Wegweiser Hockenheim: Vettel gegen den Heimfluch
München - Sebastian Vettel hofft keine 50 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt auf das Ende des Heimfluchs, Rekord-Heimsieger Michael Schumacher will bei seinem vielleicht letzten Rennen vor deutschen Fans "Anlass zum Feiern" geben:
Das Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring (Freies Training, Fr., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) ist für den Weltmeister und den Rekord-Champion nicht nur emotional sehr wichtig - es ist auch ein wichtiger Wegweiser für den Rest des Jahres.
Während Schumacher im vorletzten Rennen vor der Sommerpause weiter Argumente und Selbstvertrauen für die Forsetzung seiner Karriere sammeln will, plant Vettel mit dem ersten Heimsieg den großen Angriff beim Projekt Titel-Hattrick.
Vier Starts - kein Sieg
"Mein Ziel ist es, den Heim-Grand-Prix zu gewinnen", sagt der Red-Bull-Pilot, für den Heimrennen allerdings bisher unter keinem guten Stern standen. Bei vier Starts gewann er noch nie, nur in Kanada und Ungarn ist er in seiner noch kurzen, aber schon äußerst erfolgreichen Karriere sonst noch sieglos.
"Das Heimgefühl gibt dir ein Extra-Bisschen, das dir ein Wohlgefühl verschafft. Es wäre wirklich etwas Besonderes, hier einmal zu gewinnen", sagt der Titelverteidiger, dessen künftig in Berlin stehende Madame-Tussauds-Wachsfigur am Samstag in Hockenheim vorgestellt wird:
"Das Motodrom in Hockenheim hat Ähnlichkeit mit einem Fußballstadion, da kommt eine ganz besondere Stimmung auf. Ich komme aus der Region, eine Mange Freunde und meine Familie werden hier sein. Aber mehr Punkte als anderswo gibt es hier auch nicht."
29 Punkte Rückstand
Die 25 Zähler für den Sieger kann Vettel gut gebrauchen. Vor dem letzten Rennen der ersten Saisonhälfte ist der Titelverteidiger 29 Punkte hinter Spitzenreiter Fernando Alonso nur Dritter der WM-Wertung - und mit 16 Zählern Rückstand auf Mark Webber aktuell sogar nur die Nummer zwei im Team ( BERICHT: Alonso gegen die Bullen).
Das ist aktuell auch Schumacher, der nach zahlreichen Ausfällen im teaminternen Duell 42 Punkte weniger hat als Nico Rosberg.
Rund 100 Kilometer von der Mercedes-Zentrale in Stuttgart entfernt auf dem ursprünglich als Mercedes-Testrecke entworfenen Kurs hoffen die beiden deutschen Piloten des Werksteams auf eine Sternstunde des Silberpfeils.
Rosberg: "Bessere Siegchancen"
In einem "Sport-Bild"-Doppelinterview erklärt der 2012 bereits in Shanghai siegreiche Rosberg gar, er habe bessere Siegchancen als Vettel.
"Ich habe den Mercedes-Motor, und Hockenheim hat einige lange Geraden", sagte der 27-Jährige, 100 Kilometer weiter in Wiesbaden geboren und auf dem Ring nach eigener Auskunft mit dem Rennfahrer-Virus infiziert.
"Ich werde das letzte DTM-Rennen meines Vaters dort im Jahr 1995 niemals vergessen", sagt der Sohn des früheren Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg: "Ich saß mit ihm auf dem Dach seines Autos und fuhr durch das Motodrom - in diesem Moment entschloss ich mich, Rennfahrer zu werden."
Schumacher fuhr in jenem Jahr in Nordbaden zum ersten deutschen Formel-1-Heimsieg. Acht weitere Erfolge in Deutschland folgten, kein anderer hat in der Königsklasse mehr Heimrennen gewonnen.
Letztes Heimrennen für Schumi?
Sein 17. Start in Hockenheim im insgesamt 33. Rennen dort könnte sein letzter vor heimischem Publikum sein, denn eine Fortsetzung seiner Karriere nach dem Vertragsende ist noch nicht sicher (DIASHOW: Das Fahrerkarussell).
So oder so wird es für den 43-Jährigen ein besonderes Rennen.
"Einen Heimvorteil gibt es vielleicht nicht, aber Heimatgefühle", sagt er: "Natürlich fühlt man als deutscher Fahrer eine andere Vorfreude, wenn man zum Grand Prix von Deutschland antritt. Die Unterstützung der Zuschauer pusht die Motivation automatisch noch etwas höher."
Viele Mercedes-Mitarbeiter erwartet
Außerdem werde man "hoffentlich viele Mercedes-Mitarbeiter auf den Tribünen haben, die wir extra-glücklich machen wollen. Wir haben uns fest vorgenommen, dass wir allen über das Wochenende Anlass zum Feiern geben werden."
Verwandte und Freunde werden auch die beiden anderen deutschen Piloten Nico Hülkenberg und Timo Glock auf der Tribüne wissen. Im Fall von Glock hat sich gar der Vater mit der gesamten Belegschaft des Unternehmens angekündigt.