Alonsos Warnung: "So stark sind wir nicht"
Von Felix Götz
München - Immer wenn Fernando Alonso ein Rennen gewinnt, dann streckt er eine Hand aus seinem Ferrari-Cockpit.
Es ist etwa im Vergleich zu Sebastian Vettels "Sieger-Finger" eine unauffällige Geste, die aber durchaus eine Bedeutung hat.
Alonso grüßt damit nur eine einzige Person. Nämlich seine Oma.
"Alles hat mit einer Kindersendung begonnen, in der der Hauptdarsteller immer diese Geste machte", erklärte der Spanier.
Und der 30-Jährige weiter: "Irgendwann habe ich angefangen, auf diese Weise meine Großmutter zu grüßen. Jedes Mal, wenn ich zum Flughafen fuhr, um zum nächsten Rennen zu fliegen, sagte sie dann: 'Vergiss nicht Hallo zu sagen, wenn du gewinnst'."
Alonso ist skeptisch
In dieser Saison durfte Alonso seine Oma schon zwei Mal grüßen. In Malaysia und beim letzten Grand Prix in Valencia wurde er Erster.
Ob es auch in Silverstone (Rennen, So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) zum Sieg reicht? Der Weltmeister von 2005 und 2006 ist da nach Platz zehn im Training eher skeptisch ( DATENCENTER: Trainings-Ergebnis).
"Wir dürfen uns nicht vom Ergebnis beim Europa-Grand-Prix täuschen lassen. So stark sind wir nicht", stapelte Alonso, der den Großbritannien-Grand-Prix im vergangenen Jahr gewonnen hatte, tief.
Di Montezemolo lobt und warnt
Immerhin ist er der einzige Pilot, der es in allen acht Rennen in die Punkteränge geschafft hat.
Die WM-Fahrerwertung führt er mit 20 Zählern Vorsprung auf Red-Bull-Fahrer Mark Webber an ( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).
"Dafür möchte ich das Team loben", sagte Scuderia-Boss Luca di Montezemolo.
Allerdings schob der 64-Jährige ähnlich wie Alonso nach: "Doch so gut, wie das aussehen mag, sind wir derzeit noch nicht. Wir haben immer noch Aufholbedarf."
Zwei Dinge beunruhigen
Es sind zwei Dinge, die den italienischen Rennstall beunruhigen.
Erstens beeindruckte Vettel auf dem Valencia Street Circuit bis zu seinem Ausfall mit einem bisher beispiellosen Speed ( BERICHT: Vettel "viel schneller als der Rest").
Und zweitens zeigt Ferrari im Qualifying noch immer erhebliche Defizite.
In Spanien sprang für Alonso lediglich Startplatz elf heraus. Sein Teamkollege Felipe Massa musste sich sogar mit Rang 13 begnügen.
Alonso stachelt sein Team an
"Ich erwarte in Silverstone, Hockenheim und Budapest drei sehr schwierige Rennen für uns", meinte Alonso deshalb: (DIASHOW: Die Bilder des Trainings).
"Denn wir haben ja mit großen Augen gesehen, dass Red Bull im Qualifying vier Zehntel vor allen anderen lag und auch im Rennen mit Sebastian auf und davon fuhr."
Deshalb forderte Alonso seine Mannschaft dazu auf, noch mehr für den Erfolg zu geben.
"Wir müssen einen Zahn zulegen", so der 29-malige Grand-Prix-Sieger.
Alonsos Understatement
Neben den genannten Fakten, die es für Ferrari schwierig machen, dürfte auch ein gewisses Understatement eine Rolle spielen.
Alonso fühlt sich wohler, wenn er die Favoritenrolle anderen zuschieben kann.
So war es vor Malaysia und so hatte er es auch vor dem Rennen in Valencia getan.
Das Ergebnis ist bekannt: Am Ende grüßte der spanische Fuchs ganz unauffällig seine Oma.