Premieren-Coup des Iceman in Schumis Wohnzimmer?
Von Tobias Wiltschek
München - Die Zeit ist reif für Kimi Räikkönen.
Fünfmal stand der Finne in den ersten elf Rennen der Saison auf dem Podium. Zum Sieg reichte es in der Comeback-Saison des Iceman aber noch nicht ( DATENCENTER: Der Rennkalender).
Das könnte sich am kommenden Wochenende beim Belgien-Grand-Prix in Spa (Freies Training, Fr., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) ändern.
Laut Lotus-Technikchef James Allison ist der Kurs in den Ardennen "die Strecke, die uns am meisten liegt, wenn es trocken bleibt".
Längste Vollgas-Passage
Schnelle Kurven, viel aerodynamischer Grip und die mit 23 Sekunden längste Vollgas-Passage des Formel-1-Zirkus. All diese Streckeneigenschaften kommen dem Auto von Räikkönen entgegen.
Dazu hat Lotus ein weiteres Ass im Ärmel. In Belgien soll das Doppel-DRS, das in Hockenheim und Budapest bereits getestet wurde, erstmals auch über das gesamte Rennwochenende zum Einsatz kommen.
Bei diesem System wird über die Verstellung des Heckflügels ein F-Schacht aktiviert, der den Luftwiderstand verringert und damit die Höchstgeschwindigkeit auf der Geraden verbessert.
Vorteile im Qualifying
Während das DRS im Rennen nur zum Überholen eingesetzt werden darf, bringt es im Qualifying erheblich mehr Vorteile ( BERICHT: SPORT1-Teamcheck).
Und da hatte der Schweiger aus Espoo, der mit 48 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Fernando Alonso auf Platz fünf der WM-Wertung liegt, bislang noch seine größten Schwächen. Das beste Quali-Ergebnis ist ein vierter Platz beim Großen Preis von Spanien.
Dass Räikkönen im Rennen noch die eine oder andere Position gutmachen kann, hat der 32-Jährige in diesem Jahr jedoch zur Genüge nachgewiesen ( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).
"Wissen und Willen"
Dabei kann sich der Weltmeister von 2007 auf sein Team voll und ganz verlassen. Lotus gehöre immer noch zu den größten Rennställen in der Königsklasse. Es gebe dort die gleichen Mittel wie bei anderen Spitzenteams, um das schnellste Auto zu bauen, sagte Räikkönen bei "Autosport".
Dem Finnen imponiert aber vor allem der hohe Arbeitseifer im Team: "Die Mitarbeiter haben das Wissen und den Willen." Ein Sieg in Belgien wäre demnach auch die Krönung ihrer Anstrengungen ( DATENCENTER: WM-Stand Teams).
Der Ardennenkurs gilt bei Experten als die Strecke des Michael Schumacher, der sie als seinen Lieblingskurs bezeichnet und dort schon sechs Mal gewonnen hat.
Doch auch Räikkönen weiß, wie der Champagner auf dem Podium in Spa schmeckt. Viermal hat er ihn dort schon als Sieger genießen dürfen.
Wohl trocken aber kühl
Der Optimismus kann somit nur noch von den Wetterprognosen getrübt werden. Aktuell ist für Sonntag kein Regen vorhergesagt. Allerdings wird das Thermometer kaum über 20 Grad klettern.
Das dürfte nach den bisherigen Erfahrungen für Räikkönen und seinen französischen Teamkollegen Romain Grosjean etwas zu kalt sein.
Bislang haben die Reifen von Lotus nur bei wärmeren Temperaturen Spitzenzeiten zugelassen.