noch einmal sechs Medaillen anpeilt.

"Aber wenn man generell im Sport zu Hause ist und den Rhythmus ein bisschen kennt, ständig unterwegs zu sein, sehr viel zu trainieren und eben nicht die Zeit zu haben für normale Dinge, sich nicht so normal bewegen zu können wie andere, kann man das schon verstehen."

Vettel lebt Bodenständigkeit

Auch Vettel spürt manchmal den Drang nach ganz einfachen Dingen.

"Es ist immer so, dass man sich nach dem sehnt, was man nicht hat. Das liegt ein bisschen in der Natur des Menschen", meinte der Heppenheimer, der durch seinen Job ständig in der Welt herumfliegt.

"Jemand, der viel reist, sehnt sich danach, mal zu Hause zu sein. Man sehnt sich danach, sich mal sein eigenes Frühstück zu machen, wenn man ständig im Hotel ist, im eigenen Bett zu schlafen.

Für Leute, die das nicht kennen, "wird es zu einem Erlebnis, mal im Hotel zu schlafen, was anderes zu sehen."

Träume jenseits der Formel 1

Vielleicht ist es dieses immer noch vorhandene Gespür des Formel-1-Piloten für das einfache Leben, das ihn bei den Fans so beliebt macht, seine Natürlichkeit, seine Authentizität.

"Man kann sich vielleicht in gewisser Weise verstellen, aber ich glaube nicht, dass das eine lange Haltbarkeit hat. Die Fans, die einen mögen, die mögen und akzeptieren einen so, wie man ist und nicht wie man vielleicht vorgibt, zu sein", sagte er.

Auch als zweimaliger Weltmeister und finanziell abgesicherte Millionär hat selbst Vettel noch Träume.

"Ja. Ich glaube, jeder hat gewisse Träume. Dinge, die man in seinem Leben mal machen, mal erreichen will. Ich rede jetzt nicht von der Formel 1", sagte er: `Vielleicht Orte, wo man mal hin will, Leute, die man mal treffen will."

Eingeschüchtert von Seehofer

Getroffen hat er in der vorigen Woche im Berliner Schloss Bellevue "Ersatz-Bundespräsident" Horst Seehofer, der ihm das Silberne Lorbeerblatt überreichte, die höchste Auszeichung für

Sportler in Deutschland (BERICHT: Lorbeerblatt für Vettel).

Da wirkte selbst Strahlemann Vettel anfangs ein bisschen eingeschüchtert, weil er die Tragweite dieser Auszeichung erkannte, die man "im Leben vielleicht nur einmal bekommt".

WM-Pokal auf dem Küchentisch

Gewöhnt hat sich Vettel dagegen schon an seinen WM-Pokal, der nach der erfolgreichen Titelverteidigung wieder den Stammplatz auf dem Küchentisch eingenommen hat.

"Wenn man mal einen schönen Platz gefunden und es ein bisschen herrichten kann, macht es einen natürlich sehr stolz. Der WM-Pokal ist natürlich das Non-plus-ultra", sagte Vettel und würde die Trophäe gerne noch ein paar Jahre länger behalten.

"Vielleicht darf der Pokal ja nochmal bleiben. So lange er da ist, braucht man ja auch keine Kopie." Der Weg, den Pokal zu behalten, ist eigentlich ganz einfach und daher auch Vettels Ziel: 2012 zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden.

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